Börsenausblick VW und SAP im Fokus

Am Tag der Hauptversammlung von SAP könnte dies die Aktie erneut belasten. Bei VW erwarten die Märkte einen Gewinnrückgang. Bleibt zu hoffen, dass neue Konjunkturdaten die Wall Street nicht enttäuschen.


Frankfurt am Main - Die Vorgaben der Wall Street für den letzten Handelstag in dieser Woche sind schwach. Der Dow Jones zeigte sich gegenüber dem Handelsschluss in Deutschland wenig verändert und ging mit einem Plus von 0,3 Prozent auf 10.091 Punkte aus dem Handel. Steil bergab rutschte dagegen der Nasdaq Composite. Der Index für die Technologiebörse notierte zur Schlussglocke zwei Prozent leichter auf 1644 Punkte. Der Index kam damit der Unterstützungslinie von 1600 Punkten bedrohlich nahe.

Vor allem Sorgen um künftige Unternehmensgewinne haben die Kurse an der Nasdaq in die Tiefe gerissen. Insbesondere die Kursverluste von Markt-Schwergewichten wie Oracle, Sun Microsystems oder Cisco belasteten die Börsenbarometer. "Es ist ein extrem volatiler Markt ohne einen Trend," sagte der Marktstratege Hugh Johnson von Frist Albany. Investoren hielten derzeit nicht viel von den Prognosen der Unternehmen. "Sie sind sehr defensiv geworden."

Schlechte Nachrichten und Kursstürze bei Softwareaktien könnten heute erneut die Papiere von SAP Chart zeigen belasten, die bereits am Vortag mehr als sieben Prozent verloren hatten.

Die Analysten von Merrill Lynch schrieben etwa zu Oracle: "Wir sind weiterhin besorgt über die 50-Prozent-Lizenzwachstums-Prognose für das vierte Quartal von Oracle." Der Konzern werde diese Prognose wohl wegen der Wirtschaftsschwäche nicht erfüllen können. Damit verstärkten die Experten den anhaltenden Kursrutsch des weltweit zweitgrößten Software-Anbieters. Die Aktie verlor knapp zehn Prozent. Innerhalb der vergangenen zwei Handelstage hatte die Aktie rund 30 Prozent nachgegeben. Die Titel der Wind River Systems büßten rund 28,5 Prozent auf 7,15 Dollar ein. Der Software-Entwickler hatte mitgeteilt, der Quartalsverlust werde voraussichtlich höher als erwartet ausfallen.

Nach dem Kurssturz der Sun Microsystems-Aktie von knapp 15 Prozent sanken die Papiere des Hardwareherstellers am Donnerstag um weitere 7,46 Prozent. Der für das Tagesgeschäft verantwortliche Geschäftsführer und Präsident des US-Netzwerkrechner-Herstellers Edward Zander hatte am Dienstag seinen Rücktritt zum 1. Juli bekannt gegeben. Zander ist innerhalb von drei Wochen der dritte hochrangige Manager, der Sun verlässt.

Die Aktien des Telefonkonzerns WorldCom waren zeitweise der Hauptverlierer im Nasdaq-Auswahlindex. Die Papiere sanken zum Handelsschluss um 8,14 Prozent. Am Vortag hatte der Anteilsschein nach einer wilden Berg- und Talfahrt trotz negativer Analystenkommentare noch im Plus geschlossen, nachdem Vorstandschef Bernie Ebbers Anfang der Woche zurückgetreten war.

Auf die Stimmung gedrückt habe auch die Bonitäts-Herabstufung des hoch verschuldeten Fotokopierer-Herstellers Xerox, sagten Börsianer. Die Nachricht habe Befürchtungen über die Schuldenlast der US-Firmen geweckt. "Nachdem Xerox von Moody's heruntergestuft wurde, gibt es generelle Befürchtungen, dass die Unternehmen ihre Verbindlichkeiten nicht umschulden können", sagte Gene March, Portfolio Manager bei Armada Equity Growth Fund. Der Aktienkurs von Xerox gab um rund zwölf Prozent nach. Die Titel lagen an zweiter Stelle der Umsatzstatistik der New York Stock Exchange.

