Börsenschluss Kriegsangst lässt die Kurse fallen

Die deutschen Aktienmärkte bleiben auf Talfahrt. Dax und Nemax sind erneut schwächer aus dem Handel gegangen. Vor allem Epcos und die Münchener Rück standen auf der Verkaufsliste.


Frankfurt am Main – Angesichts eines drohenden Kriegs im Irak hat der Dax am Dienstag deutlich nachgegeben. Im Handelsverlauf stürzte der deutsche Leitindex bis auf 2774 Punkte ab, erholte sich bis zum Schlussgong aber wieder leicht auf 2873 Zähler. Damit ging der Dax rund 1,4 Prozent schwächer aus dem Handel.

Noch deutlichere Verluste verbuchten die Nebenwerte: Der MDax sank um 2,8 Prozent auf 2874 Punkte. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 zum Handelsschluss auf 344 Zählern, ein Minus von 5,1 Prozent. Am Nachmittag markierte der Auswahlindex ein Rekordtief von 325 Punkten.

Im späten Handel wurden die Börsen in Frankfurt von guten Konjunkturdaten aus den USA gestützt. Der Index des US-Verbrauchervertrauens sank nach Angaben des Wirtschaftsforschungsinstitutes Conference Board im September auf 93,3 Punkte von 94,5 Zählern im Vormonat. Analysten hatten mit einem stärkeren Rückgang auf 92,3 Stellen gerechnet.

Die Zahlen würden dem Markt zwar kurzfristig helfen, sagte Händler Björn Wystrach von der Helaba. Sie seien allerdings keine vorwärtsgerichteten Indikatoren für die wirtschaftliche Entwicklung. Ein anderer Börsianer ergänzte, an der schlechten Gesamtstimmung am Markt ändere sich nichts.

"Wir haben Angst vor einem Irak-Krieg, steigenden Ölpreisen und einer Deflation", beschrieb ein Börsianer die Stimmung. "Ein Ende der Talfahrt ist einfach nicht in Sicht, zumal noch weitere Prognosekorrekturen der Unternehmen zu erwarten sind. Es gibt einfach keine positiven Nachrichten." Auch charttechnische Analysten sagten, der Markt werde weiter fallen.

Die US-Börsen präsentierten sich im Verlauf uneinheitlich: Der Dow Jones verlor bis zum Handelsschluss in Deutschland um ein Prozent auf 7792 Punkte. Der Nasdaq notierte auf 1192 Zählern, ein Plus von 0,6 Prozent. Im Mittelpunkt des Handels standen die Bankenwerte. Vor Handelsbeginn haben Goldman Sachs Chart zeigen und Lehman Brothers Chart zeigen ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Während Goldman die Prognosen leicht übertroffen hat, enttäuschte Lehman mit einem schwachen Ausblick und einem überraschend hohen Gewinnrückgang.

Die US-Notenbank beließ die Leitzinsen wie erwartet unverändert. Händlern zufolge hatten die Anleger mit dieser nach Börsenschluss bekannt gegebenen Entscheidung gerechnet. Entsprechend gering sei der Einfluss auf die Kursentwicklung ausgefallen, hieß es.

Übernahmegerüchte beflügeln Metro

Größter Gewinner im Dax war die Aktie von Metro Chart zeigen. Das Papier verteuerte sich um 7,8 Prozent auf 18,88 Euro. Händler erklärten die Kursgewinne mit Gerüchten, dass der US-Einzelhandelsriese Wal-Mart Chart zeigen eine Übernahme plane.

Im Mittelpunkt standen die Aktien des Dax-Schwergewichts Siemens Chart zeigen, die um knapp 3,3 Prozent auf 37,50 Euro zulegten. Nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen hat der Elektronikkonzern in seiner defizitären Netzwerksparte im vierten Quartal noch schlechter als im Vorquartal abgeschnitten. Siemens kündigte an, die Netzwerksparte zu restrukturieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Belastet von der schwachen Lage am Aktienmarkt gaben Händlern zufolge auch die Anteilsscheine der Münchener Rück Chart zeigen und der Banken weiter nach. Münchener-Rück-Titel fielen um annähernd acht Prozent auf 111,20 Euro. Anteile der Commerzbank Chart zeigen und der HypoVereinsbank Chart zeigen verbilligten sich um 4,7 beziehungsweise 3,2 Prozent.

Infineon und Epcos rutschen ab

Die Aktie des Finanzdienstleisters MLP Chart zeigen vollzog erneut dramatische Schwankungen. Der Titel, noch am Montag durch Übernahmefantasie angetrieben, gehörte am Dienstag erneut zu den größten Verlierern. Zuletzt wurden MLP-Aktien bei 8,28 Euro um 5,7 Prozent niedriger gehandelt.

Die Infineon-Aktie Chart zeigen wurde von schlechten Nachrichten für die US-Technologiebranche belastet und sank um 3,5 Prozent auf 6,42 Euro. Die Befürchtung, der US-Konkurrent Micron Chart zeigen werde mit seinen Zahlen am Abend den Markt erneut enttäuschen, verarbeiten die Anleger bei Infineon schon jetzt, berichtete ein Händler. Hinzu komme eine gewisse Eigendynamik: "Je schwächer die Infineon-Aktie sich im Handel entwickelt, desto heftiger prügeln die Anleger drauf", sagte er.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.