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08. Oktober 2002, 20:56 Uhr

Börsenschluss

Bärenmarkt findet kein Ende

Belastet von massiven Kursverlusten bei den Bank-Titeln hat der Dax am Dienstag erneut im Minus geschlossen. Im Handelsverlauf fiel das Börsenbarometer zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit September 1996. Die Wall Street zeigte im späten Geschäft nach oben.

Frankfurt – Die deutschen Aktienmärkte haben am Dienstag den Handel erneut mit Verlusten beendet. Vor allem Abschläge bei Banken-Aktien, Auto- und Versicherungstiteln drückten den Dax zeitweilig auf 2542 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit September 1996. Mit einer stärkeren Wall Street am Abend konnte der Index seine Verluste auf 1,7 Prozent oder 2622 Zähler reduzieren. Am Neuen Markt drehte der Nemax 50 zuletzt sogar wieder leicht ins Plus auf 314 Punkte.

Wall Street macht Verluste wieder wett

Zu Handelsschluss in Frankfurt notierte der Dow Jones nach einer Berg- und Talfahrt wieder mit rund 1,4 Prozent auf 7525 Zähler im Plus. Auch der Nasdaq Composite schaffte mit rund einem Prozent auf 1130 Punkte wieder den Sprung ins grüne Terrain.

Für die zeitweilige Schwäche der Wall Street gab es aus Sicht von Marktbeobachtern mehrere Gründe. Zum einen hätten Anleger sehr schnell Kursgewinne realisiert, sagt ein Händler. Überdies hatte Credit Suisse First Boston sich negativ zum Automobilsektor geäußert und Kursziel und Rating von 15 der 17 Werte in diesem Segment gesenkt. Das Branchenrating wurde auf "Market Weight von "Overweight" reduziert. General Motors aber auch Ford büßten deutlich ein.

Belastend wirkten Händlern zufolge auch die drohenden Gewinnwarnungen anlässlich der noch jungen Berichtssaison für das dritte Quartal. Die Stimmung heize sich allmählich auf, hieß es. So rutschen Cisco stark ab. Merrill Lynch erwartet, dass die Gesellschaft im abgelaufenen Quartal einen Rückgang des Geschäfts verzeichnet hat. Philip Morris fielen infolge einer Abstufung. Merrill Lynch setzte die Titel auf "Neutral" von "Buy" zurück. Die Analysten verweisen auf den Ausgang des Bullock-Verfahrens, bei dem der Tabakkonzern zur Zahlung von 28 Milliarden Dollar verurteilt wurde. Coca-Cola stiegen nach den Drittquartalszahlen von Pepsi .

Strategen uneins über die weitere Entwicklung

Man befinde sich weiter in einem Bärenmarkt, sagte ein Marktteilnehmer in Frankfurt. Aktien würden unter dem Gesichtspunkt gekauft, kurzfristig Gewinne mitnehmen zu können. Langfristig gehe es weiter abwärts.

Christopher Wood von CLSA sieht den Boden für einen Crash an der Wall Street im vierten Quartal bereitet, der auch an anderen Aktienmärkten zu empfindlichen Kurseinbußen führen könne. Sein Instinkt sage ihm, dass es nun an der Zeit sei, auf der Käuferseite zu stehen, sagte hingegen der Morgan-Stanley-Stratege Barton Biggs.

Banken- und Auto-Aktien verlieren kräftig

Banken- und Auto-Aktien verlieren kräftig

Die seit Tagen unter Druck stehenden Aktien von Banken aber auch Titel der Autobauer zählten zu den größten Verlierern im Dax. Nach zunächst freundlichem Handelsverlauf waren auch die Papiere von Versicherern wieder ins Minus gedreht.

Deutsche Bank verloren 5,60 Prozent auf 37,75 Euro. Händler und Fondsmanager sagten, es kursierten erneut Gerüchte im Markt, das Bankhaus könnte seine Gewinnprognosen nach unten korrigieren. Zudem belasteten Händlern zufolge Spekulationen, die Bank könnte mit Gerling ein ähnliches Problem haben wie die Credit Suisse Group (CSG) mit ihrem Versicherer Winterthur. Die Schweizer Großbank hatte in der vergangenen Woche für das dritte Quartal einen deutlichen Verlust im Versicherungsgeschäft angekündigt.

