Börsenschluss LetsBuyIt über kurz oder lang wertlos

Die Dax-Werte haben den Donnerstagshandel mit moderaten Verlusten beendet. In der letzten Stunde vor Börsenschluss konnte der Neue Markt dank einer freundlichen Nasdaq noch einmal zulegen.


Frankfurt am Main - Beim Schlussgong stand der Dax mit 6.635,76 Punkten um knapp 0,3 Prozent im Minus, obwohl sich sein amerikanisches Pendant, der Dow Jones, deutlich gefestigt hat. "Nach der Erholung im DAX an den vergangenen Tagen sind wir heute von einer Seitwärtsbewegung bei den Standardwerten ausgegangen", erklärte Katrin Gräser, Händlerin der BHF-Bank.

Der Nemax 50 stieg um knapp ein Prozent auf 2.783,22 Zähler. Im Tagesverlauf war der Index zwischen Gewinn- und Verlustzone hin und her gependelt. Der Nasdaq-Composite-Index notierte zu Börsenschluss in Deutschland 2,9 Prozent im Plus auf 2760 Punkten.

Vortagsrallye gut verdaut

In den vergangenen neun Börsensitzungen gewann das Marktbarometer damit rund 25 Prozent. Die Vortagsrallye sei nach einer anfänglichen Seitwärtsbewegung recht gut verdaut worden, sagten Börsianer. Am Mittwoch waren die beiden Indizes um jeweils sieben Prozent in die Höhe gesprungen. Ein Fondsmanager sagte, er rechne damit, dass der Nemax-All-Share-Index in den kommenden sechs Monaten bis auf 3500 Punkte steigen werde. Insgesamt sei die Stimmung gut gewesen. Gespannt warte der Markt nun auf die Zahlen des US-Softwarekonzerns Microsoft, hieß es.

Infineon erfreulich

Im Dax präsentierten sich die Papiere von Infineon mit einem Aufschlag von 2,11 Prozent auf 46,46 Euro am freundlichsten. Die T-Aktie gewann 1,13 Prozent auf 38,35 Euro. Die Kursgewinne begründete René Gorudsinsky, Aktienhändler bei der Baden-Württembergischen Bank, mit den guten Zahlen der Mobilfunksparte T-Mobil. Die Mobilfunk-Gesellschaft hat die Kundenzahl im vergangenen Geschäftsjahr mehr als verdoppelt.

Nach der Veröffentlichung der Zahlen für das Rumpfgeschäftsjahr 2000 ist die Aktie von MAN im Handelsverlauf bis auf 29,94 Euro gestiegen. Das Papier des Maschinenbauers und Nutzfahrzeug-Herstellers gewann zuletzt allerdings nur noch 0,17 Prozent auf 29,35 Euro. Rolf Geck, Analyst bei der WGZ-Bank, bestätigte den Titel als "Outperformer". Das heißt, MAN-Papiere werden sich besser entwickeln als der Markt.

Die Lufthansa notierte unter allen Dax-Werten am schwächsten. Die Anteilsscheine fielen um 2,95 Prozent und schlossen mit 24,65 Euro. Das Unternehmen hatte über steigenden Passagierzahlen berichtet. Unter Gewinnmitnahmen litten SAP Vorzüge, sagte Christian Thormann, der Wertpapiere beim Bankhaus Conrad Hinrich Donner analysiert. SAP verloren 1,74 Prozent auf 186,00 Euro.

PopNet steigt nach Abschluss

Am Neuen Markt notierte die Hamburger Internet-Agentur PopNet mit einer Steigerung um 63,30 Prozent auf 14,55 Euro deutlich im Plus. PopNet hatte am Mittwoch einen weiteren Auftragsabschluss bekannt gegeben. Diesmal sollen sie für BMW ein neues Internetportal entwickeln. Das Auftragsvolumen soll im niedrigen einstelligen Millionenbereich liegen.

Bei den Einzelwerten überragten wie schon in den Vortagen die Aktien des Münchner Filmerechtehändlers Intertainment das Geschehen am Neuen Markt. Der Titel führte wieder die Gewinnerliste des Nemax 50 an und stieg bis zum Handelsschluss um satte 35,72 Prozent auf 19,53 Euro. Zum Schluss der vergangenen Woche notierte das Papier noch bei 5,25 Euro und hat somit exakt 272 Prozent seit Wochenbeginn hinzugewonnen. Händler begründeten diesen rasanten Anstieg mit großen Kauforders von institutioneller Seite. "Eine fundamentale Begründung für die Kursentwicklung habe ich derzeit nicht.

EM.TV erneut unter Beschuss

Ebenfalls für Wirbel sorgte am Donnerstag wieder einmal ein anderer Filmerechtehändler. Der einstige Börsenliebling EM.TV stand zum wiederholten Male in der Kritik von Aktionärsschützern. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) forderte die Ablösung des EM.TV-Vorstands um Firmengründer Thomas Haffa.

LetsBuyIt reiner Zockerwert

Die heftigsten Verluste mussten am Donnerstag die Aktionäre von LetsBuyIt.com einstecken. Die Aktie war zum Handelsschluss nur noch 27 Cents wert. Damit verlor der Wert erneut 41,30 Prozent. Das finanziell angeschlagene niederländische Unternehmen hatte am Mittwoch einen Anschlusskonkurs beantragt. Am Freitag nun ist ein Gerichtstermin anberaumt, ob bis dahin das Unternehmen einen Investor findet, sei mehr als fraglich, sagten Händler. Der Titel ist zu einem reinen "Zockerwert verkommen" und wird das gleiche Schicksal wie Gigabell erleiden. "Über kurz oder lang ist die Aktie wertlos", sagte Randel.

Im Devisenhandel wurde der Euro für 0,9440 US-Dollar gehandelt. Der Dollar kostete 2,0716 DM. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro auf 0,9404 (Mittwoch: 0,9396) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,0798 (2,0816) DM.



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