Börsenschluss Mit Verlusten ins Wochenende

Erst schlechte Nachrichten von US-Unternehmen, dann Luftangriffe auf den Südirak: Die deutschen Indizes haben sich mit deutlichem Minus ins Wochenende verabschiedet. Besonders für die T-Aktie war es eine bittere Woche.


Hamburg - Der Dax 30 schloss mit einem Minus von 2,3 Prozent bei 6439 Punkten. Der Nemax 50 fiel mit herben 6,59 Prozent Verlust auf 2299 Zähler, und der Nemax All Share büßte 4,8 Prozent auf 2387 Punkte ein. Nur der M-Dax fährt fort, dem Sog aus den USA tapfer Widerstand zu leisten. Der Index der Nebenwerte, die sich immer mehr zu einem Refugium für gestresste Anleger entwickeln, schloss nahezu stabil.

Davon kann in den USA keine Rede sein: Dow Jones (minus 1,3 Prozent) und die Technologiebörse Nasdaq (minus 5,6 Prozent) weiteten um 20 Uhr ihre Verluste aus. Die Meldung von gestiegenen Erzeugerpreisen schürt die Angst vor Inflation und senkt die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen. Zudem ließ die Nachricht von der eskalierenden Situation im Irak die Kurse weiter in den Keller rauschen. Die Nachricht von den Bombardements kam jedoch zu spät, um noch Einfluss auf den deutschen Handel zu nehmen.

Gewinner im Dax waren zum Handelsschluss die ehemaligen „Langeweiler“ Preussag, Adidas-Salomon und Linde mit einem Plus von jeweils 1,1 Prozent. Nach der Flut von Gewinn- und Umsatzwarnungen aus dem High-Tech-Sektor, zuletzt bei Nortel und Hewlett-Packard, flüchten Anleger in defensive Werte. Der Trend zur „Old Economy“ könnte sich in der kommenden Woche verstärken, wenn die Investmenthäuser an der Wall Street ihre Einschätzungen für den Technologiebereich weiter senken. Adidas profitierte außerdem davon, dass das Unternehmen vorerst weiterhin dem Eliteclub Dax 30 angehören darf. Für den Aufsteiger Post AG muss Karstadt im März den Platz räumen.

Die Schwäche bei den High-Techs bekam am Freitag vor allem Infineon zu spüren. Die Aktie des Halbleiterherstellers fiel um 4,3 Prozent auf 41,09 Euro und war damit drittschwächster Wert im Dax. Noch schwächer waren lediglich die Dresdner Bank (minus 4,5 Prozent) und die ehemalige Volksaktie der Deutschen Telekom mit satten 6,8 Prozent Kursverlust. Die Dresdner Bank präsentiert in der kommenden Woche die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres: Analysten gehen davon aus, dass die beiden Fusions-Pleiten mit Commerzbank und Deutscher Bank kräftig ins Kontor geschlagen haben. Die T-Aktie war zum Handelsende Schlusslicht im Dax: Mit 26,50 Euro ist die Deutsche Telekom auf einem 30-Monats-Tief angelangt. Um die Übernahme des US-Mobilfunkunternehmens Voice Stream nicht zu gefährden, muss ein dauerhafter Kursanstieg über 28 Euro her. Auch der Kurs von T-Online rutschte um 8,8 Prozent nach unten. Eine angebliche Content-Partnerschaft mit der Kirch-Gruppe hat das Unternehmen dementiert.

Am Neuen Markt gab es fast nur Verlierer: Im Nemax 50 schlossen lediglich Pfeiffer Vacuum und IDS Scheer leicht im Plus. Das Medienunternehmen Intertainment (minus 13 Prozent) und die Software-Schmiede Brokat (minus 15 Prozent) wurden nur noch von Adva Optical unterboten: Die Aktie verlor 20 Prozent auf 27,70 Euro. Der Netzwerkausrüster litt besonders unter der Umsatzwarnung von Nortel und fiel phasenweise auf ein neues Jahrestief. Adva hatte bereits am Mittwoch die Gewinnprognose gesenkt. Auch der Online-Broker Consors hätte sich einen besseren Wochenausklang gewünscht: Consors visiert eine Übernahme in Großbritannien an, doch die Aktie verlor dennoch 7,4 Prozent.

Die Freude bei EM.TV war nur von kurzer Dauer: Nach kräftigem Aufstieg am Donnerstag legten die Aktien am Freitag erneut den Rückwärtsgang ein. Ein Einspruch von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone stellt die Einigung zwischen der Kirch Gruppe und dem Münchner Rechtehändler in Frage. Außerdem ist EM.TV-Aufsichtsratsvorsitzender Nickolaus Becker zurückgetreten. Becker wolle eine "Neupositionierung des Unternehmens nicht belasten", hieß es. Der Vorsitzende galt immer als vehementer Gegner eines Kirch-Einstiegs, während EM.TV-Chef Thomas Haffa diesen befürwortete. Die Aktie gab um 6,7 Prozent auf 7,09 Euro nach.

Der Euro hat nach Bestätigung der Luftangriffe auf den Irak nachgegeben. Gegen 20.30 Uhr kostet die Devise in New York 0,9123 Dollar, nachdem sie zuvor bei 0,9150 Dollar notiert hatte. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 0,9113 Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 2,1462 Mark.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.