Wenig Erfreuliches erwarten Börsianer von der Konjunkturfront. Nach Einschätzung von Experten dürfte die US-Arbeitslosenquote im April auf 5,8 Prozent gestiegen sein und damit ihren Höhepunkt erreicht haben. Im März hatte die Arbeitslosenquote bereits überraschend deutlich um 0,2 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent zugelegt. Gleichzeitig wird bei der Vorlage der April-Arbeitsmarktdaten (14.30 Uhr MESZ) im Durchschnitt mit einer Zunahme der Zahl der Beschäftigten um knapp 60.000 gegenüber dem Vormonat gerechnet. Im März war bereits ein entsprechender Anstieg um 58.000 Personen verzeichnet worden.

Allerdings wiesen Börsianer darauf hin, dass der Markt die schwachen Arbeitsmarktdaten bereits in den Aktienkurse berücksichtigt habe. Sollte das Zahlenwerk deutlich von den Erwartungen abweichen, könnte es an der Wall Street weiter bergab gehen. Überdies erwarten die Märkte den Einkaufsmanager-Index für das nicht verarbeitende Gewerbe. Die Daten werden gegen 16 Uhr (MEZ) veröffentlicht.

Aus deutscher Sicht stehen zunächst die Quartalszahlen von Volkswagen Chart zeigen im Mittelpunkt des Interesses. Der Autobauer wird nach Ansicht von Analysten ein schwächeres Quartalsergebnis als im Vorjahr ausweisen. Die Experten hegen zudem, dass der neue VW-Chef Pischetsrieder seine ambitionierte Jahresprognose halten kann. In Europa und auf dem deutschen Markt stehen die Wolfsburger stark unter Druck.

Die Aktionäre des Walldorfer Softwareherstellers SAP werden heute in Mannheim zur Hauptversammlung erwartet. Zuletzt hatten sinkende Lizenzeinnahmen das Quartalsergebnis des größten europäischen Softwarehauses gedrückt. Laut Zeitungsberichten könnten Unklarheiten über einen Firmenzukauf und die umstrittene Besetzung eines Postens im Aufsichtsrat zu Diskussionen mit dem Vorstand führen.

Zudem belastete am Donnerstag eine mögliche Übernahme des dänischen Softwarehauses Navision durch den US-Softwarekonzern Microsoft den SAP-Aktienkurs, denn damit könnte Microsoft direkter Wettbewerber im Markt für Programme zur Kundenverwaltung werden. Die Aktie verlor 7,34 Prozent auf 134 Euro und war damit schwächster Wert im Dax.

Schering Chart zeigen will die Vertriebs- und Herstellungsrechte für das Krebsmedikament Leukine von dem US-amerikanischen Unternehmen Immunex Corporation erwerben. Wie ein Unternehmenssprecher am Freitag mitteilte, sei das Produkt bereits auf dem Markt und Schering beabsichtigt, für die Transaktion 380 Millionen Dollar aufzubringen. Der Verkauf von Leukine stehe im Zusammenhang mit der Fusion zwischen der Immunex und Amgen.

"Mit Leukine verstärken wir unsere Marktstellung auf dem Gebiet der Onkologie und erweitern unser biotechnologisches Entwicklungsportfolio um eine innovative Technologieplattform", teilte Vorstandschef Hubertus Erlen mit. Die Prognosen für Umsatz und Ergebnis für das Gesamtjahr 2002 blieben auch unter Berücksichtigung der Einflüsse aus dem Erwerb von Leukine unverändert, ergänzte Finanzvorstand Klaus Pohle.

Die Börse in Tokio bleibt wegen eines Feiertages geschlossen.



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