Börsenschluss Frankfurt Schwache Nasdaq als Stimmungskiller

Eine schwache Nasdaq hat die Aktienmärkte in Deutschland erneut ins Minus gezogen und eine zunächst freundliche Tendenz verhagelt. Der Neue Markt und auch die T-Aktie erhielten Dämpfer aus den USA. Starke Autowerte, allen voran Volkswagen, begrenzen das Minus im Dax.


Hamburg – Mit dem Start der US-Börsen war es mit den frühen Kursgewinnen am deutschen Aktienmarkt vorbei. Vor allem die schwache Nasdaq sorgte für Verkaufsdruck. Der Dow Jones drehte um 20 Uhr minimal ins Plus, während die Nasdaq ihre Verluste auf ein Minus von drei Prozent vergrößerte. Trübe Aussichten für die US-Konjunktur und große Lagerbestände der Unternehmen lasten auf den Aktien, obwohl zumindest der Einzelhandelssektor dank starker Wal-Mart-Zahlen zulegte. Den Technologie-Titeln half das nichts: Analysten des Bankhauses Salomon Smith Barney äußerten sich zudem negativ über den Halbleiter-Sektor.

Der Dax schloss am Dienstag mit einem Minus von 0,32 Prozent bei 6451 Punkten, während der Nemax 50 1,77 Prozent und der marktbreitere Nemax All Share Index 1,44 Prozent abgaben. Zumindest die Standardwerte gaben dem Dax Auftrieb: Die Aktien von Volkswagen waren nach Vorlage der Geschäftszahlen Spitzenreiter im Index der 30 wichtigsten deutschen Werte. Der Konzern hat Umsatz und Ergebnis im Jahr 2000 deutlich gesteigert und die Erwartungen der Analysten übertroffen. Das Papier der Wolfsburger Autobauer schloss mit einem Plus von 2,62 Prozent auf 58,80 Euro. Auch DaimlerChrysler (plus 2,5 Prozent) drängte im Windschatten von VW an die Dax-Spitze.

Infineon hatte noch bis zum frühen Nachmittag die Gewinnerliste im Dax angeführt, die Gewinne schmolzen dann aber im Sog der Technologieschwäche auf ein Plus von 0,74 Prozent zusammen. Auch für Aktie der Deutsche Telekom sah es am Vormittag nach einer Erholung aus, doch dann machten die Vorgaben aus den USA alle Hoffnungen zunichte. Die T-Aktie schloss mit einem Minus von 0,9 Prozent bei 26.75 Euro.

Die Dresdner Bank ist am Dienstag trotz schwacher Geschäftszahlen mit einem blauen Auge davon gekommen. Die Aktie zog trotz eines gesunkenen Vorsteuergewinnes zunächst an: Möglicherweise honorierten die Anleger die angekündigte Umstrukturierung der Bank. Außerdem hatten Analysten nach dem Fusionsdebakel mit der Deutschen Bank bereits mit einem schwachen Ergebnis der Dresdner Bank gerechnet. Erst im späten Handel gab die Aktie auf .47,60 Euro (minus 0,2 Prozent) nach.

Schlusslicht im Dax war die Aktie von Siemens. Die Papiere des Technologiekonzerns hatten besonders unter dem Einbruch an der Nasdaq zu leiden und verloren 2,9 Prozent auf zuletzt 136,58 Euro. Schwach notierte erneut Metro (minus 2,87 Prozent). Die niederländische Bank ABN Amro hatte die Aktie des Großhandelskonzerns gestern herabgestuft. Am Dienstag folgte die französische Großbank Credit Lyonais.

Eine große Kauforder von Seiten des Bankhauses Julius Bär machten Händler für den überraschenden Anstieg von CPU um zuletzt 26 Prozent verantwortlich. Der Titel war stärkster Wert am gebeutelten Neuen Markt.

Zu den größten Verlierern des Wachstumsmarktes zählten Digital Advertising . Sie gingen mit einem Minus von 20 Prozent aus dem Handel. Der Internetdienstleister hat seinen Verlust vor Zinsen und Steuern in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2000/2001 von 0,2 auf 3,6 Millionen Mark ausgeweitet. Fantastic gab nach Vorlage von keineswegs fantastischen Zahlen um 15,5 Prozent nach. Schlusslicht im Nemax war Gigabell mit einem Minus von 22 Prozent: Unternehmensgründer und Ex-Schlagerstar Daniel David hat sein Aktienpakt an die britische Investorengruppe Rate-X verkauft, was das Vertrauen der Investoren nicht unbedingt stärkt.

Der Euro zeigte sich am Dienstagnachmittag schwächer und wurde zuletzt mit 0,9094 Dollar gehandelt. Die EZB legte den Referenzkurs auf 0,9070 fest. Der Dollar kostete damit 2,1564 Mark.



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