Börsenschluss Frankfurt Die Angst kehrt zurück

Die Achterbahnfahrt endet mit einem Abschwung: Nach zuvor satten Gewinnen rettet der Dax ein kleines Plus. Auch der Nemax 50 büßt im Sog schwacher US-Börsen einen Teil der Gewinne ein, schließt aber über 1000 Punkten.


Frankfurt am Main – Auf die von IBM und Intel geschürte Euphorie folgte am Nachmittag die Ernüchterung: Neue Anthrax-Fälle im US-Kongress und eine verhaltene Rede von Notenbankchef Greenspan schürten erneut die Unsicherheit und sorgten dafür, dass Anleger Gewinne mitnahmen.

Der Dax ging mit einem zarten Plus von 0,4 Prozent auf 4644 Zähler aus dem Handel, nachdem er zeitweise bereits drei Prozent zugelegt hatte. Der Nemax 50 verteidigte mit einem Plus von 4,2 Prozent auf 1010 Zähler die 1000-Punkte-Marke. Der Dow Jones notierte um 20.15 MEZ 0,8 Prozent im Minus, während der Technologieindex Nasdaq Composite um 2,2 Prozent in die roten Zahlen rutschte.

Notenbankchef Alan Greenspan hat am Nachmittag in seiner Rede vor dem Kongress die Euphorie gebremst. Das Verbrauchervertrauen werde wieder zunehmen, doch mit einer raschen Erholung der US-Wirtschaft sei nicht zu rechnen. Für Nervosität sorgten neue Milzbrandfälle: Nachdem 29 Mitarbeiter des demokratischen Mehrheitsführers Tom Daschle positiv auf Sporen des Anthrax-Erregers getestet wurden, wurde das Abgeordnetenhaus gesperrt. Auch der mögliche Einsatz von Bodentruppen in Afghanistan trage nicht zur Beruhigung bei, hieß es.

AOL überrascht positiv – Warten auf Apple und AMD

Die Ertragssaison dagegen bringt bislang eher positive als negative Überraschungen. Der weltgrößte Medien- und Internetkonzern AOL TimeWarner hat im dritten Quartal seinen Nettoverlust auf 996 Millionen Dollar ausgeweitet. Der Cash-Ertrag je Aktie, also der Gewinn einschließlich aufgelaufener Abschreibungen, stieg jedoch binnen Jahresfrist von 21 auf 30 Cent. Damit übertraf AOL die Schätzungen der Analysten deutlich. Die Quartalszahlen von IBM Chart zeigen und Intel Chart zeigen waren bereits zuvor am Markt positiv aufgenommen worden. Heute nach US-Börsenschluss melden Intel-Konkurrent AMD sowie Apple und Texas Instruments.

Dax gibt Gewinne beinahe vollständig ab – Technologie fest

Die Zahlen von IBM und Intel haben der Siemens-Familie Auftrieb verliehen. Infineon Chart zeigen ging 4,9 Prozent fester auf 17,45 Euro aus dem Handel. Siemens Chart zeigen und Epcos Chart zeigen folgten mit Kursaufschlägen von 2,6 bzw. 1,6 Prozent. SAP legt am morgigen Donnerstag seine Quartalszahlen vor – die Aktie verteidigte am Abend nach zuvor deutlichen Gewinnen ein Plus von 1,9 Prozent auf 126,90 Euro.

Nach der Entscheidung der französischen Regierung zu günstigeren Konditionen für den Mobilfunkstandard UMTS haben Telekom-Aktien europaweit zugelegt. In Frankfurt verteidigten die Papiere der Deutsche Telekom Chart zeigen ein Plus von 1,3 Prozent auf 18,49 Euro.

Finanztitel behauptet

Trotz der schwächeren Zahlen von JP Morgan ging die Erholung der deutschen Finanztitel weiter. Commerzbank Chart zeigen -Papiere zogen um 1,5 Prozent auf 17,06 Euro an. Das Finanzhaus hat ein striktes Sparprogramm angekündigt. Auch HypoVereinsbank Chart zeigen zeigte sich fester, während Deutsche Bank Chart zeigen und Allianz Chart zeigen ihre Gewinne zum Abend beinahe vollständig wieder abgaben.

