Börsenkrise Finanzaktien taumeln abwärts - Märkte ignorieren US-Zinssenkung

Zweimal in acht Tagen hat die US-Notenbank die Zinsen gesenkt - doch an den Börsen grassiert jetzt erst recht die Angst. Der Dax verlor zeitweise mehr als 2,5 Prozent, vor allem Bankaktien erwischt es heftig.


Frankfurt am Main - Gerüchte, Ängste, Minuszeichen: Die Stimmungslage an der Börse in Frankfurt und weiteren Finanzmärkten bleibt schlecht. Die Wirkungen der US-Zinssenkung vom Vorabend sind schnell verpufft. "Die Anleger haben Angst, dass die USA in die Rezession rutschen", sagte ein Händler - gerade weil die US-Notenbank die Zinsen so schnell so drastisch gekappt hat. Der Dax Chart zeigen rutschte zeitweise um rund 2,6 Prozent ab und stand gegen 17 Uhr immer noch mit 1,5 Prozent im Minus.

Börsenmakler in Frankfurt: Wann kommt die nächste Milliardenabschreibung?
AP

Börsenmakler in Frankfurt: Wann kommt die nächste Milliardenabschreibung?

Die Börse in New York eröffnete mit deutlichen Kursverlusten. Der Dow-Jones-Index fiel in den ersten Handelsminuten um 1,03 Prozent auf 12.315 Punkte. Der Nasdaq-Index für die Technologiewerte gab ebenfalls ein Prozent nach und sackte auf 2325 Zähler.

In Frankfurt wurden die Finanztitel besonders gebeutelt. Aktien der Commerzbank Chart zeigen verloren zeitweise als 4,5 Prozent, Allianz Chart zeigen-Aktien gaben ähnlich stark nach. Die Titel der Deutschen Bank Chart zeigen stabilisierten sich zwar am Nachmittag, lagen aber immer noch mit rund 2,8 Prozent im Minus.

Unbestätigte Berichte und Befürchtungen reichten aus, um die Aktie der Bank abwärtszutreiben. "Es gibt Gerüchte über eine Gewinnwarnung", sagten Händler. Da die Deutsche Bank in der kommenden Woche Zahlen vorlegt, sei es im aktuellen Umfeld der Finanzkrise nur eine Frage der Zeit gewesen, bis diese Spekulationen auftauchten. Die Deutsche Bank kommentierte das Gerücht nicht.

Belastend wirkte auch, dass die Rating-Agentur Standard & Poor's ihre Einschätzung für den europäischen Bankensektor überarbeitet und den Ausblick für die Credit Suisse Chart zeigenGroup und die UBS Chart zeigen gesenkt hat.

UBS im freien Fall

Die Aktie der Schweizer UBS brach daraufhin zeitweise um rund neun Prozent ein. Hinzu kam: Die Schweizer Bankenkommission (EBK) hatte vor möglichen weiteren Abschreibungen gewarnt. "Solange die Krise andauert, kann es weitere Abschreibungen geben", sagte EBK-Chef Daniel Zuberbühler der Tageszeitung "Blick". "Die Risiken beschränken sich heute nicht mehr auf die Subprime-Hypotheken. Sie greifen über auf die Kreditkarten, Kleinkredite und Gewerbekredite."

Die US-Notenbank Fed hatte am Vorabend zwar - wie von den Finanzmärkten gefordert - die Zinsen um weitere 50 Basispunkte auf drei Prozent gekappt. Sie hatte sogar signalisiert, weitere Zinssenkungen seien möglich. Aber genau das wurde jetzt von vielen Händlern ins Negative gewendet.

"Jetzt wird unterstellt, dass es für die US-Wirtschaft noch schlechter aussieht als angenommen, und eine Rezession unumgänglich sein könnte", fasste Helaba-Analyst Christian Schmidt die Stimmung zusammen. Der überraschend deutliche Anstieg von Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe in den USA in der vergangenen Woche verstärkte diese Ängste noch.

In den USA nimmt die Angst vor weiteren Hiobsbotschaften aus dem Finanzbereich noch weiter zu. Ein Fernsehbericht über weitere mögliche Rating-Abstufungen sorgte für starke Kursverluste bei den angeschlagenen Anleiheversicherern Ambac Financial Group und MBIA.

itz/Reuters/dpa-AFX



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.