Börsengänge geplant Vodafone kappt Festnetz-Aktivitäten

Die frühere Mannesmann-Beteiligung Infostrada soll in einem Mega-Börsengang im Herbst rund sieben Milliarden Euro einbringen. Danach dürfte Vodafone-Chef Chris Gent die deutsche Arcor an die Börse bringen - entgegen den Absprachen bei der Mannesmann-Übernahme.


Verkauf der Festnetz-Aktivitäten: Chris Gent
REUTERS

Verkauf der Festnetz-Aktivitäten: Chris Gent

London/Mailand - Der Mailänder Aktienmarkt dürfte im Herbst von neuen Aktien überschwemmt werden: Dann plant Vodafone den Börsenverkauf der italienischen Festnetz- und Internet-Firma Infostrada. Verkauft werden sollen bis zu 49 Prozent des Unternehmens, berichtet die "Financial Times".

Die Emission könnte Vodafone rund sieben Milliarden Euro einbringen und damit die Kasse der Briten zum Aufbau eines weltweiten UMTS-Mobilfunk-Netzwerks gehörig aufpolstern.

Der Haken an der Sache: Bei der Übernahme des deutschen Mannesmann-Konzerns hatte Vodafone zugesichert, Infostrada möglicherweise als Kern eines neuen Festnetz- und Mobilfunk-Konzerns zu erhalten und auszubauen. Mannesmann hatte Infostrada sowie die italienische Mobilfunk-Gesellschaft Omnitel vor der Übernahme durch Vodafone gekauft.

Die Briten argumentieren nun, dass die Kosten für UMTS-Mobilfunk-Lizenzen deutlich höher ausfielen als erwartet und ein Umdenken in der Strategie erforderten. Deshalb sollten nun grosse Teile von Infostrada und Arcor verkauft werden. Der Börsengang von Arcor könnte nach der Infostrada-Emission im Spätherbst stattfinden.

Infostrada ist derzeit rund 14 Milliarden Euro wert. Das entspricht dem Börsenwert von Fiat. Seit März hat der Wert von Infostrada aufgrund der Korrektur bei den Technologieaktien allerdings deutlich verloren. Im Frühjahr war das Unternehmen noch mit 20 Milliarden Euro bewertet worden.

Das italienische Unternehmen ist nicht nur Festnetz-Konkurrent zu Telecom Italia, sondern auch der zweitgrösste Internet-Service-Provider im Land nach Seat Pagine Gialle, dem Herausgeber der "Gelben Seiten" in Italien. Der wird die Internet-Aktivitäten von Telecom Italia übernehmen.



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