Börsenschluss Frankfurt Klettertour geht weiter

Die Kurse von Siemens und Lufthansa steigen, als wären Luftfahrt- und Technologiekrise überwunden. Auch die T-Aktie schließt trotz der Verluste bei Voicestream fest. Im Nemax 50 legen Schwergewichte wie T-Online, Qiagen und Aixtron zu.


Frankfurt am Main – Mit einem Plus von 1,1 Prozent hat der Dax über der Marke von 5000 Punkten geschlossen. Obwohl die US-Börsen auch um 20 Uhr MEZ weiterhin unentschlossen um den Vortagesschluss tendierten, legten Dax und Nemax am späten Nachmittag wieder leicht zu. Der Nemax 50 schloss 3,7 Prozent fester bei 1237 Zählern.

Gegen schlechte Unternehmensdaten scheint der Markt derzeit immun zu sein: Die Aktien von Siemens und Infineon gehörten am Donnerstag erneut zu den größten Gewinnern, obwohl sie zu Wochenbeginn Milliardenverluste präsentiert haben. Auch die Lufthansa, die immerhin um den gefürchteten Jahresverlust herumgekommen ist, legte weiter zu, als sei die Krise der Luftfahrtbranche bereits vorbei. Auch von Konjunkturdaten ließen sich die Anleger nicht aus der Ruhe bringen: Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA sind zwar nicht so stark gestiegen wie befürchtet, jedoch ist die Zahl der Arbeitslosen immer noch auf dem höchsten Stand seit 1993.

Siemens, Lufthansa und T-Aktie sehr fest

Die Papiere von Siemens Chart zeigen setzten ihre Rallye fort und gingen mit einem Plus von sieben Prozent auf 66,50 Euro als Dax-Spitzenreiter aus dem Handel. Die Deutsche Bank hat Siemens zum "Kauf" empfohlen und ein Kursziel von stolzen 90 Euro gesetzt. Auch die Chiptochter Infineon Chart zeigen kletterte um 6,5 Prozent.

Im Zentrum des Interesses standen auch die Aktien der Deutsche Telekom Chart zeigen , die sich kurz vor ihrem fünften Geburtstag um 2,1 Prozent auf 19,82 Euro verteuerten. Am Tag der Terroranschläge in den USA war die T-Aktie noch für 14,50 Euro zu haben. Voicestream, die US-Mobilfunktochter der Telekom, hat im abgelaufenen dritten Quartal des Jahres 2001 geringere Verluste erwirtschaftet als im Vorquartal. Gleichwohl wird Voicestream die Bilanz der Deutschen Telekom in diesem Jahr mit einem Milliardenverlust belasten.

Die Aktie von Lufthansa Chart zeigen setzte mit einem Plus von knapp sieben Prozent ihre rasante Erholung fort. Die Fluglinie hatte am Vortag Geschäftszahlen vorgelegt. Der Wert profitierte nun von positiven Analystenkommentaren der Deutschen Bank, die das Kursziel auf 17 Euro festgesetzt haben. Zudem hat Dresdner Kleinwort Wasserstein die Papiere auf "Kaufen" hochgestuft. Positiv für das Unternehmen sei auch der deutlich gesunkene Ölpreis, sagte ein Händler. Die Lufthansa-Aktie war nach den Anschlägen am 11. September bis auf 8,08 Euro eingebrochen.

Kurzer Höhenflug bei MLP

Der Finanzdienstleister MLP Chart zeigen hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres die Umsätze um 32 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erhöht. MLP gehe für das Gesamtjahr von einem Wachstum von 30 Prozent aus. Die Aktie legte zeitweise um mehr als drei Prozent zu, Gewinnmitnahmen ließen den Zuwachs jedoch bis Handelsschluss auf 0,6 Prozent schmelzen.

