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15. Februar 2002, 20:55 Uhr

Börsenschluss

Dax verliert über 100 Punkte

Die Aktienmärkte in New York und Frankfurt haben auf den überraschenden Rückgang des US-Verbrauchervertrauens mit deutlichen Kursrückgängen reagiert. Die T-Aktie verlor rund vier Prozent. Gegen den Trend legte die BHW zu.

Frankfurt am Main - Nach den zuletzt sehr guten Daten für die US-Wirtschaft bedeuteten die jüngsten Zahlen zum Verbrauchervertrauen einen Rückschlag, sagte ein Händler. Marktteilnehmer verwiesen zudem als Grund für die fallenden Kurse auf die verhaltene Branchenprognose des weltgrößten Computerkonzerns Dell , die vor allem Technologiewerte unter Druck gesetzt habe.

Der Dax ging nahe seinem Tagestief mit einem Abschlag von 2,2 Prozent auf 4862 Zählern aus dem Handel, nachdem er vor Veröffentlichung der US-Daten um die Marke von 4950 Zählern gependelt war. Das war ein Minus von 111 Punkten. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 3,7 Prozent auf 1022 Zähler nach. Der MDax für mittelgroße Werte schloss kaum verändert bei 4336 Punkten.

An den US-Börsen lag der Technologieindex Nasdaq bei Handelsschluss in Deutschland 2,2 Prozent tiefer bei 1802 Zählern. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 0,8 Prozent auf 9919 Stellen nach.

US-Verbrauchervertrauen löst Kurssturz aus

Der Universität Michigan zufolge ist der Index des Verbrauchervertrauens im Februar im Vergleich zum Vormonat auf 90,9 Punkte von 93,0 Punkten im Januar gesunken. Analysten hatten im Schnitt mit 93,4 Punkten gerechnet. Jason Forde, Fondsmanager bei Maintrust, zeigte sich von dem Rückgang indes weniger beunruhigt. "Die Aktionäre sind von dem Rückgang etwas geschockt und dann verkaufen sie, aber das ist nur eine schnelle Reaktion vor dem Wochenende", sagte er. "Für mich sind diese Zahlen etwas suspekt, da sie immer eine subjektive Einstellung widerspiegeln." An objektiven Daten, wie den kürzlich gestiegenen Einzelhandelsumsätzen könne man genau sehen, was die Verbraucher tun.

Marktteilnehmer verwiesen zur Begründung für den starken Kursrutsch auch auf den am Montag bevorstehenden Feiertag in den USA. "Die Woche war eigentlich ganz gut", sagte ein Händler. Deshalb würden die meisten vor dem langen Wochenende ihre Positionen glattstellen, was zu fallenden Kursen führe.

Der Rückgang des Erwartungsindex auf 86,8 von 91,3 könnte nach Einschätzung von Fondsmanager Forde an den Skandalen um den Energiehändler Enron liegen. "Das waren die letzten Nachrichten, die die Leute gehört und im Fernsehen gesehen haben und solche Sachen können schon negativ beeinflussen." Der Rückgang bedeute aber nicht unbedingt, dass die wirtschaftliche Erholung in den USA später einsetze.

Dax: T-Aktie ist der größte Verlierer – BHW im Höhenflug

T-Aktie ist der größte Verlierer im Dax

Die Aktien der Deutschen Telekom führten die Liste der Verlierer im Dax mit einem Abschlag von knapp vier Prozent auf 15,21 Euro an. Am Freitag endet die Frist des Bundeskartellamtes für Änderungsvorschläge des US-Konzerns Liberty Media zur ablehnenden Haltung der Kartellwächter beim angestrebten Kauf der Kabelsparte der Deutschen Telekom. Nach jüngsten Äußerungen des Liberty-Chefs John Malone will Liberty keine neuen Vorschläge unterbreiten. "

Deutliche Abschlägen gab es auch bei Technologiewerten. Siemens , Epcos und Infineon verloren bis zu 3,2 Prozent.

Lufthansa-Titel büßten 1,6 Prozent auf 17,20 Euro ein. Bei der am Freitag ausgelaufenen Urabstimmung unter den Piloten der Lufthansa-Tochter CityLine hatten sich die Flugzeugführer den Angaben zufolge für Streiks als Möglichkeit zur Durchsetzung von Gehaltsanhebungen ausgesprochen.

Einzige Gewinner im Dax-30 waren Adidas , MAN und Degussa , die leicht zulegten.

Im MDax kletterten die Papiere des Baufinanzierers BHW Holding um mehr als 15 Prozent auf 21,98 Euro. Zuvor war von dem Unternehmen auf die geplante Sekundär-Platzierung von BHW-Aktien mit Verweis auf die schwache Marktverfassung verzichtet worden. Händler sagten, der Kurs steige, weil viele Investoren im Vorfeld der Platzierung massiv mit geliehenen BHW-Aktien auf fallende Kurse spekuliert hatten. Nun müssten sie ihre Positionen glattstellen, um eigene Verluste zu begrenzen.

