Börsenschluss Gewinnmitnahmen lasten auf dem Dax

Zum Wochenauftakt haben die deutschen Aktienmärkte deutlich verloren. Vor allem die Technologietitel standen unter Druck. Anleger warten auf die nächste Zinssenkung von Fed-Chef Alan Greenspan.


Frankfurt am Main – Zum Börsenschluss ist der Dax noch einmal abgerutscht und ging mit einem Minus von 1,4 Prozent auf 5124 Punkten aus dem Handel. Am Neuen Markt verlor der Nemax 50 rund 1,8 Prozent auf 1279 Zähler.

Auch die US-Börsen haben im Verlauf weiter nachgegeben. Rund zwei Stunden vor dem Läuten der Schlussglocke stand der Dow Jones bei 9978 Zählern, ein Minus von 0,7 Prozent. Damit rutschte das wichtigste US-Börsenbarometer wieder unter die 10.000-Punkte-Marke. Der Dow Jones hatte am vergangenen Mittwoch erstmals seit dem 5. September wieder über der psychologisch wichtigen Marke geschlossen. Die Nasdaq gab um 0,8 Prozent auf 2004 Punkte nach.

In Frankfurt und New York bestimmten Gewinnmitnahmen und Konjunktursorgen das Handelsgeschehen. Nach dem Höhenflug der vergangenen Wochen sicherten viele Anleger ihre Kursgewinne und warteten lieber auf den Ausblick, den Notenbankchef Alan Greenspan morgen geben wird. Die meisten Marktteilnehmer erwarten, dass die Fed am Dienstag eine Leitzinssenkung um 25 Basispunkte bekannt geben wird. Wichtig sei jedoch die Einschätzung Greenspans, wie schnell die US-Wirtschaft sich wieder erholen wird, hieß es.

Die erste Aufschwungphase an der Börse sei nach der deutlichen Kursaufschwung seit dem 21. September bereits abgeschlossen, sagte Volker Borghoff, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Nun komme es zu einer Konsolidierung am Gesamtmarkt. Zudem würde eine derzeit hohe Marktbewertung mittelfristig das weitere Kurspotenzial begrenzen.

Infineon rutscht ab

Vor allem die Technologiewerte litten unter den Gewinnmitnahmen und führten die Verliererliste im Dax an. Die Aktien von Infineon Chart zeigen gingen mit einem Minus von 5,4 Prozent auf 25,85 Euro als größter Verlierer aus dem Handel. Zudem lastete eine Wandelanleihe des Rivalen STMicroelectronics auf der Aktie.

Ebenfalls deutlich schwächer schlossen die Aktien von Siemens Chart zeigen (minus 2,8 Prozent auf 70,10 Euro), SAP Chart zeigen (minus 2,1 Prozent auf 146,45 Euro) und Epcos Chart zeigen (minus 1,3 Prozent auf 57,14 Euro).

Tagessieger waren die Papiere von MLP Chart zeigen , die sich um über zwei Prozent auf 85,90 Euro verteuerten. Die Aktie der Lufthansa Chart zeigen kletterte um 1,5 Prozent auf 15,80 Euro. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte zuvor Druck auf die Versicherungen ausgeübt und der Fluggesellschaft zugesichert, dass der Staat für den Versicherungsschutz der Flugzeuge keine Bürgschaftsgebühren erheben wird. Es müssten schnell neue Versicherungsverträge abgeschlossen werden. Börsianer zeigten sich zudem optimistisch, dass die Lufthansa von der Misere der Konkurrenzlinien profitieren wird.

Die Finanztitel tendierten zum Wochenstart schwächer. EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti will nach Medienberichten gegen vier deutsche Banken ein Bußgeld wegen Preisabsprachen im Sortengeschäft verhängen. Monti werde voraussichtlich an diesem Dienstag die Commerzbank Chart zeigen , die Dresdner Bank, die HypoVereinsbank Chart zeigen und die Deutsche Verkehrsbank mit einer Strafe von insgesamt rund 100 Millionen Euro belegen, berichtet die "Financial Times Deutschland". Die Banken hätten sich 1997 zusammengetan, um ihre Preispolitik für Sortengeschäfte abzusprechen. Die Commerzbank-Aktie gab 1,3 Prozent nach. Die Anteilsscheine der HypoVereinsbank und Deutschen Bank Chart zeigen verloren 0,5 Prozent.

Übernahmespekulationen gaben der Aktie des im MDax notierten Medienunternehmens ProSieben Sat.1 zwar im Handelsverlauf Auftrieb. Bei Handelsschluss stand das Papier aber unverändert bei 7,10 Euro. Am Markt werde seit Tagen darüber spekuliert, dass der australisch-amerikanische Medienunternehmer Rupert Murdoch die gesamte KirchGruppe übernehmen könnte, sagte ein Händler.

Neuer Markt: Übernahmefantasien treiben Primacon

Die Primacom-Aktie Chart zeigen führte mit einem Kursaufschlag von 9,2 Prozent auf 4,26 Euro die Gewinnerliste im Nemax 50 an. Ein Bericht in der "Euro am Sonntag" soll Händlern zufolge wieder Übernahmespekulationen entfacht haben.

Auch Consors Chart zeigen stand wieder im Mittelpunkt der Gerüchteküche. Erst vorigen Freitag hatte der Online-Broker steigende Abwicklungszahlen bekannt gegeben, am Montag sagte Paul Wieandt, Chef-Sanierer des angeschlagenen Mutterhauses Schmidt-Bank, dass der Consors-Verkauf sofort eingeleitet werden soll. An der Börse stieg die Aktie im frühen Handel deutlich, zum Handelsschluss notierte das Papier aber nur noch mit 1,6 Prozent im Plus auf 10,98 Euro.

Die Titel des Filmrechtehändlers Highlight Chart zeigen gaben ihre frühen Gewinne ab und rutschten mit über acht Prozent ins Minus auf 5,40 Euro. Spekulationen um die Champions-League-Rechte haben der Aktie seit Ende November zu einem Höhenflug verholfen.

Kurs des Euro deutlich gefallen

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro bei 0,8850 (Freitag: 0,8911) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2100 (2,1948) Mark. Bis 20 Uhr legte die Gemeinschaftswährung wieder leicht zu und stieg auf 0,8886 Dollar.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6198 (0,6241) Pfund, 111,82 (111,50) Yen und 1,4806 (1,4787) Schweizer Franken fest.



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