Börsenschluss SAP belastet den Dax

Hohe Kursverlusten bei den Technologietiteln drückten Dax und Nemax ins Minus. Besonders schlimm hat es wieder den Neuen Markt erwischt, wo ein weiteres Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Die defensiven Werte waren gefragt.


Frankfurt am Main - Der Dax ging mit einem Minus von 0,9 Prozent auf 6056 Punkten aus dem Handel. Am Neuen Markt rutschten die Kurse deutlicher: Der Nemax 50 gab 4,1 Prozent auf 1377 Zähler ab und fiel wieder unter die 1400-Punkte-Marke. Gegen den Abwärtstrend behaupteten sich die Nebenwerte. Mit einem Plus von 0,1 Prozent auf 4808 Punkte gewann der M-Dax leicht.

Mit Verlusten sind die Blue Chips an der Wall Street aus der verkürzten Handelssitzung gegangen. Im Vorfeld des US-Unabhängigkeitsfeiertages hätten die Gewinnwarnung des US-Chemiekonzerns DuPont und das endgültige Aus der Europäischen Kommission zu der Übernahme von Honeywell durch General Electric belastet, sagten Händler. Der Dow Jones schloss mit einem Minus von 0,2 Prozent knapp behauptet bei 10.568 Punkten. Die Nasdaq lag gegen Handelsschluss mit 2140 Punkten um 7,96 Zähler oder 0,4 Prozent niedriger.

Neben DuPont belastete auch die Gewinnwarnung von Broadvision sowie weitere Hiobsbotschaften aus der Branche. So hatten mehr als zwei Dutzend US-Technologieunternehmen am Montag nach Börsenschluss Gewinnwarnungen abgegeben. Am Dienstagmittag folgte dann der Software-Hersteller i2 Technologies.

Die Gewinnerliste im Dax wurde von defensiven Werten angeführt. Ganz oben notierte die "Aktie Gelb". Die Titel der Deutschen Post stiegen um 3,1 Prozent auf 19,49 Euro. Der Stahlkonzern ThyssenKrupp profitierte von der Meldung, dass jetzt auch in Mexiko und Italien lasergeschweißte Feinbleche für die Automobilindustrie herstellt werden sollen. Investoren honorierten die Nachricht mit einem Kursplus von 1,3 Prozent auf 15,77 Euro. Ebenfalls stärker präsentierten sich die Anteilsscheine von MAN (plus 2,2 Prozent auf 25,69 Euro) und Fresenius Medical Care (plus 1,5 Prozent auf 84,98 Euro).

Gegen die Kursschwäche bei den Techtiteln stemmten sich Infineon und Siemens. Während die Aktien des Mutterkonzerns nur moderat um 0,2 Prozent auf 73,28 Euro zulegten, gewannen die von Infineon 2,2 Prozent auf 29,12 Euro.

Schwächster Wert im Dax waren die Aktien des Softwareherstellers SAP, die 5,2 Prozent auf 156,65 Euro verloren. Das Unternehmen wurde von der Broadvision-Gewinnwarnung belastet. Zudem gaben die Walldorfer bekannt, ihren Anteil an der im Nemax 50 notierten Tochter SAP SI um sieben auf 60 Prozent zu erhöhen. Gleichzeitig mehrten sich Gerüchte, dass SAP seine Zahlen auf Grund der schwachen Konjunktur nicht halten könne. Der Softwarehersteller hatte seine Prognosen bisher eingehalten.

Die Titel der Chemiekonzerne BASF (minus 0,3 Prozent auf 46,65 Euro) und Bayer (minus 1,4 Prozent auf 46,44 Euro) litten unter der DuPont-Gewinnwarnung. Außerdem hatte das Investmenthaus Merrill Lynch die Gewinnerwartungen für die beiden Chemietitel reduziert.

Die Allianz-Aktie (minus 1,9 Prozent auf 336,11 Euro) litt ebenso wie die anderen Finanztitel unter Medienberichten, das Finanzministerium werde die geplante Steuerbefreiung bei Veräußerung von Kapitalbeteiligungen teilweise durch eine neue Gewerbesteuer aufweichen. Das Ministerium hat dieses Vorhaben jedoch dementiert. Händler sahen das Dementi des Ministeriums skeptisch und bezeichneten es als sehr weich. "Wo Rauch ist, ist auch Feuer", sagte ein Börsianer.

Die Aktie der Deutschen Telekom verlor 1,6 Prozent auf 27,11 Euro. Händler nahmen die Verluste bei der T-Aktie gelassen: Es sei normal, dass ein Kurs nach vorangegangenen Gewinnen irgendwann nicht mehr steige. "Telekom hatte bisher einen guten Run", sagte ein Händler. Außerdem hat die Telekom milliardenschwere Anleihen am Markt platziert.

