Börsenkurs Schrempp-Abgang bringt Aktionären 3,7 Milliarden

Die ersten Gewinner des Rücktritts von DaimlerChysler-Chef Jürgen Schrempp stehen bereits fest: Es sind die Aktionäre. Das DaimlerChrysler-Papier gewann binnen kurzer Zeit fast zehn Prozent hinzu. Insgesamt stieg der Wert des Gesamtkonzerns um 3,7 Milliarden Euro.


Freude über den Neuanfang: Die Daimler-Aktie reagiert mit einem Kurssprung auf den bevorstehenden Rücktritt von Jürgen Schrempp
DDP

Freude über den Neuanfang: Die Daimler-Aktie reagiert mit einem Kurssprung auf den bevorstehenden Rücktritt von Jürgen Schrempp

Frankfurt am Main - Bereits wenige Minuten nachdem die ersten Gerüchte auf dem Parkett aufkamen, hatte die DaimlerChrysler-Aktie Chart zeigen um mehr als sieben Prozent zugelegt. Nach der offiziellen Bestätigung durch den Konzern setzte sich der Aufwärtstrend fort, das Papier notierte zeitweise fast zehn Prozent im Plus. Bei einem überdurchschnittlichen Umsatz sprang der Aktienkurs auf das höchste Niveau seit Oktober 2002, der DaimlerChrysler-Konzern war plötzlich 3,7 Milliarden Euro mehr wert. "Schrempp ist heute die alles dominierende Story", fasste ein Händler das Geschehen am Markt zusammen.

Händler werteten die Meldungen über Schrempps bevorstehenden Rücktritt als "absolut positiv". "Es ist gut, wenn jemand geht, dessen Strategie nicht hingehauen hat", sagte ein Analyst. Schrempp seien viele Fehlentscheidungen vorgeworfen worden. Berichte, auch Aufsichtsratschef Hilmar Kopper stehe vor dem Rücktritt, dementierte der Konzern mittlerweile.

Die Fondsgesellschaft Union Investment begrüßte den Wechsel an der Spitze von DaimlerChrysler. "Das Unternehmen kommt aus einem tiefen Tal der Tränen", sagte Fondsmanager Thomas Meyer. "Mit dem Wechsel wird eine neue Ära eingeleitet und ein frischer Wind wehen." Wichtig sei, dass der Restrukturierungskurs fortgeführt und die Profitabilität gesteigert werde. Von dem künftigen Konzernchef Zetsche werde erwartet, dass er die Gesamtstruktur noch einmal unter Lupe nehme und auch einzelne Bereich kritisch prüfe, denn "ein Weiter so wird es mit ihm sicher nicht geben".

"Schrempp hat viele Fehler gemacht"

"Der Traum von Herrn Schrempp, einen weltumspannenden Konzern zu schaffen, ist schon lange gescheitert. Die Zeche hierfür haben die Aktionäre gezahlt", erkärte der Chef der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker. "Wir hoffen, dass mit dem Nachfolger endlich wieder erfolgreichere Zeiten für DaimlerChrysler anbrechen." Auch dem DaimlerChrysler-Aufsichtsrat stellte Hocker kein gutes Zeugnis aus. Die DSW hatte dem Kontrollgremium auf der Hauptversammlung des vergangenen Jahres die Entlastung mit der Begründung verweigert, dass der Vertrag von Schrempp vorzeitig verlängert wurde.

Die positive Stimmung für DaimlerChrysler werde zusätzlich durch die besser als erwartet ausgefallenen Konzernzahlen angeheizt, sagte ein Händler. Der Stuttgarter Autokonzern hatte zwar nach dem schwachen Start ins Jahr auch im zweiten Quartal einen Gewinneinbruch erlitten. Allerdings fiel dieser deutlich geringer aus als erwartet. Vor allem wegen der Smart-Sanierung und der noch angeschlagenen Kernmarke Mercedes-Benz schrumpfte das operative Ergebnis (Operating Profit) von 2,091 auf 1,7 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 1,3 Milliarden Euro gerechnet.



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