Börsenschluss T-Aktie im Rückwärtsgang

Trotz eines starken Dow hat der Dax im Minus geschlossen. Deutliche Zugewinne verbuchten nur die Tagessieger KarstadtQuelle und SAP. Am Neuen Markt riss im Fahrwasser der schwachen Nasdaq die Gewinnerserie.


Der Dax schloss am Dienstag mit einem moderaten Minus von 0,3 Prozent bei 6502 Punkten. Die Wachstumswerte am Neuen Markt konnten ihre zum Teil hohen Tagesverluste in einem regelrechten Schlussspurt verringern. Der Nemax-50 ging mit einem Minus von 1,6 Prozent aus dem Handel. Der M-Dax verlor 0,5 Prozent auf 4549 Stellen.

Tagesgewinner im Dax waren KarstadtQuelle, die sich um 4,95 Prozent verteuerten. Das sei eine technische Reaktion nach den vorherigen Verlusten, kommentierte Heiko Feber von der Berenberg Bank. Für zusätzliche Fantasie sorgten Details zur Übernahme der französischen Holding Afigest, die mehrheitlich an dem Versandunternehmen Afibel beteiligt ist. Der Konzernzweig Quelle hatte bekannt gegeben, dass der Kaufpreis für die 75-Prozent-Beteiligung an Afigest 43,1 Millionen Euro betrage.

Die T-Aktie - am Montag noch im Steigflug - fiel um 2,1 Prozent. Hier schlage negativ zu Buche, dass die Rating-Agentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit des niederländischen Konkurrenten KPN gesenkt habe, erklärte ein Händler. Außerdem komme der Einstieg der Telekom beim französischen Mobilfunkanbieter Bouygues nicht voran.

SAP Vorzüge klettern kräftig

Uneinheitlich präsentierten sich die Tech-Werte. Während Epcos um ein Prozent nachgaben, stiegen SAP Vorzüge um 4,9 Prozent. Siemens schlossen mit einem Abschlag von 1,4 Prozent.

Bei Tech-Aktien seien einige im Eigenhandel der Banken beschäftigte Händler vorsichtig geworden, sagte ein Händler. In der Nacht zum Mittwoch werden die Zahlen von Intel erwartet;Apple und Microsoft folgen. Bevor diese möglicherweise den Markt belasteten, hätte man Gewinne mitgenommen.

Wenig gefragt waren die Werte der "Old Ecomomy". So waren Preussag mit einem Minus von 3,9 Prozent unter allen Dax Titeln der schwächste. Auch die Anteilsscheine von Degussa-Hüls fielen um drei Prozent.

Neuer Markt: "Verluste kein Beinbruch"

Am Neuen Markt riss die Gewinnerserie. Fünf Handelstage in Folge schloss er im Plus, am Dienstag ging es erstmals wieder ins Minus. "Die Verluste sind kein Beinbruch", kommentierte Guiseppe-Guido Amato, Analyst des Brokers Lang & Schwarz. Nach einigen Gewinntagen in Folge seien Kursabschläge normal.

Insgesamt sei der Handelstag ruhig verlaufen, der Markt blicke wie so oft in Richtung Nasdaq. Dort werden die Zahlen des Chipherstellers Intel erwartet. Die anschließenden Reaktionen werde am Mittwoch das Geschehen auch an den deutschen Börsen bestimmen.

Schlechte Nachrichten für Mobilcom und Adori

Zu den größten Gewinnern im Nemax-50 zählte das Medienunternehmen Intertainment mit einem Plus von gut 31 Prozent auf 9,04 Euro. Das Papier profitierte laut Händlern weiterhin von einer Analyse des Investmenthauses Morgen Stanley, in der die Aktie als unterbewertet bezeichnet wurde. Der Titel notiert allerdings weiter in extremer Ferne zu von seinem 52-Wochen-Hoch, das bei 114,99 Euro liegt.

Hoch und runter ging es für Mobilcom. Das Unternehmen litt unter Gerüchten, dass UMTS-Ausrüster Ericsson seinen Vertrag nicht erfüllen will. Der Wert büßte 8,8 Prozent ein.

Unter Gewinnmitnahmen litten die Adori-Aktien, die 12,3 Prozent auf sechs Euro verloren. Erst am Freitag war der Titel um 155 Prozent gestiegen und trotzte auch am Montag den enttäuschenden Geschäftszahlen. Am Dienstag nun rieten die Analysten des Wertpapierhandelshauses Hornblower Fischer zum Verkauf der Aktien.

eJay dreht auf

Die Papiere des Anbieters von Musik-Software eJay kletterten um 53,9 Prozent auf vier Euro nach Bekanntgabe der vorläufigen Zahlen für das Jahr 2000. Der Umsatz stieg im Jahr 2000 nach Firmenangaben um 396 Prozent auf 10,7 Millionen Euro. Allein im vierten Quartal 2000 erwirtschafteten die Stuttgarter Rekordumsätze in Höhe von 5,4 Millionen Euro (Januar bis September 2000: 5,3 Mio. Euro). Der Verlust vor Zinsen und Steuern habe dagegen im Jahr 2000 bei 1,8 Millionen Euro gelegen, nach einem Vorjahresplus von 0,1 Millionen Euro.

Nach deutlichen Einbrüchen im Vormittagshandel konnte sich auch die Aktie von EM.TV wieder etwas erholen und notierte nur noch mit 0,8 Prozent auf 6,25 Euro im Minus. Erneut belasteten Presseberichte, wonach der Einstieg der Kirch-Gruppe beim angeschlagenen Münchner Filmrechtehändler stark gefährdet sei, den Kurs. Zudem gab EM.TV-Chef Thomas Haffa den Verkauf von 200.000 Aktien in Februar und damit den Verstoß gegen die vorgeschriebene Haltefrist zu.

Mit Verkäufen reagierten die Anleger auf die Geschäftszahlen von Comdirect. Der Titel büßte 8,9 Prozent ein. Die Online-Tochter der Commerzbank hatte Ende 2000 weniger Kunden als erwartet.

Wall Street: Dow stark, Nasdaq schwach

Kurz vor Handelsende weitet der Dow Jones sein Plus deutlich aus. Bis 21.47 Uhr MEZ verbessert er sich um ein Prozent bzw 106,9 Punkte auf 10.632. Der Nasdaq tendiert dagegen weiter im Minus und verzeichnet einen Abschlag von 0,6 Prozent auf 2610 Zähler.

Die Stimmung am Markt schwanke zwischen Pessimismus wegen der düsteren Aussichten und Optimismus in Erwartung weiterer Zinssenkungen durch die US-Notenbank, sagten Beobachter. Die Anleger seien außerdem zurückhaltend, weil etliche Unternehmen, darunter Intel und Advanced Micro Devices, ihre Zahlen nach Börsenschluss vorlegen werden.

Euro schwächelt

Die Gemeinschaftswährung wurde am Dienstagabend für 0,9402 Dollar gehandelt. Der Dollar kostete damit 2,0804 Mark. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 0,9412 (Montag: 0,9428) Dollar festgesetzt.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.