Börsenbaisse Bofinger befürchtet Konjunkturdelle

Die aktuelle Finanzkrise bremst nach Meinung des Wirtschaftsweisen Peter Bofinger das Wachstum der Weltwirtschaft. Den entscheidenden Fehler hätten die Amerikaner gemacht.


Hamburg - "Wir erleben derzeit das Ende eines langen und ungewöhnlich starken globalen Aufschwungs", sagte Bofinger der Tageszeitung "Die Welt". In den letzten dreieinhalb Jahren sei die Weltwirtschaft so gut gelaufen wie seit 25 Jahren nicht mehr.

Wirtschaftsweiser Bofinger: Zentrale Kreditregistratur angeregt
AP

Wirtschaftsweiser Bofinger: Zentrale Kreditregistratur angeregt

Allerdings seien in der amerikanischen Geldpolitik entscheidende Fehler gemacht worden, fügte Bofinger hinzu: "Sie war in den Jahren 2004 und 2005, als sich die Wirtschaft längst von der Krise in Folge der Terroranschläge im September 2001 erholt hatte, viel zu expansiv." Die niedrigen Zinsen hätten auf die Wirtschaft wie eine Art Doping gewirkt und damit nicht nur die amerikanische Konjunktur beschleunigt, sondern die ganze Weltwirtschaft. "Dieser Effekt fällt jetzt weg und beendet damit eine Phase extrem guten Wachstums", sagte Bofinger.

Das dürften auch die Unternehmen in Deutschland zu spüren bekommen, sagte Bofinger. "Es kann gut sein, dass wir im kommenden Jahr ein deutlich schwächeres Wachstum haben werden, zumal unsere Binnennachfrage nach wie vor nicht in Schwung gekommen ist." Trotzdem sieht er für Verbraucher und auch mittelständische Unternehmen keinen Grund, in Panik zu verfallen.

Für die Industrie sehe es etwas schlechter aus. "Aber sie ist international so gut aufgestellt und verfügt über so große Auftragsbestände, dass sie mit einer etwas verhalteneren Exportnachfrage auch noch ganz gut über die Runden kommen wird", sagte Bofinger.

Um besser für die nächste Finanzkrise geschützt zu sein, sollten sich nach Meinung des Ökonomen die Aufsichtsbehören von Banken und Finanzmärkten stärker an die Erfordernisse einer globalisierten Wirtschaft anpassen: "Die Aufsichtsbehörden sind zu wenig miteinander vernetzt. Das sollte sich zumindest schon einmal in Europa ändern oder besser noch im Rahmen der G7-Staaten."

Bofinger denkt dabei zum Beispiel an ein globales Kreditregister. Dort müssten alle Banken ihre Kredite melden, die eine bestimmte Größe überschreiten. Dadurch hätte eine zentrale Stelle den Überblick, wie viel Geld ein bestimmter Fonds von allen Banken bekommen hat. "Dadurch hätten wir mehr Transparenz bei den Geschäften der Hedge-Fonds geschaffen", sagte Bofinger.

mik/dpa-AFX



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