Börsenschluss T-Aktie gibt deutlich nach

Nach einer Berg- und Talfahrt haben die deutschen Aktienmärkte uneinheitlich geschlossen. Der Dax wurde von Kursverlusten des Schwergewichts Deutsche Telekom belastet.


Frankfurt am Main –Der Dax ging mit einem leichten Plus von 0,1 Prozent auf 5220 Punkten aus dem Handel. Im Handelsverlauf markierte der Blue-Chip-Index dank positiver Konjunkturdaten im Ifo-Geschäftsklimaindex ein Tageshoch von 5322 Zählern. Deutliche Kursverluste des Börsenschwergewichts Deutsche Telekom zogen das Börsenbarometer jedoch wieder nach unten. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 nach einem unentschlossenem Handel 1,5 Prozent auf 1061 Punkte ab.

In den USA kletterten die Aktienmärkte nach dem Börsenschluss in Frankfurt wieder nach oben. Im späten Handel notierte der Dow Jones bei 10.231 Punkten, ein Plus von 0,6 Prozent. Die Nasdaq legte um 0,7 Prozent auf 1844 Zähler zu.

"Ifo sei Dank", begründete ein Händler in Frankfurt das moderate Plus im Dax. Der Juli-Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung ist überraschend von 89,5 auf 89,8 Punkte gestiegen. Damit gebe es Hoffnung, dass es um die Konjunktur nicht so schlecht steht wie befürchtet.

Nach einem guten Start sackte das Papier der Deutschen Telekom bis Handelsschluss um 4,7 Prozent auf 16,29 Euro ein. Zwischenzeitlich notierte die T-Aktie bei 16,21 Euro. Zuletzt hatte der Titel im Februar 1998 auf einem ähnlich niedrigen Niveau gestanden. Händler begründeten den neuerlichen Abschlag mit der Befürchtung, dass der Verkauf des TV-Kabelnetzes an den US-Investor Liberty Media in Gefahr sei. Liberty-Gründer John Malone habe Angst vor einem möglichen Veto durch die Kartellbehörden, sagte Robert Halver, Analyst bei Delbrück Asset Management. "Der Einstieg ist nun fraglich." Ein anderer Börsianer führte die Verluste auf Leerverkäufe im Vorfeld der am 1. September ablaufenden Haltefrist für T-Aktien aus der Voicestream-Übernahme zurück.

Mit einem deutlichen Plus von 3,4 Prozent auf 17,12 Euro schlossen die Papiere der Lufthansa. Die Fluggesellschaft hatte am Morgen wenig berauschende Quartalszahlen bekannt gegeben, jedoch an seinen Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr festgehalten. Börsianer vermuten, dass nun US-Investoren auf dem niedrigen Kursniveau einsteigen.

Der Heidelberger Finanzdienstleisters MLP verzeichnete ein Plus von 2,5 Prozent auf 71,47 Euro. Die Aktie hatte in der Vergangenheit drastische Verluste hinnehmen müssen. Auch die Aktien von Infineon, Siemens und Deutsche Post erholten sich und gehörten mit einem Plus zwischen 1,6 und vier Prozent zu den Gewinnern im Dax.

Autotitel profitierten vom positiven Geschäftsklimaindex sowie von der Nachricht, dass General Motors seinen Ausblick für das dritte Quartal bestätigt hat. DaimlerChrysler hatte zuvor erklärt, dass der Konzern trotz der gegenwärtigen konjunkturellen Schwäche in den USA einen "weiter relativ starken Kfz-Markt" erwartet. DaimlerChrysler-Titel kletterten um 1,7 Prozent auf 49,43 Euro. Die Papiere von BMW gewannen 1,3 Prozent auf 35,47 Euro, Volkswagen-Titel schlossen nahezu unverändert bei 48,50 Euro.

Die Aktien von MAN gaben nach einer Gewinnwarnung um 3,9 Prozent auf 24,08 Euro nach. Im Vergleich zum Vorjahr könne das operative Ergebnis um ein Drittel zurückgehen, berichtete das Unternehmen. Neben der rückgängigen Nachfrage nach Nutzfahrzeugen werde der Konzern durch die Bilanzfälschungen bei der britischen Tochter ERF erheblich belastet.

Neuer Markt verharrt im Stimmungstief

Trotz guter Konjunkturdaten und einer festen Nasdaq blieb der Neue Markt im roten Bereich. Der Aufwärtssog des Ifo-Geschäftsklimaindex habe nur kurz angehalten, sagten Händler. "Seit Monaten bekommen wir sporadisch optimistische Ausblick in die Zukunft, die sich bislang nicht erfüllt haben." Ein Händler der Commerzbank sieht kurzfristig keine Erholung: "Wir werden dennoch bis zum Herbst an der 1000-Punkte-Linie kleben."

"Noch immer besteht die Gefahr, dass der Nasdaq-100-Index auf seine Tiefststände vom März zurückfällt", sagte ein Händler. Sollte dies passieren, könnte auch der Nemax 50 unter 1000 Zähler fallen. Zudem stehe mit dem September ein traditionell schwacher Monat bevor.

Die Aktien des Telematik-Spezialisten Comroad schlossen drei Prozent stärker bei 7,83 Euro. Das Unternehmen hatte zuvor einen neuen Partner und einen Auftrag in zweistelliger Millionenhöhe gemeldet.

Thiel Logistik standen mit 5,8 Prozent auf 17,45 Euro im Plus. Das Unternehmen will am Donnerstag seine Halbjahreszahlen vorlegen. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass sich Thiel besser schlagen wird als D.Logistics. D.Logistics hatten gestern Gerüchte um eine Gewinnwarnung mit mehr als acht Prozent nach unten gerissen. Auch am Mittwoch gab die Aktie um weitere 6,4 Prozent auf 8,95 Euro nach. Größter Verlierer im Nemax 50 war Broadvision mit über elf Prozent Kursverlust.

Euro fällt wieder unter 92 Cent

Die Konjunktursorgen der US-Notenbank sowie der positive Ifo-Geschäftsklimaindex haben den Euro am Mittwoch beflügelt und kurzfristig über die 92-Cent-Marke gehoben. Die Gemeinschaftswährung verlor bis 21 Uhr jedoch wieder auf 0,9145 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Mittag auf 0,9216 (Dienstag: 0,9128) Dollar fest.



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