Börsenausblick Neues Ungemach für die Telekom

Schwache Vorgaben der Wall Street nach einem enttäuschenden Ausblick der US-Notenbank werden am Mittwoch die deutschen Aktienmärkte unter Druck setzen. T-Aktonäre müssen sich auf einen weiteren Kursrutsch einstellen.


Hamburg - Die New Yorker Aktienmärkte haben am Dienstag nach der Zinssenkung der US-Notenbank kräftig nachgegeben. Die Senkung der Leitzinsen um 25 Basispunkte sei bereits in den Kursen vorweggenommen worden, sagten Händler. Da Fed-Chef Alan Greenspan den Anlegern keine Hoffnungen auf ein Anziehen der amerikanischen Konjunktur machen konnte, sondern vielmehr seine Entscheidung mit dem anhaltenden Risiko einer Rezession für die US-Wirtschaft begründete, zeigten sich die Investoren enttäuscht und verkauften.

Die Kurseinbrüche in den USA werfen somit ihren Schatten auf den Handelstag am Mittwoch in Deutschland: Der Dow Jones fiel um 1,41 Prozent auf 10.174 Zähler zurück. Die Technologiebörse Nasdaq gab 2,66 Prozent auf 1831 Punkte. Analysten zufolge habe sich die Notenbank mit ihrer Begründung des Zinsschrittes die Tür für eine weitere Zinssenkung bei ihrem Treffen am 2. Oktober offen gelassen habe. Nach mittlerweile sechs verblassten Zinssenkungen konnte dies jedoch die Märkte nicht beflügeln.

Massiver Stellenabbau in den USA hält an

Belege für die von Greenspan angedeutete Schwäche der US-Unternehmen hatten gleich mehrere Konzerne geliefert. So hatten die zweitgrößte US-Bank J.P. Morgan Chase, der weltgrößte Büromöbelhersteller Steelcase und der Elektronik-Zulieferer Agilent Technologies massive Stellenstreichungen angekündigt. Nachbörslich wurde in New York bekannt, dass der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner 1700 Arbeitsplätze abbauen will.

Die gute Nachricht: Der Autokonzern General Motors hat den Ausblick für das dritte Quartal bestätigt. Wie das Unternehmen mitteilte, rechnet es weiter damit, die Konsensprognosen von Analysten zu übertreffen. Die könnte Autowerte genauso beflügeln wie die Nachricht, dass DaimlerChrysler trotz der gegenwärtigen konjunkturellen Schwäche in den USA einen "weiter relativ starken Kfz-Markt" erwartet.

Unter Druck könnte heute erneut die T-Aktie geraten, nachdem sie am Vortag mit 16,63 Euro auf den tiefsten Stand seit dreieinhalb Jahren gefallen war: Der Verkauf des Fernsehkabelnetzes der Deutschen Telekom an die Liberty Media Group droht zu scheitern. Wie das "Handelsblatt" aus dem Umfeld des US-Konzerns erfuhr, will Liberty-Präsident John Malone vor Unterzeichnung der Kaufverträge Zusagen der Bundesregierung darüber bekommen, dass Liberty in Deutschland keine Probleme mit dem Bundeskartellamt bekommt und zusätzlich zu dem Telekom-Kabel weitere kleinere Netzanbieter aufkaufen kann.

T-Aktie: Neue Großverkäufe drohen

Widersprüchliche Meldungen gibt es zu dem möglichen Verkauf weitere T-Aktien-Pakete: "Focus-Money" berichtet, dass nach der Hongkonger Hutchison Whampoa und der finnischen Mobilfunkgesellschaft Sonera nun offenbar auch der US-Großaktionär Telephone & Data Systems (TDS) den Verkauf seiner T-Aktien erwägt. Ein TDS-Sprecher sagte der hingegen Financial Times Deutschland, dass der Konzern seine 131,5 Millionen T-Aktien als langfristige Investition betrachte und sich in diesem Jahr nicht von seinen Papieren trennen werde.

Der MAN-Konzern wird seine Gewinnprognose für das laufende Jahr heute mit der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen möglicherweise erneut nach unten korrigieren. Neben Problemen im operativen Geschäft wird der Konzern durch finanzielle Unregelmäßigkeiten bei der britischen Tochtergesellschaft ERF belastet.

Höchst uneinheitlich beurteilen Analysten den Verlauf des ersten Halbjahrs bei der Deutschen Lufthansa. Vor der am Mittwoch erwarteten Vorlage rangierten die Prognosen für das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit zwischen einem Verlust von 119 Millionen Euro bis zu einem Gewinn von zwölf Millionen Euro. Die Analysten führen für den Gewinneinbruch den Pilotenstreik und einem dramatischen Rückgang beim Fracht- und Passagieraufkommen als Gründe an.

Die asiatische Leitbörse in Tokio zeigte sich von dem Kursrutsch an der Wall Street wenig beeindruckt. Der Nikkei stand kurz vor Handelsschluss mit 0,8 Prozent auf 11374 Punkte im Plus.



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