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12. Juni 2001, 21:16 Uhr

Börsenschluss Frankfurt

Erholung zum Handelsschluss

Dax und Nemax erholen sich in der letzten Handelsstunde vom Nokia-Schock und reduzieren ihre Verluste. Die T-Aktie rettet sich ins Plus. Gebeutelt sind Biotech-Werte.

Frankfurt am Main – Der Dax ging mit einem Minus von 1,7 Prozent bei 6059 Punkten aus dem Handel. Der Nemax-50, der zwischenzeitlich 6 Prozent eingebüßt hatte, reduzierte seine Verluste auf 3,9 Prozent und schloss bei 1578 Zählern. Der marktbreitere Nemax All Share gab um 3,5 Prozent nach.

Anleger quittierten die Gewinnwarnung des finnischen Handy-Herstellers Nokia mit einer Verkaufsorgie. Auf Xetra gab die Nokia-Aktie bei hohen Umsätzen um 19,5 Prozent nach und fiel auf 27,30 Euro. Zu den größten Verlierern im Dax zählten dann auch die Technologiewerte.

Siemens fiel unter 80 Euro und war mit 4,6 Prozent Verlust Tagesverlierer. SAP verbilligte sich um 4,5 Prozent auf 166,50 Euro. Der Titel des Herstellers elektronischer Bauelemente Epcos, der stark im Handygeschäft engagiert ist, verlor 4,4 Prozent auf 70,40 Euro. Infineon reduzierte seine Verluste zum Handelsschluss deutlich auf 3,9 Prozent und 39,26 Euro.

T-Aktie behauptet, HypoVereinsbank spart

Lediglich die T-Aktie konnte ihre Verluste vollständig abbauen und drehte in der letzten Handelsstunde minimal (0,2 Prozent) ins Plus. Die Telekom-Tochter T-Mobil will sich nun doch die Kosten für den UMTS-Aufbau mit dem Rivalen British Telecom teilen.

Tagesgewinner im Dax waren die Aktien der HypoVereinsbank: Sie legten um 1,3 Prozent auf 57,40 Euro zu. Die HVB-Gruppe tritt energisch auf die Kostenbremse und will 90 Filialen schließen.

Mit Schering, die unverändert aus dem Handel gingen, blieben nur drei Aktien im Dax am Dienstag ohne Verluste. Deutliche Verluste mussten auch die Deutsche Bank (minus 2,9 Prozent) und Thyssen Krupp (minus 3,5 Prozent auf 16,55 Euro) hinnehmen: Das US-Investmenthaus Lehman Brothers hat das Kursziel für die ThyssenKrupp-Aktie von 22 auf 14 Euro gesenkt.

Fraport verliert, Essanelle verschiebt

Der Kurs der Fraport-Aktie ist auch am zweiten Handelstag gesunken. Die Aktie verlor 4,7 Prozent auf 33,15 Euro. Am Vortag war das Papier beim Wert von 34,80 Euro aus dem Handel gegangen, der Ausgabepreis hatte 35 Euro betragen. Händler sagten, der Emissionspreis sei überteuert gewesen. Als Konsequenz des mißglückten Börsenstarts wurde die Preisspanne für die Friseuraktie Essanelle gesenkt und die Emission um eine Woche verschoben.

M-Dax Insel der Ruhe

Die im M-Dax notierte Beiersdorf AG hat die Jahresüberschuss-Prognose für das laufende Geschäftsjahr bestätigt. Wie der Vorstandsvorsitzende Rolf Kunisch auf der Hauptversammlung am Dienstag in Hamburg sagte, wird der Kosmetik-Hersteller den Überschuss im Jahr 2001 auf 270 Millionen Euro steigern. Die Aktie legte ungeachtet der Turbulenzen 5,9 Prozent auf 122 Euro zu, der M-Dax schloss nur 0,2 Prozent schwächer.

Neuer Markt: Biotech-Werte unter Verkaufsdruck

Im Nemax-50 führten die Papiere von Adva (plus 6,6 Prozent), Thiel Logistik (plus 6 Prozent) und Intershop die Gewinnerliste an. Thiel erholte sich von seinem Kurssturz gestern, und bei Adva scheinen Aktionäre die Gewinnwarnung von Juniper Networks verdaut zu haben. Intershop legte einen Tag vor der Hauptversammlung um 1,7 Prozent auf 4,11 Euro zu.

Zu den schwächsten Titeln gehörten die Papiere von Fantastic und Comroad, die jeweils rund 15 Prozent nachgaben. Unter Verkaufsdruck standen auch Werte der Biotechnologie. Das US-Biotech-Unternehmen Affymetrix hatte am Vortag eine Gewinnwarnung ausgegeben. Das Nemax-50-Schwergewicht Qiagen verbilligte sich um knapp acht Prozent auf 26.55 Euro. Die ebenfalls im Nemax-50 notierten Medigene und Evotec verloren jeweils 5,5 Prozent, während Morphosys knapp acht Prozent nachgab.

"Die Biotechs an der Nasdaq sind schwach gelaufen", begründete auch ein Händler die Kursverluste. Thomas Schießle vom Bankhaus Delbrück verwies auf die "fehlende Trennschärfe des Marktes".

Euro erholt

Der Euro hat sich wegen Spekulationen über Stützungskäufe der EZB von seinen Tiefständen erholt und notierte am Abend bei 0,8494 Dollar. Die Mutmaßungen über mögliche Zentralbank-Stützungskäufe zugunsten der Gemeinschaftswährung seien unter anderem durch Äußerungen von Ratsmitgliedern der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgelöst worden.

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