Börsenschluss Frankfurt Tiefroter Wochenauftakt

Amerika hat den deutschen Aktienmärkten den Start in die Woche so richtig verdorben. Eine schwache Wall Street, Angst vor schlechten US-Konzernergebnissen und belastende Kommentare von Notenbankchef Greenspan zur US-Konjunktur drückten die Kurse. Nicht ein Dax-Wert schloss im Plus.


Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte haben den Handel am Montag im tiefroten Bereich beendet und damit ihre Gewinne im neuen Jahr nahezu vollständig abgegeben. Der Dax, der sein Minus zeitweilig auf knapp drei Prozent oder 5055 Punkte ausgeweitet hatte, schloss mit 5065 Zählern: ein Minus von 2,8 Prozent. Der Index hatte zuvor die charttechnisch wichtige Marke bei 5100 Punkten nach unten durchbrochen. Am Neuen Markt fiel der Nemax 50 um 5,4 Prozent auf 1184 Zähler. Hier hatte das Tagestief mehr als sechs Prozent oder 1173 Punkte betragen.

Der Dow Jones gab zum Handelsschluss in Deutschland 0,8 Prozent auf 9903 Punkte nach. Die Technologiebörse Nasdaq rutschte um knapp 1,8 Prozent ab auf 1986 Zähler.

Händler führten die fallenden Kurse auf die Empfehlung einer US-Investmentbank zurück, Portfolios mit mehr Anleihen und weniger Aktien neu zu gewichten, da die Bewertung von Aktien derzeit zu hoch scheine. Die Investoren hielten sich auch zurück, weil sie in dieser Woche Zahlen zahlreicher US-Konzerne erwarten.

Zusätzlich hatte eine Rede des US-Notenbankchefs Alan Greenspan vom Freitagabend die Märkte belastet, hieß es am Markt. Greenspan hatte erklärt, die Wirtschaft in den USA zeige bei weiter bestehenden Risiken erste Anzeichen einer Stabilisierung. "Doch ich möchte betonen, dass kurzfristig weiter bedeutende Risiken bestehen", fügte er hinzu.

Merrill Lynch senkt Aktienanteil in Musterdepot

Börsianer sagten, die Portfolio-Neugewichtung des US-Brokerhauses Merrill Lynch führte zu vermehrten Verkäufen an den Börsen in New York, die die deutschen Märkte mit in die Tiefe zögen. Merrill-Lynch-Stratege Richard Bernstein riet am Montag, den Anteil von Bonds auf 30 von bisher 20 Prozent anzuheben, Aktien auf 50 von 60 Prozent zu reduzieren und Bargeld mit 20 Prozent unverändert zu belassen. Es gebe derzeit nur eine dünne Grenze zwischen einem liquiditätsgetriebenen Markt, der eine Verbesserung der Fundamentaldaten erwartet und einer Luftblase (Bubble), schrieb Bernstein in einem Marktkommentar.

Zudem kam Marktteilnehmern zufolge Unsicherheit bei den Investoren im Vorfeld der beginnenden US-Berichtssaison auf. In dieser Woche werden in den USA unter anderem Intel, General Motors, Yahoo, Citigroup, Ford, General Electric, IBM, Microsoft Geschäftszahlen vorlegen. Die Zahlen werden Händlern zufolge auch den deutschen Markt beeinflussen. Besonders pessimistisch äußerte sich ein Analyst des Finanzdienstleisters First Call. Er geht davon aus, dass die US-Unternehmensgewinne um weitere 22 Prozent schrumpfen.

Nicht ein Dax-Wert schließt im Plus

Im Dax führten RWE Chart zeigen mit einem Minus von 0,12 Prozent auf 42,50 Euro den Index an. Am anderen Ende notierten die Papiere der Deutsche Telekom Chart zeigen mit einem Abschlag von 4,22 Prozent auf 17,46 Euro und die Aktien von Siemens Chart zeigen , die rund 4,40 Prozent auf 72,66 Euro verloren. Am Montag wurde der Siemens-Konkurrent Ericsson von der Bank ABN Amro auf "Reduce" von zuvor "Hold" heruntergestuft.

Börsianer verwiesen darauf, dass der Kurs der T-Aktie mit Handelsbeginn in den USA stärker unter Druck gekommen war. "Wahrscheinlich trennen sich da wieder einige ehemalige VoiceStream-Aktionäre von ihren Telekom-Papieren", sagte ein Händler. Im Dezember war ein zweite Haltefrist für ehemalige VoiceStream-Aktionäre abgelaufen.

Epcos Chart zeigen verlor 1,11 Prozent auf 49 und gehörte damit noch zu den Spitzenwerten des Dax. Die Siemens-Tochter hatte angekündigt, keine Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr auszuzahlen. Im Vorjahr hatte das Unternehmen Rekorde erreicht und noch eine Dividende von einem Euro je Aktie gezahlt. Analysten zeigten sich von dem Schritt nicht überrascht.

