Börsenausblick Schwacher Start erwartet

Die US-Vorgaben sind mäßig, ein schwächerer Auftakt wahrscheinlich. Bewegung in die Märkte dürften neue US-Konjunkturdaten bringen.


Frankfurt am Main - Der Kanzler stellt die Vertrauensfrage. An den Aktienmärkten wird der Ausgang der Abstimmung heute allerdings nur eine untergeordnete Rolle spielen, erklären Marktbeobachter. Sollte Gerhard Schröder scheitern, was eher als unwahrscheinlich gilt, werde es nur kurzfristig zu Kursbewegungen kommen. Der einhellige Tenor lautet: "Politische Börsen haben kurze Beine."

Interessanter ist für die Börsianer vielmehr die Frage, ob das Vertrauen der Investoren in den Aufwärtstrend anhalten wird. In New York zumindest schienen die Investoren zu zweifeln: Trotz erfreulicher Konjunkturdaten unterbrach die Wall Street gestern ihren Höhenflug. Der Dow Jones schloss mit einem kleinen Plus von 0,5 Prozent auf 9872 Zähler. Der Nasdaq Composite rutschte mit 0,1 Prozent auf genau 1900 Zähler geringfügig ins Minus.

Nachbörslich allerdings gab es gute Nachrichten von dem US-Internetkonzern Yahoo! und dem weltgrößten Computerkonzern Dell.

Yahoo hat seine Gewinn- und Umsatzprognosen für das vierte Quartal 2001 bekräftigt und einen Umsatzanstieg für 2002 in Aussicht gestellt. Der Umsatz dürfte zwischen 160 Millionen und 180 Millionen Dollar liegen, teilte das Unternehmen mit. Der Gewinn je Aktie dürfte zwischen null und einem Cent je Aktie betragen. Analysten rechnen mit einem Cent je Aktie für das letzte Quartal.

Der Computerhersteller Dell hat trotz des um mehr als einem Drittel niedrigeren Gewinns im dritten Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen und zudem Marktanteile gewonnen. Der Nettogewinn habe 429 Millionen Dollar oder 16 Cent je Aktie betragen, nach 674 Millionen Dollar ein Jahr zuvor, teilte das texanische Unternehmen nach US-Börsenschluss mit. Von Thomson Financial/First Call befragte Analysten hatten im Mittel mit 15 Cent je Aktie gerechnet.

Als Erwartung für das vierte Quartal nannte Chef und Firmengründer Michael Dell einen Gewinn von 16 Cent je Aktie.Dell steigere seinen Marktanteil schneller als je zuvor in der Firmengeschichte, sagte der Firmenchef weiter.

Da auf deutscher Seite wenig Unternehmensnachrichten anstehen, dürften die Augen auf die neuen US-Konjunkturdaten gerichtet sein. Vor Börsenstart in New York werden die Verbraucherpreise, Daten zur Industrieproduktion zu den Realeinkommen und zur Kapazitätsauslastung im Monat Oktober erwartet.

Die Zukunft der Auslandsaktivitäten bei der Comdirect Bank wird bei der Vorlage der Drittquartalszahlen heute im Vordergrund stehen. Die ursprünglich für Montag geplante und auf Freitag verschobene Veröffentlichung des Neunmonatsergebnisses steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Zukunft der Auslandsgesellschaften. Offiziell waren lediglich "strategische Entscheidungen" des Comdirect-Aufsichtsrats für die Verlegung angeführt worden. Aus gut informierten Kreisen verlautete aber, dass eine Entscheidung über die Tochterunternehmen getroffen wurde.

Als wahrscheinlich gilt in der Branche, dass die Aktivitäten in Frankreich und Italien veräußert oder ganz eingestellt werden. Das Geschäft in Großbritannien dürfte der Online-Broker dagegen aller Voraussicht nach fortführen. Die Trennung wird von den Märkten erwartet und dürfte sich wohl moderat positiv auf den Kurs auswirken, da bislang die Kosten-Nutzen-Relation in Frankreich und Italien ziemlich fragwürdig gewesen ist.

Comdirect wird auch im dritten Quartal rote Zahlen schreiben. Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler erwartet einen Vorsteuerverlust von 18 Millionen Euro nach über 26 Millionen Euro im Vorquartal.

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss erneut im Plus. Der Nikkei kletterte um 1,5 Prozent auf 10.649 Punkte.



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