Börsenschluss Erholung im späten Handel

Die deutschen Aktienmärkte haben knapp im Plus geschlossen. Im Gefolge einer starken Wall Street konnten sich der Dax und der Nemax aus der Verlustzone befreien. Siemens wurde von der geplanten Infineon-Kapitalerhöhung belastet.


Frankfurt am Main – Bei niedrigen Umsätzen präsentierten sich die Börsen in Frankfurt zum Wochenbeginn sehr schwankungsanfällig. Nachdem der Dax am Vormittag bis auf 5778 Zähler fiel, kletterte der Blue-Chip-Index nach Eröffnung der Wall Street stetig und ging mit einem Plus von 0,1 Prozent bei 5869 Punkten aus dem Handel. Ähnlich die Situation am Neuen Markt: Der Nemax 50, zwischenzeitlich auf 1151 Zähler gefallen, schloss mit 0,4 Prozent im Plus bei 1202 Punkten. Die Nebenwerte im M-Dax beendeten den Handel 0,5 Prozent schwächer bei 4699 Zählern.

Der Dow Jones behauptete sich bis zum Börsenschluss in Frankfurt mit 0,5 Prozent im Plus bei 10.300 Punkten. Die Nasdaq gewann 1,4 Prozent auf 2031 Zähler. Der Aufwärtstrend habe viele Marktteilnehmer überrascht, sagten Händler. Allerdings sei die Stimmung nach den Kursverlusten der Vorwoche von deutlicher Zurückhaltung geprägt, hieß es weiter. An der Wall Street wird mit Spannung die anstehende Berichtssaison für das zweite Quartal erwartet. Im Blickpunkt der Anleger stehen vor allem die Zahlen der Schwergewichte General Electric, Motorola und Yahoo.

In Frankfurt sorgten die Daten zur deutschen Industrieproduktion für eine etwas bessere Stimmung. Im Mai habe das Produktionsniveau saisonbereinigt zum Vormonat um 0,9 Prozent zugenommen, teilte das Bundesfinanzministerium am Mittag mit. Analysten hatten im Durchschnitt mit einer stagnierenden Produktion gerechnet.

Das Wirrwarr um die geplante Kapitalerhöhung bei Infineon drückte die Kurse der Siemens-Familie gewaltig nach unten. Die Aktien des Mutterkonzerns Siemens schlossen mit einem Verlust von 3,2 Prozent auf 62 Euro und waren der schwächste Wert im Dax. Infineon-Titel verbilligten sich um 2,6 Prozent auf 25,96 Euro.

Spekulationen, die Konzernmutter Siemens müsse Infineon unter die Arme greifen, falls die geplante Kapitalerhöhung am schlechten Marktumfeld scheitert, kursierten unter Händlern. Offenbar wollen institutionelle Anleger nicht mehr als 25 Euro für die neu ausgegebenen Infineon-Aktien zahlen - dies scheint Infineon Schumacher zu wenig zu sein. Man wolle die Kapitalerhöhung "nicht um jeden Preis", hieß es in der vergangenen Woche.

Auch die übrigen Technologieaktien im Dax präsentierten sich leichter. Die Titel von Epcos gaben um 2,2 Prozent auf 53,87 Euro nach, SAP-Anteilsscheine verloren 0,8 Prozent auf 138,89 Euro.

Das Rennen machten wie schon in der vergangenen Woche die defensiven Werte: Die Aktien von RWE gingen mit einem Plus von 2,3 Prozent auf 48,82 Euro als Tagessieger aus dem Handel. Der Versorger profitiert noch immer von positiven Analystenstimmen.

Ebenfalls deutlich fester präsentierten sich die Aktien von Adidas Salomon (plus 2,3 Prozent auf 71,73 Euro) und Henkel (plus zwei Prozent auf 73,51 Euro).

Finanztitel notierten uneinheitlich. Die Deutsche Bank erwägt, in die Übernahmeschlacht um die amerikanische Filialbank Wachovia einzugreifen. Das Institut, das an der Börse derzeit mit knapp 15 Milliarden Dollar bewertet wird, zählt mit 3,8 Millionen Kunden zu den größten US-Banken. Die Deutsche Bank lehnte jeden Kommentar dazu ab. Die Deutsche-Bank-Aktie verlor 0,9 Prozent auf 80,86 Euro. Die Titel der Rivalen Commerzbank (plus 1,7 Prozent auf 28,67 Euro) und Dresdner Bank (plus 1,1 Prozent auf 53 Euro) schlossen dagegen fester.