Neuer Markt: Nur schlechte Nachrichten zählen - Consors gewinnt gegen den Trend

Nur schlechte Nachrichten zählen

"Dass das Verbrauchervertrauen so runtergehen würde, damit hat hier niemand gerechnet", sagte ein Frankfurter Händler. "Ich hatte erwartet, dass es ein sehr ruhiger Tag werden würde". "Wenn schlechte Nachrichten von drüben kommen, sacken wir mittlerweile deutlicher als die Nasdaq. Kommt dann mal ausnahmsweise etwas Positives, interessiert das kein Mensch mehr." sagte ein Händler in Düsseldorf. Wichtig sei der charttechnische Widerstand bei 1022 Punkten. Wenn dieser nicht halte, seien 1000 Punkte schnell im Bereich des Möglichen, hieß es am Markt.

Besonders die als liquide bezeichneten Werte litten unter Kursverlusten. Aktien des Biotech-Unternehmens Qiagen sanken um 6,4 Prozent auf 19,52 Euro, T-Online-Papiere verloren 3,5 Prozent an Wert. Die Anteilscheine des Spezialmaschinenbauers Aixtron verloren um 5,1 Prozent auf 21,50 Euro.

Die Pandatel-Aktie stieg um fünf Prozent auf 14,70 Euro, nachdem der Telekom-Ausrüster im vergangenen Geschäftsjahr einen Gewinn von 0,32 Euro pro Aktie erzielt hatte.

Zocker treiben Consors-Aktie hoch

Die Titel der Direktbank Consors zogen gegen den Markttrend um 14,7 Prozent auf 11,70 Euro an. Die "Welt" hatte zuvor unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, mindestens vier Interessenten hätten unverbindliche Übernahmeangeboten für Consors vorgelegt. Die Commerzbank bestätigt, ein Angebot vorgelegt zu haben. Börsianer bezeichneten den Kursausschlag übereinstimmend als "reine Zockerei". "Die Bank wird wohl kaum zu einem Preis von zwölf Euro verkauft," sagte ein Händler in Düsseldorf.

Euro leicht gestiegen - Schwaches US-Konsumentenvertrauen - Gold kratzt an 300-Dollar-Marke

Euro-Kurs leicht gestiegen

Der Kurs des Euro ist am Freitag leicht gestiegen. Hatte am Vormittag die gesunkene Industrieproduktion in Frankreich den Euro unter Druck gesetzt, zog der Kurs der Gemeinschaftswährung am Nachmittag nach Veröffentlichung des unerwartet gesunkenen US-Konsumentenvertrauens wieder an. Bis 20 Uhr stieg der Euro auf 0,8721 Dollar, nachdem er im Mittagshandel knapp unter die Marke von 0,87 Dollar gefallen war. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs bei 0,8705 (Donnerstag: 0,8693) Dollar festgesetzt. Ein Dollar kostete damit 1,1488 (1,1504) Euro.

Gestützt wurde die europäische Gemeinschaftswährung von den schwächer als erwartet ausgefallenen US-Konjunkturzahlen. Insbesondere der Verbrauchervertrauensindex der Universität von Michigan fiel deutlich schwächer aus als erwartet. Er fiel von 93,0 Prozent auf 90,9 Prozent. Marktbeobachter hatten hingegen mit einem Anstieg dieses Frühindikators auf 94,0 Punkte gerechnet.

Zweifel an den Zahlen

Der Vertrauens-Rückgang sei aus den Unwägbarkeiten hinsichtlich der Qualität von Unternehmensbilanzen und den daraus resultierenden Kursverlusten entstanden, sagte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt. "Der Rückgang ist ein Warnzeichen." Die US-Konjunktur werde sich nach Ansicht seines Bankhauses langsamer erholen als dies von vielen Marktbeobachtern bisher erwartet worden war. "Enttäuschend" sei jedoch, dass der Kurs des Euro nicht mehr von den sehr schwachen US-Zahlen profitiert habe.

Im Vormittagshandel war die europäische Gemeinschaftswährung durch die schwache französische Industrieproduktion im Dezember belastet worden. Sie war im Dezember saisonbereinigt im Vergleich zum Vormonat um 0,9 Prozent gesunken. Die Zahlen hätten deutlich unter den Erwartung gelegen, sagte Kamal Sharma, Analystin bei der Commerzbank in London.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6095 (Donnerstag: 0,6093) Pfund, 115,61 (114,91) Yen und 1,4813 (1,4828) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London mit 299.00 (297,40) Dollar gefixt.

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