Der Energiekonzern RWE hat sein vorläufiges Jahresergebnis vorgestellt. Das Betriebsergebnis habe um mehr als 35 Prozent zugelegt und der Umsatz 2000/01 sei um 29 Prozent auf 62 Milliarden Euro gewachsen, teilte der Konzern mit. Die Aktie, die bereits in der Vergangenheit den Versorgerindex übertroffen hat, ging dennoch schwächer aus dem Handel und verlor 0,7 Prozent auf 46,42 Euro.

M-Dax: Übernahmegerüchte um Hannover Rück

Im M-Dax waren die Aktien der Hannover Rück mit einem Plus von 5,2 Prozent auf 95,83 Euro oben in der Gewinnerliste. Der HDI-Konzern hat die am Züricher Aktienmarkt umlaufenden Gerüchte als "Unsinn" zurückgewiesen, wonach die Schweizer Rückversicherungs-Gesellschaft (Swiss Re) die Hannover Rück übernehmen wolle.

Die Aktien von Heidelberger Druck sind nach Vorlage der Geschäftszahlen mit einem Minus von 1,9 Prozent auf 57,50 Euro aus dem Handel gegangen. Anleger zeigten sich enttäuscht von dem Ausblick, den das Unternehmen ausgab. Künftig erwartet das Management ein schwächeres Wachstum.

"Endzeitstimmung" und neue Pleite am Neuen Markt

"Die Gewinnwarnungen aus den USA und die meist schlechten Nachrichten der Unternehmen verbreiten Endzeitstimmung", sagte ein Händler. Die Anleger seien sich bewusst, dass die Bereinigung des Marktes von nicht überlebensfähigen Unternehmen gerade erst beginne. Am Nachmittag wurde dann auch das Insolvenzverfahren von Infomatec aufgrund von Zahlungsunfähig eröffnet. Die Aktie stand mit rund neun Prozent im Minus bei 0,4 Euro, bevor der Handel gegen 17.30 ausgesetzt wurde. Nach Wiederaufnahme des Handels ging es erst richtig bergab. Die Kurserosion stoppte erst bei minus 40,9 Prozent – die Aktie war da nur noch 0,26 Euro wert.

Die Aktie von Broadvision setzte sich an die Spitze der Kursverlierer im Nemax 50, nachdem der Hersteller von Content-Management-Software vorläufige Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht hatte. Die Papiere brachen um 20,77 Prozent auf 4,73 Euro ein. "Rechnen Sie mal den Pro-Forma-Verlust pro Aktie, der in der Pflichtveröffentlichung angegeben wird, auf die Zahl der ausstehenden Aktien um", sagte ein Händler. "Im Ergebnis entspricht der Quartalsverlust dem Umsatz," fügte er hinzu. "Anschnallen, Pleitekandidat!", kommentierte er sein Rechenexempel.

Ganz oben notierten die Titel von Comroad, die sich um sechs Prozent auf 10,60 Euro verteuerten. Das Unternehmen profitierte von einem Auftrag über den Aufbau von zunächst sieben Telematik-Netzwerken in China. "Ich bin mal gespannt, ob die das auch bezahlt bekommen. Bisher haben die Asienpläne den meisten Unternehmen am Neuen Markt wenig Glück gebracht," sagte ein Händler.

Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist der Pennystock von Kabel New Media in den Händen der Zocker: Am Dienstag legte die Aktie um 7,7 Prozent auf magere 0,56 Euro zu. Der Konkurrent Pixelpark verlor. Die Anteilsscheine des Berliner Internet-Dienstleisters verbilligten sich um 6,6 Prozent auf 7,10 Euro.

Teldafax-Aktien notierten unverändert mit 0,23 Euro, nachdem die Marburger Telefongesellschaft beide Betreuerbanken verloren hatte. Die so genannten Designated Sponsors betreuen die Aktie im Handel und sind für eine Notierung am Neuen Markt zwingend vorgeschrieben.

Die Aktien der Kinowelt Medien verloren nach dem am Vortag von dem Filmrechtehändler beantragten Insolvenzverfahren über die Brameier Fanworld weitere 6,6 Prozent auf 2,39 Euro. "Trotz des Ausstiegs bleibt die finanzielle Lage sehr angespannt", sagte ein Analyst.

CE Consumer Electronic hat Anleger auf eine Gewinnwarnung vorbereitet: Vorstandschef Erich J. Lejeune sieht das größte Risiko für das Unternehmen in den USA und schließt deshalb eine Korrektur der Prognose für das laufende Geschäftsjahr nicht aus. Dies sagte er auf der Hauptversammlung am Dienstag vor mehr als 1000 Aktionären. Die Aktie steig dennoch um 0,1 Prozent auf acht Euro.

Euro wieder leicht gestiegen

Der Kurs des Euro ist gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8497 (Montag: 0,8455) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,3018 (2,3132) Mark. Am Abend gab die Währung wieder leicht ab und notierte gegen 20 Uhr mit 0,8478 Dollar.



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