Börsenschluss Frankfurt Technologie knickt wieder ein

Technologiewerte haben erneut einen Schwächeanfall erlitten. SAP und T-Aktie ziehen den Dax ins Minus. Der Neue Markt fällt im Sog der Nasdaq kurz vor seinem vierten Geburtstag unter 2100 Punkte. Die Gewinnwarnung von Yahoo hat Börsianern die Stimmung verdorben.


Hamburg - Der Dax schließt 0,6 Prozent schwächer bei 6267 Zählern. Die Wachstumswerte am Neuen Markt brechen nach der Umsatzwarnung des Internetportals Yahoo ein. Der Nemax-50 verliert 3,7 Prozent und rutscht erneut unter die 2000-Punkte-Marke. Der alle Werte umfassende Nemax All Share gibt 2,8 Prozent auf 2094 Zähler nach.

In New York schichten die Anleger wieder in die "Old Economy" um. Der Dow Jones steht zum Börsenschluss in Deutschland 0,3 Prozent im Plus, während der Technologieindex Nasdaq Composite seine Verluste auf 2,5 Prozent ausbaut.

Gewinnmitnahmen bei Technologiewerten

Bis zum Mittag hatten sich Technologiewerte noch behauptet, dann rutschten SAP, Telekom und Siemensfamilie ins Minus. Größter Verlierer im Dax ist die Deutsche Telekom, die 4,1 Prozent auf 27,52 Euro nachgab. SAP verliert 2,9 Prozent.

Auch die Siemens-Familie trägt wieder rote Kleider. Der Mutterkonzern verliert 1 Prozent. Infineon gibt 1,9 Prozent ab, Epcos fällt um 1,4 Prozent unter 70 Euro. Für die Kursabschläge machen Händler Gewinnmitnahmen verantwortlich, nachdem die Titel am Dienstag gut gelaufen waren.

Finanztitel gehören zu den Gewinnern im Dax. Die Dresdner Bank geht mit 1,4 Prozent Plus aus dem Handel. HypoVereinsbank (plus 1,7 Prozent) und Commerzbank (plus 2,1 Prozent) legen noch stärker zu. Die Deutsche Bank schließt mit 0,7 Prozent im Plus.

Marktbeobachter begründen die Gewinne bei Bankaktien mit der Hoffnung auf Zinssenkungen. Die Hypovereinsbank will außerdem durch Filialschließungen Kosten sparen, und die Deutsche Bank setzt durch den Schmusekurs mit dem Versicherer AXA die Allianz unter Zugzwang. Die Erholung der Banktitel könnte allerdings nur von kurzer Dauer sein, da in den USA das Brokerhaus Prudential Securities etliche Finanzhäuser abgestuft hat.

BMW schließt mit 3,1 Prozent Zuwachs als Dax-Spitzenreiter. Der Autobauer hat seine Absatzzahlen in Deutschland im Januar und Februar um sieben Prozent auf mehr als 35000 Fahrzeuge gesteigert. Volkswagen legt ebenfalls zu, während DaimlerChrysler um 0,6 Prozent fällt.

Versorger unter Druck

Die Aktien des Energiekonzerns RWE mussten Federn lassen, nachdem die spanische Börsenaufsicht das Übernahmeangebot für den viertgrößten nationalen Stromversorger Hidroelectrica del Cantabrico (Hibrocantabrico) genehmigt hatte. Das Papier geht mit 2 Prozent Minus aus dem Handel. Das Übernahmeangebot werde allgemein als zu teuer eingeschätzt, heißt es am Markt. Der Essener Energiekonzern hat 26 Euro je Aktie der Hidrocantabrica geboten.

Neben der Reaktion auf die Hidrocantabrica-Übernahme machte Stefan Hentschel vom Bankhaus Hermann Lampe eine Branchenrotation für den Kursverlust verantwortlich. "Versorger wie RWE und E.ON werden an der Börse derzeit nicht gespielt", sagte Hentschel. Offensichtlich schichteten Fonds zu Ungunsten der Versorgertitel um. E.ON verliert 1,8 Prozent.

Die Aktie von Adidas Salomon fällt nach Bekanntgabe der Bilanzzahlen. Zwar blieben die Ergebnisse des abgelaufenen Geschäftsjahres im Rahmen der Erwartungen, der Titel gibt dennoch bis zum Abend 0,7 Prozent auf 67,10 Euro nach.

