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25. November 2002, 21:08 Uhr

Börsenschluss

Angst vor den Ifo-Zahlen

Die Versorger haben mit deutlichen Kursverlusten den Dax ins Minus gedrückt. Vor der Bekanntgabe wichtiger Konjunkturdaten hielten sich die Anleger zurück. Am Neuen Markt geriet Medion ins Visier der Zocker.

Frankfurt am Main - Zu Wochenbeginn hat der Dax leichter geschlossen. Der Leitindex verlor um 0,7 Prozent auf 3299 Punkte. Der MDax kletterte auf 3123 Zähler, ein leichtes Plus von 0,2 Prozent.

Händler sprachen von einem richtungslosen Geschäft, das von geringen Umsätzen geprägt gewesen sei. Auch von den US-Märkten seien keine Impulse gekommen. Die Verkäufe bestehender Häuser in den USA für Oktober hätten zwar die robuste Verfassung des US-Immobilienmarktes gezeigt, sich auf die Kursentwicklung jedoch kaum ausgewirkt.

Insgesamt habe eine abwartende Haltung vorgeherrscht. "Die Leute wurden wieder etwas vorsichtiger - es könnte sein, dass der Ifo-Geschäftsklimaindex am Dienstag wegen der Auswirkungen der Steuerdiskussion enttäuscht", hieß es. Wegen des Feiertages in den USA am Donnerstag seien von der gesamten Woche nur wenige Impulse zu erwarten.

Zum Wochenauftakt pendelten die US-Börsen um die Schlussstände vom Freitag.

Finanztitel wieder gefragt

Bis auf die Deutsche Bank tendierten die Finanztitel gut behauptet. Der Verkauf eines Anteils von Credit Lyonnais an BNP Paribas durch den französischen Staat beflügelte die Spekulationen über eine Neuordnung des Bankenwesens in Frankreich und rückten auch hierzulande Finanztitel in den Blickpunkt.

HypoVereinsbank legten um 0,5 Prozent auf 15,77 Euro zu, Allianz verteuerten sich um 0,8 Prozent auf 114,05 Euro. Der Preis, den BNP Paribas gezahlt habe, zeige, dass Commerzbank und HypoVereinsbank derzeit unterbewertet seien, sagte ein Händler. Zudem ist die Commerzbank an Credit Lyonnais beteiligt.

Versorger deutlich unter Druck

Eon und RWE verloren dagegen 2,6 Prozent auf 42,69 bzw 1,7 Prozent auf 28,62 Euro. Belastet wurden die Titel Teilnehmern zufolge von einer negativen Analystenaussage. Credit Suisse First Boston (CSFB) rechnet bei beiden Unternehmen mit weiteren Abschreibungen im vierten Quartal. Zudem belasteten die Zahlen zum dritten Quartal weiter die Aktienkurse. Eon seien derzeit ausreichend bewertet.

"Die Aktien sind weder für Anleger mit dem Blick auf Wachstumswerte noch für solche mit dem Fokus auf wertbeständige Titel attraktiv", lautete die Einschätzung. Daher dürften die Papiere um weitere zehn Prozent nachgeben "Es setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Akquisitionen zu teuer waren, kommentierte ein Händler den Kursrückgang.

Einzelhandelstitel im Fokus der Anleger

Metro verteuerten sich dagegen um 2,8 Prozent auf 24,03 Euro, die Aktien von KarstadtQuelle erhöhten sich um 0,6 Prozent auf 17,55 Euro. Der Handel hatte sich über das Einkaufsverhalten in Deutschland am Samstag zufrieden gezeigt. Dies gebe Zuversicht für die kommenden Adventswochenenden, meinte ein Marktteilnehmer.

Auch in der neuen Woche setzten die Automobilwerte ihre negative Tendenz fort. Marktteilnehmer sprachen von den anhaltend negativen Auswirkungen der geplanten Dienstwagensteuer. Sollte diese eingeführt werden, könnte die Automobilkonjunktur einen merklichen Dämpfer erhalten. Diese Gefahr relativiere die günstige Bewertung von DaimlerChrysler und Volkswagen . Bei DaimlerChrysler komme noch hinzu, dass die Lagerbestände in den USA im Oktober angestiegen seien, was zu einer Verringerung der US-Produktion und negativen Auswirkungen auf die Margen führen dürfte.

