Börsenchaos Finanzaufsicht prüft VW-Kurssprünge

Geht die Kursentwicklung bei Volkswagen mit rechten Dingen zu? Jetzt untersucht die Finanzaufsicht BaFin die Kurssprünge der VW-Aktie - auch wenn sie derzeit keinen Verdacht auf Marktmanipulation hat.


Bonn - Die Finanzaufsicht hat wegen der beispiellosen Kurssprünge der VW-Aktie am Mittwoch eine Untersuchung eingeleitet. Die Behörde prüfe, ob es Anhaltspunkte für Marktmanipulation gebe, sagte eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu SPIEGEL ONLINE. Wie lange die Prüfung dauere, sei derzeit nicht abzusehen.

Produktion bei Volkswagen: Genauere Untersuchung der Kurssprünge
AP

Produktion bei Volkswagen: Genauere Untersuchung der Kurssprünge

Ursache für das Verfahren ist das drastische Kursplus der VW-Aktie in den vergangenen zwei Tagen. Am Dienstag kostete das Papier zeitweise mehr als 1000 Euro, Volkswagen Chart zeigen war damit kurzzeitig das teuerste Unternehmen der Welt - noch vor dem US-Mineralölgiganten Exxon Mobil Chart zeigen.

Es gebe zwar keinen Verdacht auf Marktmanipulation, man wolle aber genauer untersuchen, wie es zu den Kurssprüngen gekommen sei, sagte die BaFin-Sprecherin.

Nach Erklärung von Aktienhändlern und Analysten war die gigantische Spekulationsblase entstanden, weil Porsche Chart zeigen am Wochenende verkündet hatte, bereits 42,6 Prozent der VW-Anteile zu besitzen und Optionen auf weitere 31,5 Prozent zu halten, somit über 74,1 Prozent zu verfügen. Zusammen mit den 20 Prozent Beteiligung des Landes Niedersachsen befänden sich damit nur etwas mehr als fünf Prozent der VW-Aktien im tatsächlichen Streubesitz.

Das Angebot an Papieren des Konzerns wurde dadurch ausgerechnet in einer Zeit knapp, da viele Hedgefonds und Banken mit Leerverkäufen auf sinkende VW-Kurse spekuliert hatten - und nun große Nachfrage nach Aktien hatten (Details siehe Grafik unten). Weil die VW-Aktie durch den enormen Zuwachs bis zu 27 Prozent Gewicht im Dax bekam, kündigte die Deutsche Börse Chart zeigen in einer Eilaktion an, den Anteil des Konzerns im Index bis Montag auf zehn Prozent zu begrenzen. Porsche versprach, VW-Aktien auf den Markt zu werfen, um die Lage zu entspannen.

Porsche lehnte eine Verantwortung für den Kurssprung entschieden ab. Dem Unternehmen lägen Informationen vor, wonach spekulativ handelnde Leerverkäufer, sogenannte Shortseller, zur Erfüllung ihrer Lieferverpflichtungen VW-Stammaktien kaufen mussten, teilte der Stuttgarter Autobauer am Mittwoch mit. Dies habe zu dem massiven Kursanstieg geführt.

Die Volkswagen-Aktie stürzte am heutigen Mittwoch wieder um mehr als 40 Prozent ab. Der deutsche Leitindex Dax hielt sich damit insgesamt stabil auf Vortagesniveau - ohne Volkswagen hätte er deutlich um mehr als sieben Prozent zugelegt, denn sämtliche anderen 29 Dax-Werte gewannen am Mittwoch.

Anders als beim Dax Chart zeigen konnten die Indizes der Nebenwerte deutlich zulegen. Der MDax Chart zeigen kletterte bis gegen 13 Uhr um 6,2 Prozent auf 5174 Punkte. Der TecDax Chart zeigen gewann ebenfalls 6,2 Prozent auf 492 Zähler hinzu.

Die meisten anderen europäischen Indizes präsentierten sich am Mittwoch freundlich. Der Londoner FTSE 100 Chart zeigen legte zeitweise 3,8 Prozent zu, der französische CAC 40 Chart zeigen lag 5,9 Prozent im Plus.

Zuvor hatte bereits der japanische Nikkei Chart zeigen - angetrieben von der Rallye in New York - 7,7 Prozent dazugewonnen und bei 8212 Punkten geschlossen. Für das deutliche Plus in Japan und zuvor den USA wurden auch Spekulationen verantwortlich gemacht, dass die Zentralbanken beider Länder in dieser Woche die Zinsen senken könnten, um der Weltwirtschaft auf die Beine zu helfen. Die US-Notenbank wollte ihre Zinsentscheidung am Mittwochabend bekanntgeben. Auch von der Europäischen Zentralbank und der Bank of England werden baldige Zinssenkungen erwartet.

Analysten mahnen trotz der plötzlichen Kurssprünge zur Vorsicht: "Das ist immer noch eine volatile Welt, wie der erstaunliche Anstieg des Dow um elf Prozent zeigt", sagte Calyon-Analyst Daragh Maher.

Wie die Kursrallye genau abgelaufen ist, zeigt die SPIEGEL-ONLINE-Grafik (für das Großbild anklicken):

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kaz/dpa/AP/Reuters



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