DaimlerChrysler im Vorwärtsgang

Trotz der hohen Verluste des US-Autokonzerns Ford zog die Aktie von DaimlerChrysler Chart zeigen um 2,6 Prozent an und war stärkster Autowert im Dax. DaimlerChrysler hat in einem schwachen Inlandsmarkt seinen Marktanteil als einziger Premiumhersteller behauptet. Unverändert liegt dieser bei 14,2 Prozent, was gegenüber den ersten neun Monaten des Vorjahres ein Plus von 1,7 Prozentpunkten darstellt.

Logistiker leiden

Die größten Verluste mußten am Mittwoch ThyssenKrupp Chart zeigen , Adidas Chart zeigen und Post Chart zeigen hinnehmen. Aufgrund zahlreicher Anthrax-Warnungen, die in Deutschland durch Trittbrettfahrer ausgelöst wurden, mußten bereits mehrere Briefzentren den Betrieb vorübergehend einstellen.

Neuer Markt: Händler warnen vor Euphorie

Die Wachstumswerte im Nemax 50 hatten am Morgen zum ersten Mal seit Wochen die Marke von 1000 Punkten übersprungen und verzeichneten zeitweise ein Plus von 9,1 Prozent. Am Abend schloss der Index mit einem Zuwachs von 4,2 Prozent auf 1010 Zähler.

Trotz des Höhenflugs am Neuen Markt wollten Marktbeobachter nicht von einer Trendwende sprechen. "Das kam alles sehr schnell. Gewinnmitnahmen können jederzeit ein Thema sein", hieß es. Die aktuelle politische Krise dominiere noch immer das Marktgeschehen. Dann könne der Index auch schnell wieder unter 1000 Punkte fallen, sagte ein Aktienhändler. Zuletzt hatten der Nemax 50 und der marktbreitere Nemax All Share am 6. September über 1000 Punkten notiert.

Anthrax-Angst schürt Rallye der Biotech-Titel

Zu den größten Gewinner gehörten erneut Biotechnologie-Werte. GPC Biotech Chart zeigen war mit einem Plus von 18 Prozent Spitzenreiter im Nemax 50. MorphoSys Chart zeigen verteuerten sich um 9,6 Prozent auf 52,50 Euro. Das Münchener Biotechnologie-Unternehmen hatte zuvor die Erteilung eines neuen Patents durch das US-Patentamt bekannt gegeben. Auch Lion Bioscience Chart zeigen und MediGene Chart zeigen gehörten zu den Gewinnern.

Der IT-Dienstleister IDS Scheer ging nach einer Achterbahnfahrt mit zweistelligem Verlust als einer der schwächsten Nemax-50-Werte aus dem Handel. In den ersten neun Monaten 2001 hat das Unternehmen seinen Umsatz um fast 35 Prozent gesteigert. Allerdings rechnet der Vorstand nicht mehr damit, das operative Ergebnis gegenüber dem Vorjahr steigern zu können.

Kinowelt wehrt sich gegen Rauswurf

Die Aktien der krisengeschüttelten EM.TV Chart zeigen , die am Vortag noch ein Plus von knapp 98 Prozent aufweisen konnte, gehörte an Mittwoch bei Börsenschluss zu den Tagesverlierern. Sie büßten rund zwölf Prozent auf 2,41 Euro ein.

Die höchsten Gewinne am Neuen Markt verbuchte das Online-Reiseunternehmen Travel24.com. Das Unternehmen hat ebenso wie Kinowelt Chart zeigen Einstweiligen Verfügung gegen die Delisting-Regeln der Deutsche Börse AG erwirkt.

Euro gibt weiter nach

Der US-Dollar hat am Mittwoch weiter nachgegeben. Die Gemeinschaftswährung notierte am Abend mit 0,9028 Dollar nach einer letzten Notiz am Vortag von 0,9082 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9022 Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1678 Mark.



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