Eon fest, Comeback bei SAP

Der Düsseldorfer Versorger Eon Chart zeigen gewannen nach Vorlage der Bilanz zuletzt noch 1,4 Prozent hinzu. Der Düsseldorfer Versorger steigerte in den ersten neun Monaten das Betriebsergebnis im Vergleich zum Vorjahr um 55 Prozent. Damit verfehlte Eon zwar leicht die Erwartungen der Analysten. Allerdings bekräftigten die Düsseldorfer trotz der gesenkten Ergebnisprognose für das Chemiegeschäft ihre Erwartungen für das Betriebsergebnis im Gesamtjahr. Die Aktien von Linde Chart zeigen, die ebenfalls am Donnerstag ihr Zahlenwerk vorgestellt hatten, notierten behauptet.

Ein Comeback erlebte am Nachmittag dagegen die Aktie von SAP: Nach einer Herabstufung durch Merrill Lynch gab SAP Chart zeigen zunächst nach, stieg dann aber um 2,8 Prozent auf 130 Euro. Die Investmentbanker haben das Kursziel von 160 auf 143 Euro gesenkt. Merrill Lynch erwartet, dass die Lizenzerlöse im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 35 Prozent auf 686 Millionen Euro sinken werden.

Versicherer bauen Verluste aus

Die Aktien der Versicherungsgesellschaften Allianz Chart zeigen und Münchener Rück Chart zeigen bauten dagegen ihre Verluste aus. Die Allianz ging mit einem Verlust von 4,1 Prozent auf 260 Euro als schwächster Dax-Wert aus dem Handel. Bereits am Vortag hatten die Versicherer zu den größten Verlierern im Dax gehört.

Neuer Markt: Aufwärtstrend intakt

Der Nemax 50 ging nach einer kurzen Schwächephase am Nachmittag mit einem Plus von 3,7 Prozent auf 1237 Zähler aus dem Handel. Die Titel von Adva Chart zeigen, Constantin Film Chart zeigen und Broadvision Chart zeigen haben am Donnerstag erneut zweistellige Zuwächse verzeichnet.

Es sei auffällig gewesen, dass "vor allem die großen Werte besonders stark gefragt waren", sagten Händler. Das lasse darauf schließen, dass institutionelle Anleger ihre Depots aufstocken. Schwergewichte wie T-Online Chart zeigen, Qiagen Chart zeigen und Aixtron Chart zeigen legten jeweils zwischen sieben und acht Prozent zu. Aixtron profitierten außerdem von der Anfang Dezember bevorstehenden Aufnahme des Unternehmens in den MSCI Standard-Index.

Die Aktien der DAB Bank Chart zeigen hatten nach Vorlage der Quartalszahlen zu einem kurzen Höhenflug angesetzt, bis Handelsschluss blieb jedoch ein Gewinn von "nur" noch 3,7 Prozent auf 16,39 Euro übrig. Die Zahlen seien schlecht gewesen, hätten aber im Rahmen der reduzierten Erwartungen gelegen, sagte ein Händler. Positive Wirkung auf den Kurs habe wohl der Ausblick auf das Jahr 2002 gehabt. Anleger sind uneins über die Zukunft der Direktbanken, die als reine Onlinebroker den Mutterbanken zunehmende Konkurrenz machen.

Thiel Logistik Chart zeigen , der im Nemax 50 notierte Logistikdienstleister, hat in den ersten neun Monaten 2001 beim Umsatzzuwachs die Erwartungen der Analysten übertroffen und sein Ergebnis deutlich gesteigert. Die Aktien gingen mit einem Plus von 3,1 Prozent aus dem Handel. Die Aktie von Carrier1 Chart zeigen brach dagegen auf Grund ihrer schwachen Zahlen erneut zweistellig ein und notieren nur noch knapp über der Ein-Euro-Grenze.

Euro fester

Der Kurs des Euro ist am Donnerstag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8825 (Mittwoch: 0,8803) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2162 (2,2218) Mark. Um 20 Uhr wurde die Gemeinschaftswährung für 0,8824 Dollar gehandelt.



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