Börsenschluss MLP stürzt ins Bodenlose

Schwache US-Konjunkturdaten und drastische Kursverluste bei MLP drückten den Dax am Donnerstag in die Verlustzone. Technologiewerte litten unter Gewinnmitnahmen. Am Neuen Markt legte United Internet kräftig zu.


Hamburg - Belastet von schlechter als erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten haben die deutschen Standardwerte am Donnerstag schwächer tendiert. Die Aktien von MLP Chart zeigen brachen nach einem Bericht über angebliche Bilanzunregelmäßigkeiten in der Spitze um bis zu 20 Prozent an. Degussa Chart zeigen gingen als Tagessieger aus dem Handel. Der Dax fiel um ein halbes Prozent auf 5047 Zähler. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 1,1 Prozent auf 873 Punkte ab.

An der Wall Street zogen die US-Börsen wieder ein wenig an und ließen für den kommenden Handelstag hoffen. Der Dow Jones präsentierte sich um 20.15 Uhr 0,6 Prozent fester auf 10.304 Zähler. Der Nasdaq Composite schaffte mit 0,2 Prozent den Sprung in die Pluszone und notierte bei 1729 Punkten.

Nach drei Tagen mit steigenden Kurse warnte ein Großbank-Händler allerdings vor vorschnellem Optimismus. "Das Volumen ist nicht da. Ich würde noch nicht drauf wetten." Die Hoffnung auf einen freundlichen Verlauf habe die Indizes am Mittag zeitweise über den Vortagesschluss steigen lassen, sagte ein Händler. Besonders der überraschende Anstieg der Arbeitslosenzahl in den USA habe die Stimmung merklich gedrückt, ergänzte ein Kollege in Frankfurt.

Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA stiegen in der Woche zum 11. Mai im Vergleich zur vorangegangenen Woche auf 418.000 von 416.000. Experten hatten zuvor mit einem Rückgang auf 402.000 gerechnet. Außerdem stieg die Zahl der Arbeitslosen auf den höchsten Stand seit 19 Jahren. Damit haben die Hoffnung auf eine Erholung der US-Konjunktur einen Dämpfer erhalten.

Auf die Kurse drückte auch ein schwächer als erwarteter Philadelphia Fed-Index. Der Index für die Geschäftstätigkeit in den USA ist im Mai überraschend gefallen. Wie die Federal Reserve von Philadelpia am Donnerstag mitteilte, ist der Index verglichen mit dem Vormonat von 12,3 auf 9,1 Punkte zurückgegangen. Experten hatten hingegen mit einem Anstieg auf 12,9 Punkte gerechnet.

Nach kräftigen Verlusten in den vergangenen beiden Tagen haben die Aktien des Düsseldorfer Spezialchemiekonzerns Degussa Chart zeigen 5,86 Prozent auf 34,51 Euro hinzugewonnen und war damit stärkster Wert im Dax. "Es gibt mehrere große Käufer", sagte ein Händler einer Frankfurter Großbank. Das Interesse des Pharmaunternehmens Merck KgaA an der Übernahme der Degussa-Tochter Viatris habe spekulative Käufe ausgelöst, sagte ein Händler einer ausländischen Bank. Seit Wochenbeginn hätten deutsche Großbanken in hohem Umfang Stücke verkauft, fügte er hinzu.

Ein Aktienhändler in München schloss Kaufaufträge von risikofreudigen Hedgefonds nicht aus. Der Kurs habe eine wichtige charttechnische Marke von 32,80 Euro von unten nach oben durchstoßen. Weil der Wert vergleichsweise illiquide sei, führte die entstandene Nachfrage nun zu kräftigen Kursaufschlägen.

Der Aktienkurs von MLP Chart zeigen fiel zuletzt um knapp 16 Prozent auf 50,40 Euro. Die Aktie war damit mit Abstand der schwächste Wert im Dax. Auslöser der Talfahrt: Das Anlegermagazin "Börse Online" hatte berichtet, MLP habe mit geschickter Bilanzierung jahrelang hohe Gewinne ausgewiesen und zugleich Schulden außerhalb der Bilanz aufgebaut. MLP wies den Bericht umgehend zurück.

"Das Gerücht über unsaubere Bilanzierung wurde bereits die ganze Zeit unter der Hand gehandelt, und jetzt hat sich einer mal getraut, das zu schreiben", sagte ein Händler. Ein anderer Marktteilnehmer erklärte dagegen: "Wir denken nicht, dass das ein Problem ist, aber der Markt ist nicht glücklich damit." Alles, was Unsicherheit schüre, mache die Anleger misstrauisch, fügte er hinzu. Das Unternehmen hatte einen entsprechenden Bericht des Anlegermagazins "Börse-Online" scharf zurückgewiesen.

