Börsenausblick Kriegsangst lässt nach

Der Irak scheint zu einem Einlenken bereit und will UN-Waffenkontrolleure wieder ins Land lassen. Die Börse in Tokio schloss deutlich fester, auch die europäischen Aktienmärkte sollten auf die Nachricht mit Kursgewinnen reagieren. Starke Kursbewegungen werden bei der MobilCom-Aktie erwartet.


Frankfurt am Main – Nach den deutlichen Verlusten des Vortages erwarten Marktbeobachter am Dienstag eine feste Eröffnung. Richtungsweisende Nachrichten kommen heute von der Politik: Der Irak hat sich bereit erklärt, UN-Waffenkontrolleure ohne Vorbedingungen wieder ins Land zu lassen. Die Entscheidung sei gefällt worden, um "jegliche Zweifel daran auszuräumen, dass der Irak nicht mehr über Massenvernichtungswaffen verfügt", erklärte der irakische Außenminister Nadschi Sabri in einem Brief an UN-Generalsekretär Kofi Annan.

In einer ersten Reaktion auf die nachlassende Kriegsgefahr ist der Ölpreis an den internationalen Märkten bereits deutlich gefallen und der Dollar gestiegen.

Im Blickpunkt der Investoren wird am Dienstag wieder die am Neuen Markt notierte MobilCom Chart zeigen sein. Trotz einer Millionenspritze des Bundes bleibt die Zukunft des schwer angeschlagenen Mobilfunkunternehmens ungewiss. Vor allem EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti hat am Montag für neue Verunsicherung gesorgt. Monti will - wie bei der spektakulären Hilfsaktion 1999 von Bundeskanzler Gerhard Schröder für den inzwischen insolventen Bauriesen Holzmann - die MobilCom-Hilfen unter die Lupe nehmen.

Die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau hat eine Soforthilfe über 50 Millionen Euro für das angeschlagene Unternehmen gebilligt. Am Montag ist das MobilCom-Papier mit einem Plus von annähernd 200 Prozent aus dem Handel gegangen.

Der Dax hat nach einem unruhigen Handelsverlauf am Montag mit einem Minus von 1,3 Prozent auf 3319 Punkte geschlossen. Die Nebenwerte verloren durchschnittlich um zwei Prozent und drückten den MDax auf 3110 Zähler. Am Neuen Markt sackte der Nemax 50 um 0,8 Prozent auf 421 Punkte.

Wall Street: Sorgen vor Berichtssaison an

Bei niedrigen Umsätzen haben die amerikanischen Börsen zum Wochenauftakt uneinheitlich geschlossen. Der Dow Jones legte um 0,8 Prozent auf 8380 Punkte zu. Der Nasdaq ging auf 1275 Zählern aus dem Handel, ein Minus von 1,2 Prozent.

Durchwachsene Signale sendete wieder einmal die Konjunktur aus: Die amerikanischen Unternehmen haben ihre Lagerbestände im Juli unerwartet deutlich aufgestockt. Sie hätten um 0,4 Prozent und damit den dritten Monat in Folge zugenommen, teilte das Handelsministerium am Montag in Washington mit. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Plus von 0,1 Prozent gerechnet. Die Geschäftsumsätze legten im Juli ebenfalls deutlich zu. Sie kletterten den Angaben zufolge um 1,2 Prozent auf 832,8 Milliarden Dollar. Das ist das größte Wachstum seit April. Im Juni waren sie lediglich um 0,3 Prozent gestiegen.

Marktbeobachter erwarten, dass die Börsen in den kommenden sechs bis acht Wochen seitwärts tendieren würden, bis neue Konjunkturdaten ein klareres Bild lieferten, wie es um die US-Wirtschaft bestellt ist. In dieser Woche stehen wichtige Daten an wie der Verbrauchervertrauensindex für August und die Industrieproduktion.

Außerdem sorgten sich die Anleger um die Gewinnsituation der Unternehmen: Händler sagten, dass die Zahl der Gewinnwarnungen vor der kommenden Berichtssaison größer sein werde als in den vorangegangenen Jahresvierteln. Deshalb seien die Anleger auch nicht gewillt, großartig in Aktien - vor allem Technologiewerte - zu investieren.

Die Aktienbörse in Tokio hat am Dienstag kräftig zugelegt. Vor dem Hintergrund einer deutlichen Abschwächung des Yen zum US-Dollar stieg der Nikkei-Index für 225 führende Werte nach einem verlängerten Wochenende um 302,01 Punkte oder 3,27 Prozent und schloss beim Stand von 9543,94 Zählern. Der Euro notierte bei 0,9658 ebenfalls etwas leichter.



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