Börsenausblick Neues MLP-Massaker befürchtet

Wenn gar nichts mehr geht, bleibt die Hoffnung auf den US-Notenbankchef Alan Greenspan. Spekulationen um eine Zinssenkung könnten die Börsen in dieser Woche stützen. In Deutschland richten sich die Blicke am Montag zunächst auf die T-Aktie und Volkswagen.


Frankfurt am Main - Kann US-Notenbankchef Alan Greenspan mit einer Zinssenkung noch einmal das Ruder herumreißen? Darauf zumindest hoffen die Märkte, nachdem in der vergangenen Woche eine Reihe negativer US-Konjunkturdaten die Börsen erneut unter Druck gesetzt haben. Die Fed trifft am 13. August zusammen. Der Dow Jones konnte auf Wochensicht ein kleines Wochenplus von 0,6 Prozent retten. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite, beendete die fünfte Woche in Folge mit Verlusten und gab 1,1 Prozent ab.

Die New Yorker Investmentbank Goldman Sachs etwa rechnet damit, dass die US-Notenbank ihre Leitzinsen von dem bereits extrem niedrigen Niveau von 1,75 Prozent möglicherweise im vierten Quartal auf bis zu ein Prozent senken wird. Damit wolle sie verhindern, dass die USA wieder in eine Rezession geraten, berichtet die amerikanische Wirtschaftsagentur "Bloomberg". Das wäre das niedrigste US-Zinsniveau seit 50 Jahren.

Erst in der vergangenen Woche hat Chefvolkswirt Stephen Roach von Morgan Stanley gewarnt, dass die weltgrößte Wirtschaftsmacht erneut in eine Rezession abgleiten könnte. Die Gefahr bezifferte auf 60 bis 65 Prozent.

Ob die vage Hoffnung auf eine Zinssenkung in dieser Woche die Märkte stützen kann, ist fraglich. Denn die Fälle von Bilanzunregelmäßigkeiten dürften nach Einschätzung von Händlern auch weiterhin am Vertrauen der Anleger nagen.

Aus deutscher Sicht könnte am Montag zunächst die T-Aktie Chart zeigen stehen. Die Vorstandsbezüge bei der Telekom beschäftigen nun auch die Staatsanwälte. Das berichten die "FAZ" und "Süddeutsche Zeitung". Die Stuttgarter Anwaltskanzlei Binz und Sorg habe Strafanzeige gegen den bisherigen Telekom-Vorstandsvorsitzenden Ron Sommer und die Mitglieder des Aufsichtsrats wegen Untreue gestellt - darunter den neuen Vorstandsvorsitzenden Helmut Sihler und Staatssekretär Heribert Zitzelsberger aus dem Bundesfinanzministerium.

Volkswagen Chart zeigen-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder will nach einem Vorab-Bericht der "Automobilwoche" ein Sparprogramm verkünden und noch in diesem Jahr mehrere hundert Millionen Euro im Konzern einsparen. Das bereits eingeschränkte Gewinnziel für 2002 solle nicht verfehlt werden, gab die "Automobilwoche" als Begründung an, ohne Quellen zu nennen.

Händler befürchten bei MLP weitere Kursverluste

Unter Druck könnten nach Einschätzung von Händlern zu Wochenbeginn die Aktien von MLP Chart zeigen geraten. Der Finanzdienstleister hatte am späten Freitagnachmittag einen Gewinnwarnung für das Gesamtjahr herausgegeben. Daraufhin war die Aktie um rund die Hälfte ihres Wertes eingebrochen. Händler erklärten, dass eine ganze Reihe von Investoren bereits im Wochenende waren und nun vermutlich noch MLP-Bestände auflösen könnten. Zudem droht dem Konzern womöglich der Rauswurf aus dem Dax.

Vor diesem Hintergrund ist wichtig, dass die Deutsche Börse in dieser Woche die Rangliste für die Dax-100-Unternehmen veröffentlichen wird. Die Entscheidung über die neue Zusammensetzung fällt der Vorstand der Deutschen Börse jedoch erst am 13. August. Die Neuregelung tritt dann im September in Kraft. Für eine Mitgliedschaft im DAX-30 müssen die Unternehmen bei Börsenkapitalisierung und Handelsumsätzen mindestens auf Platz 35 liegen.

Nach einem Bericht des "Handelsblatt" drängt der Energiekonzern Eon Chart zeigen offensichtlich das Bundeswirtschaftsministerium, die Verfahrensfehler bei der Ministererlaubnis für die Übernahme der Ruhrgas AG zu beseitigen. Die Zeitung schreibt unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise, der Energiekonzern prüfe nun, ob die vom Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf beanstandete Anhörung wiederholt werden könne. So könne die drohende Blockade vor Gericht vermieden, und die Fusion realisiert werden.

Singulus bestätigt Prognose

Am Neuen Markt hat vor Handelsbeginn Singulus Chart zeigen ihre Prognose für ein 20-prozentiges Umsatz- und Ergebniswachstum für das Gesamtjahr bekräftigt. Wie das Unternehmen mitteilte, betrug der Auftragseingang im zweiten Quartal 92,1 (59,9) Millionen Euro. Für das erste Halbjahr wies Singulus 169,6 (108,9) Millionen Euro aus. Beim Ergebnis nach Steuern erreichte das Unternehmen im ersten Halbjahr 12,624 (12,220) Millionen Euro und beim Umsatz 110,290 (104,509) Millionen Euro.

Warten auf Qiagen

Nachdem das Biotech-Unternehmen Qiagen Chart zeigen Anfang Juli seine Umsatz- und Gewinnschätzung für das laufende Geschäftsjahr nach unten revidiert hatte, rechnen Analysten für das zweite Quartal mit einem deutlichen Abschlag beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit). Qiagen dürfte an diesem Montag nach Börsenschluss ein Ebit von 11,82 Millionen Dollar nach 14,75 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum ausweisen. Beim Umsatz liegen die Erwartungen der Branchenexperten zwischen 72 und 73,50 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres wurden 66,05 Millionen Dollar umgesetzt.

Börse Tokio geht schwächer aus dem Handel

Die asiatische Leitbörse in Tokio ging am Montag mit Verlusten aus dem Handel. Der Nikkei gab 0,1 Prozent auf 9704 Zähler ab. Um elt Uhr Ortszeit wurde der US-Dollar leichter mit 118,85-87 Yen gehandelt nach 118,93-95 Yen am späten Freitag. Der Euro notierte im frühen Geschäft leichter mit 117,16-20 Yen nach 117,50-54 Yen am späten Freitag. Zum Dollar wurde der Euro ebenfalls leichter mit 0,9860-63 Dollar gehandelt nach 0,9880-82 Dollar am späten Freitag.



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