Börsenranking Die größten Wertvernichter Deutschlands

Alljährlich errechnet die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, welche börsennotierten Unternehmen das Kapital ihrer Anleger am rücksichtslosesten durch den Kamin geblasen haben. In der neuesten Ausgabe der Schandliste finden sich neben den üblichen Verdächtigen auch zahlreiche ehemalige Börsenstars.


Brennender Dollarschein: Die Investitionen vieler Anleger lösten sich Rauch auf
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Brennender Dollarschein: Die Investitionen vieler Anleger lösten sich Rauch auf

Berlin - Als Carrier1 zu Beginn dieser Woche seine Zahlungsunfähigkeit bekannt gab, mussten sich selbst optimistische Aktionäre des Luxemburger Kabelnetzbetreibers eingestehen, dass ihr Geld unwiederbringlich futsch ist. "Carrier1 geht davon aus, dass die Gesellschaft im Verlauf des Verfahrens liquidiert wird, rechnet aber nicht damit, dass Aktionäre noch eine finanzielle Entschädigung erhalten", schrieb das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung. Als Carrier1 am 24. Februar 2000 an die Börse gegangen war, hatten Anleger stolze 87 Euro für das Papier zahlen müssen.

Carrier1 ist nur eines der Unternehmen, das sich auf der "Watchlist" der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) findet. Einmal im Jahr veröffentlichen die Anlegerschützer ein Ranking, in dem die größten Vernichter von Anlegervermögen aufgeführt sind.

Der Pranger der Börse

Für das Ranking wird die Performance (Kursveränderung plus Dividende) für verschiedene Zeiträume ermittelt und ein gewichteter Durchschnitt errechnet. Durch diese Methode sollen jene Unternehmen ermittelt werden, die auch über einen längerfristigen Zeitraum Wert schaffen und die sich Privatanleger auch langfristig ins Depot legen können.

Insgesamt hat die DSW mehr als 500 Aktiengesellschaften untersucht und zwei Listen der größten Wertvernichter erstellt. Eines der Rankings enthält deutsche Standardwerte aus den Börsensegmenten Dax-30, MDax, SDax sowie C-Dax, eines beschäftigt sich mit dem Neuen Markt. Bei den Standardwerten hat die DSW die Kaufhauskette Kaufring als größten Vernichter von Anlegervermögen ermittelt. Anleger, die Ende 1996 auf die Kaufring-Aktie setzten, hatten im Schnitt eine jährliche Performance von minus 56 Prozent. Ebenfalls unter den Flop Drei befinden sich der Gerüstbauer Plettac sowie der Büroartikel-Hersteller Herlitz.

Besonders gruselig ist die Wertvernichter-Liste für das Wachstumssegment Neuer Markt. Negativsieger ist das Softwareunternehmen Brokat, gefolgt von Kinowelt und Micrologica. Das Verlierertrio weist eine Reihe von Gemeinsamkeiten auf: alle drei Unternehmen sind insolvent. Alle drei bescherten Investoren in den vergangenen beiden Jahren einen Verlust von über 90 Prozent. Alle drei zählten während der Boomphase des Neuen Marktes zu den Lieblingen der Börse. Das einstige Vorzeige-Unternehmen Intershop schafft es immerhin auf Platz fünf der DSW-Watchlist.

Schaut man sich die DSW-Liste an, gewinnt man ohnehin den Eindruck, dass der gesamte Nemax eine einzige Negativnummer ist. Laut DSW bescherten 90 Prozent aller untersuchten Unternehmen den Anlegern in den vergangenen zwei Jahren Kursverluste. Die Anlegerschützer gehen davon aus, dass die Zahl der Pleiten von börsennotierten Unternehmen 2002 eher nochmals zu- als abnehmen wird. "Das dicke Ende", so DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker, "kommt erst noch".



Hier finden sie die größten Wertvernichter unter deutschen Standardaktien

Hier finden sie die größten Wertvernichter des Neuen Marktes

Hier erklären wir Ihnen, wie sich das DSW-Ranking errechnet



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