Zu BMW hieß es, dass das Unternehmen mit dem Mini Geld verliere und deshalb bei Peugeot nach Hilfe suche im Bereich gemeinsame Plattformen Einkäufe und Produktion, sagten die Analysten von Goldman Sachs. BMW hat die Berichte jedoch unterdessen zurückgewiesen. BMW gaben um 2,9 Prozent 32,30 Euro nach, DaimlerChrysler verloren 1,4 Prozent auf 35,01 Euro und VW fielen um 0,2 Prozent auf 39,65 Euro.

Neuer Markt knapp behauptet, Euro deutlich unter der Dollar-Parität

Nemax knapp behauptet

Der Neue Markt ist knapp behauptet aus dem Handel gegangen. Der Nemax-50 verlor 0,2 Prozent oder einen auf 449 Punkte Der Nemax-All-Share schloss 0,1 Prozent leichter bei 489 Stellen. Damit hat der Nemax-50 vor der Widerstandszone oberhalb von 450 Punkten im Nemax-50 eine Atempause eingelegt. Technisch orientierten Beobachtern zufolge ist die Situation am Neuen Markt nach wie vor positiv. Lediglich das recht hohe Niveau der technischen Indikatoren belaste etwas.

Plambeck Neue Energien legten Quartalszahlen vor, die Analysten als schwach einstuften Der Wert verlor 1,4 Prozent auf 8,20 Euro. Die Analysten von Merck Finck & Co stufen Plambeck weiter mit "Buy" ein. Die aktuellen Zahlen seien relativ schwach, doch sei das Geschäft von Plambeck stark saisonal geprägt, so die Analysten. Von überragender Wichtigkeit sei in diesem Zusammenhang das vierte Quartal.

EM.TV notierten nach Bekanntgabe der Zahlen unverändert bei 1,14 Euro. Ein Händler sagte, die Zahlen spiegelten das schwache Marktumfeld wider. Die eigentlichen Herausforderungen, wie der Verkauf der Jim-Henson-Gruppe, lägen allerdings noch vor dem Unternehmen.

Highlight deutlich im Plus

Im Plus zeigten sich Highlight Communications , die um 17,4 Prozent auf 2,70 Euro zulegten und damit ihre schon seit einigen Tagen zu beobachtende Aufwärtsbewegung fortsetzten. Unternehmensnahe Kreise berichteten gegenüber vwd, dass Highlight Chancen auf die zumindest teilweise Begleichung bereits abgeschriebener Forderungen an Kirch-Media habe.

Als "Zockerei" bewerteten Händler dagegen die Verluste bei Medion . Am Freitag habe eine Adresse die Aktie nach oben gezogen. Die gleiche Adresse drückte nun am Montag auf den Titel. Charttechnisch sei die Marke bei 40 Euro momentan nicht in Gefahr Medion verloren 2,1 Prozent auf 42,99 Euro.

Euro deutlich unter Parität

Der Euro ist im europäisch dominierten Geschäft unter die Parität gerutscht. Gegen 20 Uhr notierte die Gemeinschaftswährung zum Dollar bei 0,9922 Dollar nach 0,9916 Dollar am Mittag und 0,9945 Dollar am Morgen.

Begründet wurde der Rückgang des Euro gegenüber dem Dollar mit der Befürchtung schlechter Nachrichten in Form des Ifo-Geschäftklimaindex am Dienstag. Auch die Stärke des US-Aktienmarktes stütze die US-Währung Technisch habe sich die Lage des Euro eingetrübt. Nachdem die Gemeinschaftswährung die Unterstützung bei 0,9930 Dollar durchbrochen hat, sei die positive Ausrichtung neutralisiert, und es erhöhe sich das Abwärtsrisiko bis auf 0,9850 Dollar. Ein Test der nächsten Unterstützung bei 0,9870 Dollar sei daher nicht ausgeschlossen.

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