Börsenblick Drastische Gewinnwarnungen aus den USA

Mehrere US-Technologiefirmen korrigieren ihre Prognosen. Die Techwerte in Deutschland stehen damit erneut unter Druck. Experten sehen den Nemax bald nur noch dreistellig.


Frankfurt am Main – Bereits am Donnerstag hatten Gewinnwarnungen aus den Niederlanden und Großbritannien die Börsen auf neue Tiefststände gedrückt.

Nach Börsenschluss in den USA warnten am Donnerstag mit AMD, EMC und BMC Software gleich drei US-Technologie-Schwergewichte vor niedrigeren Gewinnen. die Prognosen der Analysten drastisch. In Tokio reagierte die asiatische Leitbörse mit einem Kurssturz. Der Nikkei durchschnitt die technisch wichtige Marke von 12.600 Punkten als hätte es sie nie gegeben. Der Index gab 2,40 Prozent oder rund 300 Punkte auf 12.330 Zähler nach.

Ausmaß der Warnungen überrascht

Bestürzend ist weniger die Tatsache, dass der Chiphersteller und Intel-Konkurrent AMD eine Gewinnwarnung herausgegeben hat. Vielmehr überrascht das Ausmaß: Für das zweite Quartal rechnet der Konzern nunmehr mit einem Gewinn je Aktie von drei bis fünf Cents. Analysten der Wall Street hatten im Schnitt mit 27 Cents gerechnet. Im zweiten Quartal 2000 hatte AMD noch einen Gewinn je Aktie von 61 Cents erwirtschaftet. Der Umsatz werde im Vergleich zum Auftaktquartal dieses Jahre um rund 17 Prozent niedriger ausfallen.

Auch der weltgrößte Hersteller von Datenspeichern, EMC Corp, rechnet nach eigenen Angaben damit, im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres Gewinn- und Umsatzschätzungen der Analysten deutlich zu verfehlen. Statt der erwarteten 17 Cents Gewinn je Aktie sollen es nach Angaben des Konzerns im zweiten Quartal nur noch vier bis sechs Cents sein. Bei BMC Software sollen es lediglich sechs bis acht Cents je Aktie sein, anstatt der von Analysten erwarteten 13 Cents.

Experten sehen Nemax bald dreistellig

Vor dem Hintergrund dieser neuen Hiobsbotschaften ist an den deutschen Aktienmärkten mit weiteren Verlusten zu rechnen. Dabei fragt sich der besorgte Anleger, wie tief es eigentlich noch gehen kann. Bereits gestern hatten die Wachstumswerte im Nemax-50 mehr als fünf Prozent auf 1282 Zähler verloren. Der Nemax All Share markierte ein neues Allzeittief. Experten halten mittelfristig ein Abrutschen der Indizes unter die Marke von 1000 Punkten durchaus für möglich.

Fonds ziehen sich aus Nemax zurück

Zudem wird beobachtet, dass die Wachstumswerte Abwärtsbewegungen der US-Technologiebörse Nasdaq ungleich stärker nachzeichnen als die Aufwärtsbewegungen. Begründet wird dies insbesondere mit dem starken Vertrauensverlust in dieses Segment. Vor allem Fonds würden sich nach der langen Liste von Skandalen und schlechten Nachrichten zusehends aus dem Neuen Markt zurückziehen und lieber in den USA investieren, schreibt die "Welt" in ihrer Freitagausgabe.

Erschwerend für Technologiewerte in Deutschland kommt heute hinzu, dass die US-Börsen schwache Vorgaben liefern. Der Dow Jones verlor 0,86 Prozent auf 10.480 Punkte. Die Technologiewerte im Nasdaq Composite gaben 2,83 Prozent auf 2080 Zähler nach. Zum Handelsschluss in Deutschland waren es rund zwei Prozent gewesen.

Angesichts dieses angespannten Marktumfeldes werden vermutlich vor allem die Aktien der im Nemax-50 notierten Steag Hamatech in den Keller rauschen. Gegen 8.38 Uhr warnte das Unternehmen ad hoch, dass es in diesem Jahr nicht mehr mit einem Gewinn rechnet.



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