Einige Aktienhändler verwiesen zudem auf eine Mitteilung der Investmentbank J.P. Morgan, wonach Investoren derzeit aus Bankentiteln in Versicherungswerte umschichten sollen. Doch das Argument verlor im Laufe des Handels zusehends an Schlagkraft. So schlossen Allianz zwar nur leicht im Minus bei 79,40 Euro. Zwischenzeitlich hatten die Titel aber mehr als fünf Prozent nachgegeben. Münchener Rück gaben schlossen zwei Prozent leichter auf 99 Euro.

Dramatisch gestalteten sich die Kursverluste bei der Commerzbank , die zeitweilig rund zwölf Prozent auf fünf Euro verloren. Die Aktien schlossen letztlich mit Verlusten von sieben Prozent auf 5,30 Euro. Händler führten den Kursrückgang unter anderem auf eine Herunterstufung durch die Rating-Agentur S&P zurück, die ihr Langfrist-Rating für die Bank auf "A-" von "A" reduzierte. Die Rückstufung habe jedoch nichts mit den jüngsten Spekulationen über angebliche Liquiditätsprobleme der Bank zu tun, teilte S&P mit.

HypoVereinsbank rund drei Prozent ab. S&P senkte den Ausblick für die Bank von "stabil" auf "negativ".

Die Aktie des Handelsriesen Metro verlor mehr als sieben Prozent, nachdem der viertgrößte US-Einzelhandelskonzern Sears am Vortag eine schwache Geschäftsprognose gegeben hatte. Analyst Christian Bruns von Sal. Oppenheim sagte zum Kursminus, einige Investoren rechneten wohl damit, dass Metro seine Gewinnziele für dieses Jahr nicht erreichen werde. "Ich glaube aber, dass sie es schaffen werden. Vielleicht werden die Umsätze etwas schwächer ausfallen, aber das wird keinen großen Einfluss auf den Aktienkurs haben." Entscheidend für das Einzelhandelsunternehmen seien die Umsätze im anstehenden Weihnachtsgeschäft im vierten Quartal.

Geteiltes Bild bei Technologietiteln

SAP zählten zu den wenigen Gewinnern im Dax und notierten mit einem Plus von 3,87 Prozent auf 43,26 euro an der Dax-Spitze. Dabei hatte die Investmentbank UBS Warburg am Morgen ihr Kursziel für den SAP-Titel wegen Befürchtungen um eine mögliche Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr von 65 auf 45 Euro gesenkt, sagten Händler. SAP wird seine Zahlen zum dritten Quartal am 17. Oktober vorlegen.

Siemens , Infineon konnten ihr Minus zum Handelsschluss auf unter ein Prozent drücken, während Epcos 5,60 Prozent auf 5,76 Euro verloren. Zuvor war gemeldet worden, der japanische Elektronikkonzern Fujitsu wird nun auch bei der Entwicklung und dem Teile-Einkauf für Personal Computer mit Siemens zusammenarbeiten.

Autotitel standen ebenfalls auf den Verkaufslisten der Investoren. Volkswagen , BMW und DaimlerChrysler verloren jeweils knapp vier Prozent. Volkswagen gaben 2,60 Prozent auf 35,23 Euro nach. Amerikanische Investmentbanken hatte zuvor die Gewinnprognosen für Ford , General Motors und DaimlerChrysler gesenkt.

Analystenkommentare belasten Software AG

Die im MDax notierten Aktien der Darmstädter Software AG konnten ihre Verluste auf 1,90 Prozent bei 8,83 Euro begrenzen. Händler verwiesen auf eine Analyse von UBS Warburg. Deren Analysten hatten demzufolge das Kursziel für den Titel von 16 auf zehn Euro gesenkt. "Der kritische Kommentar dürfte der Grund für die Schwäche bei der Software-Aktie sein", sagte in Marktbeobachter.

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