Börsengang Air Berlin senkt Preisspanne der Aktien

Die Fluggesellschaft Air Berlin hat die Preisspanne für ihre Aktien drastisch gesenkt. Die Papiere werden jetzt um bis zu 23 Prozent billiger angeboten. Der Knackpunkt für den verschobenen Börsengang sei der Preis gewesen, sagte Airline-Chef Joachim Hunold.


Berlin - Die Billig-Fluggesellschaft Air Berlin hat einen Tag nach der Verschiebung des Börsengangs die Preisspanne für ihre Aktien gesenkt. Die Titel würden nun in einer Spanne von 11,50 bis 14,50 Euro zur Zeichnung angeboten, teilte das Unternehmen mit.

Ausgegeben werden sollen zudem nun nur noch 42,5 Millionen Papiere. Darüber hinaus stünden bis zu 5,5 Millionen Aktien als Mehrzuteilungsoption zur Verfügung. Ursprünglich wollte das Unternehmen knapp 50 Millionen Aktien platzieren. Der künftige Streubesitzanteil soll bei vollständiger Platzierung bei 71 Prozent liegen.

Der Börsengang der Fluggesellschaft hätte damit ein Gesamtvolumen von bis zu 616 Millionen Euro. Davon sollen dem Unternehmen zwischen 225 und 284 Millionen Euro zufließen. Ursprünglich hatte es auf etwa 350 Millionen Euro gehofft. Die Fluglinie will mit dem Geld unter anderem bereits bestellte neue Flugzeuge bezahlen.

Damit gibt Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft dem Druck der Investoren nach, die angesichts hoher Risiken wie steigender Ölpreise auf einen Preisnachlass gedrängt hatten. Zuvor hätten die Aktien bis zum Ende der ursprünglichen Zeichnungsfrist am vergangenen Mittwoch zwischen 15 und 17,50 Euro kosten sollen. Ursprünglich wollte das Unternehmen bis zu 49,8 Millionen Papiere ausgeben - damit hätte das Volumen der Emission bei 872 Millionen gelegen.

Man habe von den Investoren einheitlich positives Feedback zur Geschäftsstrategie und zum Unternehmen erhalten, sagte Air Berlin-Vorstandschef Joachim Hunold zur Senkung: "Knackpunkt war letztlich der Preis." Die Investoren hätten bei der Bewertung im Hinterkopf gehabt, dass wegen des steigenden Ölpreises die Kurse der direkten Wettbewerber während der Roadshow Air Berlins gefallen seien. "Darauf haben wir jetzt mit der neuen Preisspanne und dem verkleinerten Volumen der Transaktion reagiert", sagte Hunold.

Wegen zögerlicher Nachfrage hatte Air Berlin gestern überraschend den Börsengang um sechs Tage auf den 11. Mai verschoben und die Zeichnungsfrist bis zum 10. Mai um 12 Uhr für Privatanleger und bis 17 Uhr für institutionelle Investoren verlängert.

Marktbeobachter hatten nach der Verschiebung des Börsengangs mit der geringeren Preisspanne für die Papiere gerechnet. Verantwortlich dürfte die schwache Nachfrage sein. Die Bücher seien zum Ende der Zeichnungsfrist am späten Donnerstagnachmittag nicht ganz gefüllt gewesen, hieß es in Finanzkreisen.

Zwar hätten die institutionelle Anleger in Deutschland den Kreisen zufolge große Zeichnungsaufträge abgegeben. Jedoch hätten sich vor allem die Investoren aus dem Ausland zurückgehalten. Für sie sei die ursprüngliche Preisspanne wohl zu hoch gewesen. Eine so große Transaktion könne ohne Beteiligung gerade der wichtigen britischen Investoren nicht durchgeführt werden, hieß es.

ank/rtr/dpa-AFX/AP/ddp



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