Börsenschluss Dax schließt auf Vier-Jahrestief

Konjunktursorgen und eine unsichere politische Lage haben die deutschen Aktienmärkte in die Tiefe gerissen. Gegen den Abwärtstrend behauptete sich SAP. Die Finanzwerte gingen unter.


Frankfurt am Main – Der Dax ist am Donnerstag auf dem tiefsten Schlussstand seit November 1997 aus dem Handel gegangen. Das Börsenbarometer verlor 5,7 Prozent auf 3810 Zähler. Im Handelsverlauf hatte der Index charttechnisch wichtige Linien nach unten durchbrochen. Am Neuen Markt markierte der Nemax 50 ein Rekordtief. Der Auswahlindex rutschte um 6,1 Prozent auf 746 Punkte. Der MDax gab um 4,7 Prozent auf 3698 Punkte nach.

Ähnlich katastrophal verlief der Handel in New York. Bis zum Handelsschluss in Frankfurt verlor der Dow Jones 2,9 Prozent auf 8508 Zähler, die Nasdaq gab um 2,7 Prozent auf 1485 Punkte nach.

Händler erklärten die drastischen Kursverluste mit den unsicheren Konjunkturaussichten. Nach den Anschlägen in New York und einem möglicherweise bevorstehenden Vergeltungsschlag der USA könne die Wirtschaft in eine tiefe Rezession stürzen.

Der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Alan Greenspan, hatte in Washington gesagt, die Anschläge der vergangenen Woche hätten kurzfristig bedeutende Effekte für die US-Wirtschaft. Die guten langfristigen Aussagen würden zwar nicht gedämpft, doch könnten die Anschläge vom 11. September das Wachstum in den USA bremsen, sagte er. "Klar, dass nach einer solchen Aussage Verkaufsdruck aufkommt", sagte ein Händler.

Nur zwei Dax-Titel konnten sich ins Plus retten: Die Aktie von SAP Chart zeigen gewann 1,6 Prozent auf 102,07 Euro, die "Aktie Geld" Chart zeigen legte um 0,9 Prozent auf 14,31 Euro zu. SAP hatte am Morgen seine Gewinnprognosen erneut bestätigt.

Die T-Aktie Chart zeigen präsentierte sich über den gesamten Handelsverlauf sehr robust. Erst zum Schluss gab das Papier der Telekom leicht nach und ging mit 16 Euro aus dem Handel, ein Minus von 0,1 Prozent. Die Telekommunikationsbranche sei für Investoren wieder interessant, da mit technologischer Aufrüstung gerechnet wird, hieß es am Markt. Außerdem würden Videokonferenzen in Zukunft Geschäftsreisen in noch stärkerem Maße ersetzen. Einem Bericht des "Handelsblattes" zufolge dürften die Deutsche Telekom gemeinsam mit DaimlerChrysler Chart zeigen den Zuschlag der Bundesregierung für das elektronisches Mautsystem für LKW erhalten.

Kurssturz bei Lufthansa und Preussag ungebremst

Zu den größten Verlierern gehörten wieder die Tourismusgesellschaften und Fluglinien. Die Aktie der Lufthansa Chart zeigen sank um 14 Prozent auf 8,90 Euro. Die Fluggesellschaft hat am Mittwochabend eine Gewinnwarnung herausgegeben und angekündigt, bis zu 15 Airbus-Bestellungen zurückzustellen. Auch international weitet sich die Krise der Luftfahrgesellschaften aus: Die beiden weltgrößten Fluggesellschaften, American Airlines und United Airlines, wollen jeweils 20.000 Mitarbeiter entlassen. Damit hat sich die Zahl der von amerikanischen Fluggesellschaften nach den Terroristenattacken angekündigten Entlassungen auf rund 70.000 Personen erhöht.

Das Papier des Touristikriesen Preussag Chart zeigen war der größte Verlierer und rutschte um 16,9 Prozent auf 19,20 Euro.

Die Münchener Rück Chart zeigen rechnet inzwischen mit einer möglichen Belastung aus den Terroranschlägen in den USA von 2,1 Milliarden Euro - doppelt so viel wie bislang geschätzt. Dies wäre die größte Belastung in der Geschichte des Unternehmens. Die Börse quittierte die Schätzung mit einem weiteren deutlichen Kursabschlag. Am Donnerstag verlor die Aktie 7,3 Prozent auf 238,10 Euro. Das Allianz-Papier Chart zeigen gab 6,8 Prozent auf 218 Euro nach. Das Investmenthaus Merrill Lynch hat den gesamten Versicherungssektor indessen wiederholt mit "Übergewichten" bewertet. Insbesondere durch die "übertriebenen Kursverluste" nach den Anschlägen in den USA hätten Versicherungstitel wieder an Attraktivität gewonnen.

Die Aktien der Münchener Rück stehen unterdessen ebenso wie die Aktien von US-Fluglinien im Zentrum von Ermittlungen. Der Verdacht, Terroristen könnten an der Börse Tokio Versicherungs- und Airline-Aktien im großen Stil leer verkauft haben, erhärtet sich. Der Einsatz könne bis zu 500 Millionen Dollar betragen haben, sagte ein Sicherheitsexperte im Interview mit manager-magazin.de.

Deutsche Bank in kritischer Verfassung

Die Rezessionsangst hat die Titel der Deutsche Bank Chart zeigen gestern um mehr als neun Prozent abwärts geschickt. Die Talfahrt hielt auch am Donnerstag an: Mit einem Kursabschlag von 6,4 Prozent ging die Aktie mit 47,01 Euro aus dem Handel.

Neuer Markt: Morphosys sehr schwach

Die Aktien der Biodata Information Technology Chart zeigen legten deutlich zu. Biodata liefert Sicherheitssoftware für Telefone, Faxe und PCs. "Die ganze Sicherheitssoftware-Branche läuft derzeit gut wegen der Anschläge in den USA und Computer-Viren wie dem Virus 'Nimda'", sagte der Analyseleiter der Frankfurter Sparkasse, Andreas Köchling. Bei Biodata könne es nach den starken Zugewinnen aber jederzeit zu Gewinnmitnahmen kommen.

Sehr schwach waren die Titel des Biotech-Unternehmens Morphosys Chart zeigen und des Spezialmaschinenbauers Aixtron Chart zeigen. "Cambridge Antibody haben Morphosys erneut beschuldigt, ein Patent von ihnen verletzt zu haben", sagte ein Analyst. Die monatelangen Anschuldigungen drücken auf den Kurs beider Unternehmen.

Euro-Kurs kaum verändert

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro auf 0,9259 (Mittwoch: 0,9258) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1124 (2,1126) Mark. Gegen Handelsschluss in Deutschland wurde die Gemeinschaftswährung mit 0,9233 Dollar gehandelt.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6320 (0,6323) Pfund, 108,15 (108,84) Yen und 1,4735 (1,4835) Schweizer Franken fest.



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