Börsenschluss T-Aktie zieht Dax in den Keller

Massive Verluste der Schwergewichte aus der Technologiebranche haben den Dax zum Wochenschluss in die Knie gezwungen. Die T-Aktie ist auf ein Rekordtief gefallen, Infineon-Papiere verloren über zehn Prozent.


Frankfurt am Main – Der Dax ist zum Wochenschluss mit einem deutlichen Minus aus dem Handel gegangen. Der Leitindex büßte 1,7 Prozent auf 4882 Punkte ein. Am Neuen Markt verabschiedete sich der Auswahlindex Nemax 50 mit einem Abschlag von drei Prozent auf 818 Punkten aus der Handelswoche. Der MDax, in dem die 70 mittelgroßen Standardwerte gelistet sind, verlor minimale 0,04 Prozent auf 4497 Zähler.

Die US-Börsen haben ihr Minus im Handelsverlauf ausgebaut. Der Dow Jones notierte zum Schlussgong in Frankfurt auf 9960 Punkten, ein Minus von 1,3 Prozent. Die Nasdaq fiel um zwei Prozent auf 1611 Zähler.

Auslöser der Talfahrt waren schlechte US-Konjunkturdaten. "Es findet eine Flucht aus Technologiewerten in eher defensive Aktien statt", sagte ein Aktienhändler mit Blick auf die drastischen Kursverluste bei Werten wie Infineon Chart zeigen oder Deutsche Telekom Chart zeigen . Der unklare Trend beim Konjunkturverlauf und die insgesamt in Europa verhaltene Ertragsentwicklung der Unternehmen lasteten weiterhin auf den deutschen Aktienmärkten, sagte Analyst Heinz Weyershäuser von der DZ Bank. Hinzu komme der bevorstehende Streik in der Metallindustrie als Belastungsfaktor.

Die US-Arbeitslosenquote ist nach Ministeriumsangaben im April auf sechs (Vormonat: 5,7) Prozent gestiegen. Das entspricht der höchsten Rate seit August 1994. Volkswirte hatten lediglich mit 5,8 Prozent gerechnet. Auch der Einkaufmanager-Index für den Service-Sektor des Institute for Supply Management blieb im April ebenso hinter den Erwartungen der Experten zurück.

T-Aktie auf Rekordtief

Die Aktien des Chipherstellers Infineon Chart zeigen verloren 10,7 Prozent auf 17,72 Euro. Epcos-Titel Chart zeigen brachen um 8,2 Prozent ein. Papiere der Deutschen Telekom Chart zeigen schlossen 6,7 Prozent schwächer auf einem Rekordtief von 12,80 Euro. Händler sagten, die angesichts der unsicheren Konjunkturentwicklung international schwache Entwicklung der Technologie-Werte belaste auch die deutschen Aktien. Bei der Telekom hatten Analysten zuletzt immer wieder auf das verlangsamte Wachstum und die Schuldenproblematik verwiesen.

Der Index für die europäische Telekommunikations-Branche hat in dieser Woche mehr als neun Prozent und rund ein Drittel seit Jahresbeginn eingebüßt. In London fiel am Freitag der Kurs der Vodafone-Aktien um knapp zehn Prozent, während in Helsinki Nokia-Anteilsscheine rund acht Prozent verloren. Vodafone, der europaweit größte Mobilfunkkonzern, hatte zuvor die Gewinn-Prognosen für seine Töchter in Deutschland und Italien deutlich gesenkt.

Volkswagen auf dem Vormarsch

Das Volkswagen-Papier Chart zeigen gewann 0,9 Prozent auf 54,29 Euro. Am Morgen hatte der Konzern die Bilanz des ersten Quartals offen gelegt und den Geschäftsausblick bestätigt. "Die Zahlen sind sehr gut ausgefallen", beurteilte Aktienhändler Chris Göttlicher von der Citibank die Marktreaktion. Die Aktien von BMW Chart zeigen und DaimlerChrysler Chart zeigen sind nach anfänglichen Gewinnen ins Minus gedreht.

Henkel-Titel Chart zeigen verteuerten sich indes um 2,9 Prozent auf 74,95 Euro. "Henkel wird am Montag Zahlen vorlegen und profitiert von Investoren, die sich aus Techs zurückziehen und stattdessen defensive Werte suchen", sagte Aktienhändler Mirko Gajdic von der Helaba in Frankfurt.

Schering-Aktien Chart zeigen gewannen 0,5 Prozent auf 66,50 Euro. Vor Börseneröffnung hatte das Berliner Pharmaunternehmen den Kauf des Krebsmittels Leukine von dem US-Konkurrenten Immunex bekannt gegeben. Schering zahlt nach eigener Auskunft für die Transaktion 380 Millionen Dollar. "Der Kauf ist positiv zu bewerten", sagte Stefan Buchholz von der DZ Bank. Mit dem Kauf des Medikaments übernimmt Schering auch die laufenden Entwicklungen (klinische Phase II) in der angestrebten neuen Indikation "Morbus Crohn". Hier schätzt Schering das Umsatzvolumen von Leukine zwischen 300 und 500 Millionen Euro. Wegen dieser Erwartung sei auch der hohe Kaufpreis gerechtfertigt, sagte Buchholz. Auch andere Händler reagierten positiv auf den Erwerb. "Der Markt nimmt den Kauf positiv auf", sagte ein Hamburger Händler.

Die Aktien der Deutsche Bank Chart zeigen gewannen 1,7 Prozent auf 75,75 Euro hinzu. "Es ist neue Fantasie in den Wert gelangt", sagte Aktienhändler Marc Treibisch von der UBS Private Banking in Frankfurt. Vorstand Josef Ackermann wolle sich mit der Wiedereinbeziehung der Privatkundensparte Deutsche Bank 24 gegen eine Übernahme durch die US-Bank Citibank wappnen: "Die Amerikaner sind nur am Investmentgeschäft interessiert. Mit der Bank 24 zusammen will sie keiner mehr haben", sagte der Händler.

Rösch weiter auf Höhenflug

Im Nemax stachen die Papiere des Berliner Medizintechnikers Rösch Chart zeigen hervor, die ihren Aufwärtstrend vom Vortag fortführten und um weitere 16,6 Prozent auf 6,24 Euro anzogen. Am Donnerstag hatte Rösch mitgeteilt, die Kassenzulassung für ein System nadelfreier Spritzen erhalten zu haben.

Für Turbulenzen sorgte die Aktie der Beteiligungsgesellschaft Gold Zack Chart zeigen im MDax. Ein offenbar fingiertes Übernahmeangebot katapultierte den Aktienkurs bei hohen Umsätzen um mehr als 80 Prozent auf 1,49 Euro. Nachdem sich die Offerte als Finte entpuppte, fiel der Kurs genauso steil wieder ab. Zum Börsenschluss notierte das Papier nur noch 1,3 Prozent über dem Vortagesschlusskurs bei 0,81 Euro.



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