Börsenausblick Warten auf die Kurserholung

Schwache Vorgaben aus Tokio und New York lasten zur Handelseröffnung auf den deutschen Aktienmärkten. Im Blickpunkt der Anleger stehen wieder die Technologiewerte.


Frankfurt am Main – Kaum ein Börsentag vergeht, an dem nicht ein Unternehmen vor niedrigeren Gewinnen oder Umsätzen warnt. Gestern nach Börsenschluss war der Internetriese Amazon an der Reihe. Zwar konnte Gründer Jeff Bezos ein besseres Ergebnis präsentieren, als der Markt erwartet hatte, zugleich musste er jedoch die Umsatzprognosen deutlich nach unten korrigieren. Ähnlich negativ äußerten sich auch Texas Instruments und Lexmark.

Gegen diese Flut belastender Nachrichten können sich die deutschen Techtitel am Dienstag voraussichtlich nur schwer behaupten. Zudem lasten noch hausgemachte Probleme auf den Kursen: Gegen die Softwareschmiede SAP ermittelt der "Berliner Zeitung" zufolge das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel. "Wir prüfen, ob SAP gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen hat", wird eine Sprecherin des Amtes zitiert. Am Wochenende hatte der größte europäische Softwarekonzern eingeräumt, weniger Gewinn erwirtschaftet zu haben als noch am vergangenen Donnerstag präsentiert. Auslöser waren die Quartalsverluste von mehr als zwei Milliarden Mark des US-Softwareherstellers Commerce One, an dem SAP beteiligt ist.

Positive Impulse könnten am Nachmittag von US-Notenbankchef Alan Greenspan ausgehen. Der oberste Währungshüter der USA spricht vor dem Bankenausschuss des US-Senats und wird auf die konjunkturelle Entwicklung der weltgrößten Wirtschaftsmacht eingehen. Anleger und Frankfurt und New York warten sehnsüchtig auf erste Anzeichen einer Erholung.

"Anfang des Jahres hofften die Anleger auf eine Erholung im zweiten Quartal. Vor wenigen Wochen spekulierte man allgemein auf einen Umschwung in der zweiten Jahreshälfte. Jetzt setzt man an der Wall Street auf ein Anziehen der Konjunktur zu Beginn des neuen Jahres: Doch die Nerven werden immer dünner", sagte Terry Diamond, Chairman of Talon Asset Management.

Die Vorgaben aus den USA und Japan sind zudem sehr schwach. Der Dow Jones gab am Montag um 1,4 Prozent nach, auf einen Stand von 10.424 Punkten. Der breiter gefächerte S&P 500 fiel um 1,6 Prozent auf 1191 Zähler zurück. Die Nasdaq brach um zwei Prozent ein, auf 1989 Punkte.

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat bis zum frühen Dienstagnachmittag weiter uneinheitlich tendiert. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte notierte um 12.45 Uhr Ortszeit ein leichtes Plus von 42,31 Punkten beim Stand von 11.651 Zählern. Am Vortag schloss der Index auf einem 16-Jahrestief. Der breiter angelegte Topix verzeichnete allerdings ein Minus von 1,81 Punkten bei 1161 Zählern.

Hochtechnologiewerte stießen auf unterschiedliches Interesse. Während Toshiba, Mitsubishi Electric und Matsushita nachgaben, legten Fujitsu, NEC und Kyocera zu. Die vier großen Bankengruppen Mizuho, UFJ, Sumitomo Mitsui und Mitsubishi Tokyo zeigten sich robust.



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