Börsenausblick Vorgaben uneinheitlich

Die Börse in Tokio schließt trotz schwacher Vorgaben aus New York im Plus. Das ist ein gutes Zeichen für den heutigen Handelstag.


Hamburg - Die schlechten Nachrichten zuerst: Mit 2244 Zählern hat die US-Technologiebörse Nasdaq mit einem 52-Wochentief geschlossen. Sun Microsystems hat nachbörslich eine Gewinnwarnung für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres herausgegeben. Der Gewinn je Aktie im dritten Quartal soll zwischen 7 und 9 Cent statt der erwarteten 15 Cent je Aktie liegen. Auch der Umsatz soll geringer ausfallen. Nachbörslich fiel die Aktie auf ein neues Jahrestief.

Die gute Nachricht: Das vorbörsliche Barometer, der Nasdaq Future, liegt dennoch im Plus. Das könnte ein kleiner, wenn auch vager Hinweis darauf sein, dass die US-Technologiebörse allmählich ihren Boden zu finden scheint und einzelne Hiobsbotschaften nicht mehr breite Schockwellen über den ganzen Markt rollen lassen. Doch warten wir es ab - die Futures sind bekanntermaßen sehr launisch. Der Dow Jones schloss gestern nahezu unverändert auf dem Vortagesniveau.

Immerhin: Die Investoren in Japan scheint die schwache Vorgabe der Nasdaq wenig zu berühren. Die asiatische Leitbörse in Tokio hat den Handel am Freitag fest beendet. Der Nikkei-Index ging mit einem Plus von 172,64 Punkten oder 1,3 Prozent mit 13.246 Punkten ins Wochenende. Zu der guten Stimmung trug unter anderem die Nachricht bei, dass der High-Tech-Konzern Sharp nach eigenen Angaben seine gesetzten Gewinnziele erreichen wird - das ist bei der derzeit latenten Schwäche der Technologiewerte keine Selbstverständlichkeit. Die Sharp-Aktie ging mit einem Plus von 4,4 Prozent aus dem Handel. Auch in Hongkong und Singapur zeigten sich die Börsen fester.

Sind die Vorgaben für den heutigen Handelstag auch gemischt, sollte es nach den gestern markierten Jahrestiefständen zumindest am Neuen Markt wieder nach oben gehen. Der Nemax-50 war am Donnerstag kurzfristig sogar unter die Marke von 2000 Zählern gefallen. Im Gegensatz zu skeptischen Händlern sehen charttechnische Analysten hier den Boden nun erreicht und rechnen zumindest kurzfristig mit einer Gegenbewegung. Sie verweisen dabei unter anderem auf den hohen Bargeldbestand bei Fondsmanagern. Während frustrierte Privatanleger sich immer mehr von Aktien als Anlage trennen, würden die Profis unter den Investoren jetzt anfangen, günstig einzusammeln, heißt es.

Mit Spannung erwarten Investoren darauf, ob nicht möglicherweise doch schon erste Nachrichten aus der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung von DaimlerChrysler sickern werden. Hier beraten die Manager unter anderem über den harten Sanierungskurs beim amerikanischen Partner Chrysler. Offiziell soll das Restrukturierungsprogramm erst am Montag vorgestellt werden. Derweil plant der DaimlerChrysler-Partner Mitsubishi nach japanischen Presseberichten den Abbau von 6000 seiner weltweit 65.000 Stellen innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren. Die Palette der Modelle soll von derzeit 24 auf zehn verringert werden, das Werk in Nagoya werde geschlossen, heißt es. Auch die Kosten bei Zulieferern wolle man senken.

Spannend könnte auch der Handelsauftakt für Rheinmetall-Aktionäre werden. Ein "aggressiver" US-amerikanischer Investor soll nach Informationen des "Handelsblatt" bei der Rheinmetall eingestiegen sein, um die Börsenkurse nach oben zu drücken. Guy Wyser-Pratte habe knapp 5,1 Prozent der Stammaktien erworben, heißt es. Ein Rheinmetall-Sprecher bestätigte der Zeitung, dass am Donnerstag eine entsprechende Mitteilung von Wyser-Pratte eingegangen sei.



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