Börsenboom Aktieninstitut warnt vor dem Zeichnungswahn

Die ungewöhnlich hohen Zeichnungsgewinne in den vergangenen Monaten haben immer mehr Neulinge an die Börse gelockt. Ein Trend, den das Deutsche Aktieninstitut (DAI) mit Argwohn betrachtet.


Frankfurt am Main - "Den oftmals hochspekulativ motivierten Ansturm auf Neuemissionen sehen wir mit Skepsis", sagte DAI-Vorstand Rüdiger von Rosen. "Viele Anleger zeichnen blind mit der Hoffnung auf schnellen Gewinn." Die bei Börsengängen von Unternehmen oft erzielten Kurssprünge der neuen Aktien "von einhundert Prozent und mehr verstärken das Image der Aktie als Zockerpapier", monierte er.

Hoffnung auf den schnellen Euro: Börse in Frankfurt
DPA

Hoffnung auf den schnellen Euro: Börse in Frankfurt

Das deutliche gestiegene Interesse der Bundesbürger an Aktien sei dennoch sehr positiv - allein schon wegen der Vorzüge für die private Altersvorsorge. Deutschland habe, vor allem im Vergleich zu den USA, Großbritannien oder Schweden, in punkto Aktienkultur großen Nachholbedarf.

Rosen warnte eindringlich vor dem Aktienkauf auf Pump. Privatanleger sollten "tunlichst nicht hochspekulativ auf Basis von Kredit" Anteilsscheine kaufen. "Das ist viel zu riskant." Das DAI hat allerdings keine konkreten Zahlen, wie viele Anleger in Deutschland zuletzt mit Hilfe von Krediten unter die Aktionäre gegangen sind.

Nach Angaben des Deutschen Aktieninstitutes ist die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland seit 1992 um 25,6 Prozent auf fünf Millionen gestiegen, was einem Anteil von knapp acht Prozent der über 14-jährigen Deutschen entspricht. In den USA liegt der Prozentsatz der Aktienbesitzer über 25 Prozent, in Großbritannien sind es 23 und in Schweden sogar 35 Prozent.

In Aktienfonds wurden 1999 über 33 Milliarden Euro (Vorjahr: 22,6 Milliarden Euro) investiert. Das Publikumsfondsvolumen stieg zum Jahresende von 288,4 auf 391,5 Milliarden Euro.



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