Am Mittwoch kommen die Anleger der Allianz zur Hauptversammlung zusammen. Der Versicherungskonzern hat bekräftigt, man liege bei der Übernahme der Dresdner Bank im Zeitplan. Die Aktie notierte 1,5 Prozent fester bei 337,70 Euro.

Bayer-Titel gaben um 0,4 Prozent auf 44,18 Euro ab. Der Pharmakonzern Aventis will laut einem Bericht der Financial Times Deutschland heute Exklusiverhandlungen mit Bayer über den Verkauf der Aventis-Pflanzenschutzsparte Aventis CropSience bekannt geben.

Untergangsstimmung am Neuen Markt

Zwar konnte der Neue Markt seine Verluste vom frühen Handel wieder begleichen, doch Händler sehen keine Trendwende sondern eher eine technische Reaktion. "Der Neue Markt hat das Vertrauen vollends verloren", fasste ein Händler die Situation zusammen. Wenn die Deutsche Börse die Regeln nicht schnell und drastisch verschärfte, dann "droht für lange Zeit ein Totentanz". Zu den Maßnahmen würden auch Sanktionen gehören, wenn die Unternehmen die Planzahlen nicht erfüllen. "An der Nasdaq wird ein Verfehlen der Prognosen untersucht und gegebenenfalls auch geahndet", sagte er. Bereits am Freitag hatte der Nemax 50 die 1200-Punkte-Marke durchbrochen und markierte am Montag neue Jahrestiefs. Ein Indexstand unter 1000 Punkten ist für einige Marktteilnehmer nur noch eine Frage der Zeit.

Trotz der schlechten Stimmung bewiesen einige Titel wieder, warum sie einst als Wachstumswert bekannt wurden. Den Auswahlindex Nemax 50 führten die Aktien von Biodata mit einem satten Plus von 32,7 Prozent auf 14,58 Euro an. Aber auch Aixtron (plus 10,6 Prozent auf 24,78 Euro) und Kontron (plus 9,9 Prozent auf 39,50 Euro) präsentierten sich deutlich fester.

Die Titel von Heyde schlossen 9,2 Prozent fester auf 2,60 Euro. Das Unternehmen hat mit sofortiger Wirkung Finanzvorstand Thomas Eisenbarth von seinem Amt abberufen. Eisenbarth hatte den Posten erst im Januar übernommen. Zudem trennte sich Heyde von seinen PSB-Anteilen.

Die größten Verlierer im Nemax 50 waren Pandatel, Kinowelt und Morphosys. Die Aktien gaben zwischen 18,6 und zehn Prozent ab.

Die Anteilsscheine des Telekommunikationsunternehmens Mobilcom waren im frühen Handel wegen eines Gerüchts unter Druck geraten. Das Unternehmen leide unter Liquiditätsschwierigkeiten und habe die Quartalszahlen nicht erreicht, hieß es. Mobilcom dementierte: Man habe noch 700 Millionen Euro Liquidität. Der Wert der Aktie sank im Handelsverlauf bis auf 10,91 Euro, erholte sich bis Handelsschluss aber wieder auf 12,32 Euro - ein Minus von 3,6 Prozent.

Der Internet-Anbieter Ejay hat eine Umsatz- und Gewinnwarnung für das zweite Quartal veröffentlicht und Personalabbau angekündigt. Die im Nemax All Share notierte Aktie brach um 24,7 Prozent auf 0,64 Euro ein.

Euro notiert fester

Der Kurs des Euro ist gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8459 (Freitag: 0,8384) Dollar. Der Dollar kostete damit 2,3121 (2,3328) Mark. Zum Börsenschluss in Frankfurt notierte der Euro bei 0,8463 Dollar.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6014 (0,5996) Pfund, 106,19 (105,65) Yen und 1,5196 (1,5220) Schweizer Franken fest.



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