Börsenausblick Schwacher Auftakt in Frankfurt

Die deutschen Aktien starten schwach, die T-Aktie und Technologiewerte geben nach. Am Neuen Markt profitiert Thiel Logistik von einem Großauftrag.


Frankfurt am Main – Die deutschen Aktienmärkte sind mit Abschlägen in die neue Handelswoche gestartet. Der Dax gab bis 9.30 Uhr ein Prozent auf 4943 Zähler nach. Die Wachstumswerte im Nemax 50 präsentierten sich 0,9 Prozent leichter bei 1229 Punkte.

Während die Papiere von Infineon Chart zeigen ihren Aufwärtstrend vom Freitag mit einem Plus von 1,7 Prozent auf 22,30 Euro zunächst fortsetzen konnten, fielen die Papiere der Deutsche Telekom Chart zeigen deutlich. Die T-Aktie verlor rund zwei Prozent auf 18,78 Euro und zählte damit zu den schwächsten Werten im Dax. Das Papier hatte zum Wochenschluss mehr als vier Prozent zugelegt.

Die T-Aktie könnte durch neue Verkäufe ehemaliger Voicestream-Aktionäre unter Druck geraten. Zugleich hat das Papier nach der Umstellung der MSCI-Indizes auf Streubesitz jetzt weniger Gewicht in den Indizes. Große Fonds richten ihre Portfolios nach MSCI aus.

Unter Druck standen auch die Aktien von Epcos Chart zeigen , Siemens Chart zeigen und SAP Chart zeigen , die zwischen 1,3 und 1,7 Prozent verloren. SAP konnten damit nicht von einer Kaufempfehlung durch UBS Warburg profitieren.

Unbeeindruckt zeigten sich die Papiere des Energiekonzerns Eon Chart zeigen von der Meldung, dass das Bundeskartellamt den Einstieg des Konzerns bei der Ruhrgas AG abgemahnt hat. Wie die Wettbewerbshüter am Montag in Bonn bekannt gaben, würde das Vorhaben "zur Verstärkung marktbeherrschender Stellungen sowohl beim Absatz von Gas als auch beim Absatz von Strom" führen. Die Entscheidung der Kartellwächter ist noch nicht endgültig. Die Unternehmen haben vor einer endgültigen Entscheidung bis zum 7. Dezember die Möglichkeit, zu den Bedenken Stellung zu nehmen.

Am Neuen Markt kletterten die Aktien von Thiel Logistik Chart zeigen um fünf Prozent auf 25,30 Euro und zählten damit zu den stärksten Werten im Nemax 50. Der Logistikspezialist hat vor Handelsbeginn einen Großauftrag von 750 Millionen Euro gemeldet. Die Schieder Möbel Holding GmbH &Co KG vertraue ihre komplette Logistik dem Luxemburger Dienstleister an. Das Volumen betrage 75 Millionen Euro pro Jahr bei einer garantierten Vertragsdauer von mindestens zehn Jahren, heißt es in der Pflichtmitteilung.

Zweifel an Konjunkturoptimismus

Wenn der Dax auf Sicht von vier Wochen immerhin noch ein Plus von 8,87 Prozent aufweisen kann, spricht der Konsolidierungskurs der vergangenen Woche mit einem Minus von 3,1 Prozent doch eine deutliche Sprache. Die schwachen Signale der US-Konjunktur in der vergangenen Woche (Verbrauchervertrauen und US-BIP im Rückwärtsgang) machen eine schnelle Erholung immer unwahrscheinlicher.

Auch weitere Wirtschaftsdaten aus Amerika könnten den Konjunkturoptimismus eher bremsen. Die Erwartungen an den Nationalen Einkaufsmanagerindex (NAPM) für das Verarbeitende Gewerbe, der heute veröffentlicht wird, sind verhalten. Bereits in der vergangenen Woche war der Index für die Region Chicago für den Monat November deutlich abgefallen. Überdies stehen heute die Zahlen zur Entwicklung der persönlichen Einkommen und Ausgaben der Amerikaner für den Monat Oktober an.

"Die Märkte wollen grundsätzlich nach oben und nehmen deshalb positive Nachrichten auch sehr viel stärker auf als negative", lautet die Einschätzung eines Frankfurter Händlers. Doch hätten sich die Kurse in den vergangenen Wochen immer mehr von den wirtschaftlichen Fakten entfernt. Und auch wenn die Börse die erwartete konjunkturelle Erholung vorwegnehmen möchte, könne sie sich nicht immer den schwachen Konjunktur- und Unternehmensmeldungen entziehen, pflichten kritische Kollegen bei.

Vor allem kurzfristig orientierte Anleger könnten die starken Kurssteigerungen der vergangenen zwei Monate erneut zu Gewinnmitnahmen nutzen. Und das könnte auch in den kommenden Handelstagen zu spürbaren Kursrückschlägen führen, heißt es in Frankfurt. Zwar würden die Tiefststände vom 21. September höchstwahrscheinlich nicht mehr getestet, doch sei eine Konsolidierung bis 4700 Punkte im Dax zu erwarten.

US-Energiekonzern Enron meldet Insolvenz an

Einen Blick sollten die Investoren heute auf alle Fälle auf die Aktien von Banken und Energiekonzernen legen. Der größte Energiemakler der Welt, der US-Energiekonzern Enron hat am Sonntag Insolvenz angemeldet. Neben amerikanischen Großbanken haben auch deutsche Banken dem US-Energieriesen Kredite eingeräumt. Die Deutsche Bank Chart zeigen etwa bezifferte einen möglichen Forderungsausfall bei einer Pleite von Enron auf bis zu 100 Millionen Dollar. Unter der Pleite von Enron dürften auch die deutschen Energiekonzerne leiden.



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