M-Dax behauptet, Altana bricht ein

Im M-Dax bricht die Aktie von Altana um mehr als 16 Prozent ein, nachdem das Unternehmen mitgeteilt hat, dass die Markteinführung eines neuen Medikamentes sich verzögern würde. Händler halten den Kurssturz allerdings für übertrieben, da das Produkt lediglich einen kleinen Teil des Umsatzes ausmache. Die Altana-Aktie hatte in den vergangenen Monaten eine Kursrallye hingelegt. Der Index für Nebenwerte bleibt bei 4814 Punkten behauptet: Kursgewinne beim Großbäcker Kamps (plus 16 Prozent), dem Getränkehersteller Krones (plus 9 Prozent) und dem Modekonzern Boss (plus 8 Prozent) gleichen die Altana-Verluste aus.

Intershop: Gefallener Engel am Neuen Markt

Die Jenaer Software-Schmiede Intershop gibt seine frühen Gewinne wieder ab und geht mit einem Minus von 11 Prozent bei 6 Euro aus dem Handel. Firmengründer und Vorstandschef Stephan Schambach übergibt die Verantwortung für das operative Geschäft an seinen Kollegen Wilfried Beeck. Künftig kümmert sich Schambach verstärkt um "Strategie und Partnerschaften". Der einstige Börsenliebling hat binnen eines Jahres mehr als 95 Prozent an Wert verloren. Während der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag äußerte sich Beeck zudem verhalten über die Wachstumsaussichten in den USA.

Wenig Vertrauen in Aixtron

Noch schwächer als Intershop notierten im Nemax 50 Evotec und Adva mit 13 und 18 Prozent Abschlag. Das Index-Schwergewicht Aixtron, Produzent für Anlagen von Verbindungshalbleitern, verlor bei starken Umsätzen im Vorfeld der am Freitag stattfindenden Bilanzpressekonferenz im Xetra-Handel 13 Prozent auf 80,05 Euro. Es herrsche Ungewissheit über die Zahlen, so dass sich einige Investoren erst einmal zurückziehen würden, sagte Albert Rapp von Trinkaus & Burkhardt. Zudem sei der Wert in diesem Jahr schon stark gestiegen, so dass es vereinzelt auch zu Gewinnmitnahmen gekommen sei.

Spitzenreiter im Nemax 50 ist Trintec. Ohne neue Nachrichten stiegen die Aktien des irischen Herstellers von Zahlungslösungen, um 21 Prozent auf 3,27 Euro. Bei Aktien mit geringem Kursniveau könne es immer wieder zu solchen Kursauschlägen kommen", sagte ein Händler.

Im Internetsektor drückte die Umsatzwarnung von Yahoo besonders auf die Stimmung. Der größte deutsche Anbieter von Internetzugängen T-Online gab mehr als sechs Prozent nach und verabschiedete sich mit 11,83 Euro aus dem Tag.

Untersuchungen bei Metabox und Blue C

Metabox-Aktien sind ins Trudeln geraten. Das Papier verlor weitere fünf Prozent auf 2,81 Euro. Händler führten den Rückgang auf die negativen Schlagzeilen zurück, die das Unternehmen produziert hat. Am Mittwoch hat die Staatsanwaltschaft Hannover Geschäftsräume und Wohnungen von Vorstandsmitgliedern durchsucht. Der Verdacht, dass Unternehmenschef Stefan Domeyer Insiderhandel betrieben habe, setzte das Papier unter Druck.

Ähnlich die Situation bei Blue C. Das Bundesamt für Wertpapierhandel führt derzeit Vorabuntersuchungen gegen Blue C wegen des Verdachts auf mögliche Insidergeschäfte. Erst nach Abschluss der Prüfungen würden - sofern sich der Verdacht erhärtet habe – die eigentlichen Untersuchungen eingeleitet. Der Wert schloss unverändert bei 0,90 Euro.

Der Euro notierte am Abend bei 0,9324 Dollar. Die Europäische Zentralbank legte den Referenzkurs des Euro am Donnerstag auf 0,9312 (0,9307) Dollar fest. Der Dollar kostetet damit 2,1003 (2,1015) Mark.



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