Infineon-Papiere Chart zeigen waren nach einem kurzen Ausflug in die Pluszone wieder deutlich ins Minus gedreht und verloren zuletzt mehr als drei Prozent auf 24,80 Euro. Dresdner Kleinwort Wasserstein hatte die Aktie am Montag zum Kauf empfohlen. Ohne Wirkung blieb auch, dass das Investmenthaus Merrill Lynch seine Prognosen für den Halbleiterabsatz für dieses Jahr deutlich angehoben hat. In der Studie vom Montag rechnen die Analysten weltweit mit einer Ausweitung des Absatzes von Halbleiterprodukten um 6,5 Prozent. Damit würden die Verkäufe, in US-Dollar gerechnet, wieder annähernd den Werten des Jahres 1999 entsprechen.

SAP Chart zeigen reihten sich mit einem Verlust von 2,45 Prozent auf rund 161,50 Euro in die Reihe der Verlierer ein.

Die Titel des der Pharma- und Chemieriesen Bayer Chart zeigen gaben 2,96 Prozent auf 36,08 Euro nach. SEB empfahl die Aktie am Montag zum Verkauf: Bayer leide unter der aktuell flauen Chemiekonjunktur. Der Ausgang des Lipobay-Desasters sei angesichts der angestrebten Sammelklage in den USA völlig ungewiss. Die Pharma-Sparte Bayers, die zuletzt mehrmals Schiffbruch erlitten habe, sei im internationalen Vergleich nach wie vor nicht nur zu klein, sondern auch unter der Betrachtung auslaufender Patente vs. neu zu erwartende Blockbuster nicht gerade attraktiv.

Die Aktie des weltgrößten Rückversicherungskonzerns Münchener Rück Chart zeigen fiel um 2,79 Prozent auf 283,86 Euro. Die Analysten der Deutschen Bank und der Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) hatten zu Börsenbeginn ihre Empfehlung für das Papier zurückgestuft.

Die Aktienkurse am Neuen Markt haben am Montag deutlich nachgegeben und annähernd wieder den Stand zum Jahresbeginn erreicht. Die Interessen institutioneller Anleger drückten Händlern zufolge die Aktienkurse bei T-Online Chart zeigen (minus 5,88 Prozent auf 12 Euro) , Qiagen Chart zeigen (minus 4,35 Prozent auf 22 Euro) oder den Direktbanken.

"Der derzeitige Abschwung ist ein Zeichen typisch deutscher Gründlichkeit", begründete ein Händler die kräftigen Kursabschläge. Die US-Börsen seien zwar am Freitag leichter aus dem Handel gegangen und hätten auch die Woche wieder mit niedrigeren Notierungen begonnen, derartige Verluste rechtfertige dies aber nicht.

Nachdem der Vorstandschef des krisengeschüttelten Medienunternehmen EM.TV Chart zeigen , Werner Klatten, weitere Details zum Kauf eines Aktienpakets aus den Händen von Ex-Vorstandschef Thomas Haffa genannt hatte, kletterten die Aktien: Mit einem Plus von 2,67 Prozent auf 1,92 Euro war das Papier einer der wenigen Gewinner im Nemax 50.

Nach Gewinnwarnungen gaben dagegen die Anteilsscheine des Medienunternehmens IM Internationalmedia und des Handykomponenten-Herstellers Balda Chart zeigen jeweils zweistellig nach. IM verloren 20,76 Prozent auf 17,90 Euro, nachdem der Filmproduzent und -Vermarkter bekannt gab, ein Kinofilm werde sich erst auf den Umsatz diesen Jahres auswirken. Diese Nachricht überlagere die zeitgleich bekannt gegebene Übernahme der amerikanischen Produktionsfirma Spyglass Entertainment, sagten Börsianer.

"Balda hat den Markt kalt erwischt", komentierte ein Aktienhändler die heruntergeschraubten Erwartungen der Balda AG: Das Paderborner Unternehmen will die Flaute im Handygeschäft mit dem Einstieg in die Medizintechnik ausgleichen. Der Aktienkurs sank um 13,33 Prozent auf 7,35 Euro.

MobilCom Chart zeigen -Papiere verbilligten sich um 8,66 Prozent auf 23,19 Euro: Zuvor hatte das Mobilfunkunternehmen einen Pressebericht über den Verkauf der Festnetzsparte an Tochtergesellschaft und Internetprovider Freenet bestätigt. Deren Aktie verlor um 5,30 Prozent auf 11,98 Euro.

Euro-Kurs gestiegen

Der Kurs des Euro stieg leicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8927 (Freitag: 0,8919) Dollar fest. Zum Schluss wurde der Euro bei 0,8939 Dollar gehandelt.



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