Am Tag der Hauptversammlung war die BMW Chart zeigen -Aktie gesucht. Mit einem Plus von 1,62 Prozent auf 46,95 Euro honorierten die Anleger die Bekräftigung einer optimistischen Absatzprognose für das laufende Jahr. Zudem will BMW aufgrund einer robusten Nachfrage für den Kleinwagen Mini die Produktion in England um 15 bis 20 Prozent erhöhen. Mit dem Ende der Hauptversammlung übergibt Joachim Milberg den Posten des Vorstandsvorsitzenden an den bisherigen Finanzchef bei BMW, Helmut Panke.

ThyssenKrupp profitieren von Analystenkommentaren

Nach positiven Analystenkommentaren haben Aktien des Stahlkonzerns ThyssenKrupp Chart zeigen um 2,53 Prozent auf 17,40 Euro zugelegt. Händlern zufolge hat die US-Investmentbank Goldman Sachs die Prognosen für das Ergebnis je Aktie für 2001/02 für den Titel von 0,24 auf 0,34 Euro hochgeschraubt. Zudem bestätigten die Analysten das Papier auf ihrer "Recommended List" (Empfehlungsliste). Nach Aussage eines Frankfurter Marktbeobachters stützte dies den Kurs.

Das Ergebnis vor Steuern dürfte Goldman Sachs zufolge im zweiten Quartal von 28 Millionen Euro im Vorjahr auf 103 Millionen Euro steigen. In der zweiten Jahreshälfte dürfte sich die Dynamik beim Ergebnis verbessern. Zudem werde das neue Management von ThyssenKrupp die Restrukturierungen vorantreiben. Der Konzern legt am 23. Mai die Quartalszahlen vor.

Positiv aufgenommen wurden am Markt die Quartalsergebnisse des Düsseldorfer Energiekonzerns Eon Chart zeigen . Die Aktie stieg um ein halbes Prozent auf 57,45 Euro. Eon steigerte den Gewinn im ersten Quartal 2002 um 46 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro.

Der Münchener Finanzkonzern Allianz Allianz Chart zeigen hat im ersten Quartal seinen Gewinn durch Sondererträge aus Anteilsverkäufen höher als erwartet gesteigert und zugleich ihre Prognosen für das Gesamtjahr bekräftigt. "Die Zahlen sehen gut aus, aber da sind auch Verkäufe dabei und die Ergebnisse von Bank und Versicherung sind zusammengefasst worden", sagte ein Händler. Das mache die Interpretation schwierig. "Es gibt daher allgemein die Sorge, dass das Ergebnis geschönt sein könnte." Allianz rutschten um 0,40 Prozent auf rund 259 Euro ab.

Für die Analystin Birgit Grüner von der Bankgesellschaft Berlin (BGB) war das Allinaz-Ergebnis "grundsätzlich keine Überraschung". Der Verkauf des Pakets von Mannesmann-Aktien habe das Ergebnis noch über den Konsens der Schätzungen steigen lassen. Positiv wertet die Analystin Verbesserungen im Versicherungsgeschäft. Die Dresdner Bank wird ihrer Einschätzung zufolge das Jahresergebnis des Konzerns belasten. Sie belässt das Anlageurteil auf "Halten". Auch bei ABN Amro bleibt man bei der Einstufung "Hold".

Infineon-Aktionäre nehmen Gewinne mit

Technologiewerte gaben einen Teil ihre Vortagesgewinne wieder ab. Infineon Chart zeigen verbilligten sich um rund zwei Prozent auf 19,91 Euro. "Das Papier hatte sich in den letzten Tagen sehr gut entwickelt, nun werden die Gewinne mitgenommen", sagte ein Händler aus Süddeutschland. Auch SAP Chart zeigen und Siemens Chart zeigen gaben mehr als ein Prozent ab.

Telekom plant offenbar doch massiven Stellenabbau

Die Aktie der Deutschen Telekom Chart zeigen verlor 1,92 Prozent auf 13,81 Euro. Tags zuvor hatte der Anteilsschein der Telekommunikationsgesellschaft auf Grund eines Presseberichtes über geplante Stellenstreichungen und Spekulationen über eine Beteiligung von Microsoft Chart zeigen an T-Online Chart zeigen < TOI.ETR > mehr als fünf Prozent hinzugewonnen.

Der Bonner Konzern will nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters ihren Personalbestand Unternehmenskreisen zufolge in den Jahren 2002 bis 2004 um jährlich rund 10.000 Stellen verkleinern und damit das bisherige Tempo beim Stellenabbau beibehalten. Für etwa die Hälfte der rund 265.000 Beschäftigten im Konzern greift jedoch bis dahin ein Kündigungsschutz. Damit setze sich das Tempo des Personalabbaus im Vergleich mit den vergangenen Jahre unverändert fort, hieß es. In den Projektionen für die maßgeblich aus der Festnetzsparte T-Com bestehende Telekom AG seien Personalzuwächse in anderen Konzernbereichen nicht berücksichtigt.



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