Börsenschluss US-Konjunkturdaten bremsen die Talfahrt

Die deutschen Aktienmärkte haben den ersten Handelstag nach Ostern nach einer kräftigen Talfahrt mit einem halbwegs versöhnlichen Ergebnis beendet. Die Wall Street präsentierte überraschend freundliche Vorgaben.


Frankfurt am Main – Der Dax ging nach Einbußen von 1,1 Prozent mit 5935 Zählern und der Nemax-50 nach einer erheblich stärkeren Abgabe von 4,1 Prozent mit 1494 Punkten aus dem Handel. Der M-Dax mit den Nebenwerten schlug sich deutlich besser und verbuchte ein Minus von nur 0,2 Prozent auf 4544 Punkte. Damit hat der jüngste Aufschwung an den deutschen Aktienmärkten vorerst sein Ende gefunden.

Analysten und Händler sahen die Ursache für die wieder schwächeren deutschen Börsen in den unbefriedigenden Vorgaben der US-Technologiewerte. Cisco und Intel hatten negative Nachrichten veröffentlicht, Philips und Ericsson in Europa zogen nach.

"Cisco hat die Rallye der vergangenen Woche kaputt gemacht", hieß es. Der US-Netzwerkhersteller Cisco Systems hatte am Montag nach US-Börsenschluss mitgeteilt, für sein drittes Quartal 2000/01 (per Ende April) mit einem deutlich geringeren Gewinn als von Analysten erwartet und einem Umsatzrückgang im Vergleich zum zweiten Quartal von etwa 30 Prozent zu rechnen.

Am Nachmittag verbesserte sich indes die Stimmung am Markt ein wenig, nachdem die US-Aktienmärkte weniger pessimistisch als erwartet auf die Unternehmenszahlen von Cisco reagiert hatten. Die Technologiebörse Nasdaq erholte sich von ihren Kursabschlägen zu Handelsbeginn und notierte bei Börsenschluss in Frankfurt nahezu unverändert bei 1908 Zählern. Der Industriewerte-Index Dow Jones gab um 0,4 Prozent auf 10.118 Punkte nach.

Hier überwogen Börsianern zufolge die am Nachmittag veröffentlichten US-Konjunkturdaten die negativen Unternehmensnachrichten. "Die Konjunkturzahlen wurden recht positiv interpretiert", sagte Frederik Altmann, Analyst bei Hornblower Fischer. Es sei weiterhin kein Preisdruck vorhanden, gleichzeitig sei aber die Wachstumsperspektive der Wirtschaft besser als erwartet ausgefallen.

Die US-Industrieproduktion war im März erstmals seit September überraschend um 0,4 Prozent nach einem Rückgang von 0,4 Prozent im Februar gestiegen. Analysten hatten für März dagegen einen leichten Rückgang erwartet. Die wie erwartet leicht gestiegenen Verbraucherpreise bestätigten nach Analysteneinschätzung am Dienstag, dass sich die US-Währungshüter derzeit keine Sorgen über Inflation machen müssen. Die US-Verbraucherpreise stiegen im März nach Angaben des US-Arbeitsministeriums um 0,1 Prozent zum Vormonat nach einem Anstieg um 0,3 Prozent im Februar.

Deutliche Verluste bei den Technologiewerten

In Frankfurt führten Siemens-Aktien mit Abschlägen von 4,8 Prozent auf 120 Euro die Verliererliste an, dicht gefolgt von der T-Aktie, die 3,7 Prozent auf 27,59 Euro verlor. Epcos-Aktien gaben 2,5 Prozent auf 65,34 Euro ab, Infineon-Titel verbuchten ein Minus von 1,6 Prozent und schlossen bei 46,30 Euro.

In diese Technologie-Phalanx drangen lediglich Münchener Rück ein, die unter Verkaufaufträgen eines britischen Großanlegers litten und sich um 3,5 Prozent auf 319,45 Euro verbilligten.

Angesichts der negativen Stimmung im Technologiebereich schichteten zahlreiche Anleger in Pharma und Chemie um, wovon vor allem Schering und Henkel profitierten. Sie verteuerten sich um 2,5 Prozent auf 57,25 Euro und 2,1 Prozent auf 70,38 Euro. Schering profitierte von einer Heraufstufung der Investmentbank Merrill Lynch.

Noch besser schlugen sich nur E.on mit einem Plus von 3,3 Prozent auf 57,57 Euro, nachdem Gerüchte über eine Fortsetzung der Einkaufstour aufgetaucht waren.

Telekomwerte am Neuen Markt unter Druck

Am Neuen Markt geriet insbesondere der Telekommunikationssektor unter Verkaufsdruck. Die Titel von Primacom und Pandatel verloren jeweils mehr als neun Prozent, Mobilcom gaben um mehr als elf Prozent nach.

Im Nemax-50 setzten Comroad ihren Sturzflug fort. Der Telematik-Anbieter brach auf Grund der bereits vor Ostern umgehenden Gerüchte über unsaubere Geschäftsbeziehungen und die mögliche Konkurrenz solcher Unternehmen wie BMW um 32,4 Prozent auf 10,65 Euro ein. Dagegen gewann der Internet-Dienstleister Pixelpark nach einer Achterbahnfahrt kräftig dazu. Am Vormittag auf Grund von Gewinnmitnahmen noch mit zehn Prozent im Minus, ging die Aktie mit einem stolzen Plus von 30,6 Prozent auf 13,01Euro aus dem Handel.

Gegen den Abwärtstrend am Neuen Markt konnten sich auch die Papiere von Fantastic behaupten. Die Aktien des Software-Unternehmens aus dem Schweizerischen Zug legten 6,8 Prozent auf 1,25 Euro zu. Zuvor war eine Kooperation mit dem Zweiten Deutsche Fernsehen (ZDF) bekannt geworden: Das ZDF und das Software-Unternehmen werden bei der Einführung interaktiver terrestrischer TV-Dienste kooperieren. Danach plane der TV-Sender, Fernsehprogramme mit interaktiven Multimedia-Zusatzdiensten über die Softwareplattform von Fantastic zu verbinden und über digitale terrestrische Fernsehnetze in Deutschland zu verbreiten. Das Projekt solle noch in diesem Jahr anlaufen, hieß es in dem Bericht weiter.

Euro etwas stärker

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro am Dienstagmittag auf 0,8791 Dollar fest. Im Vergleich zur Mark verteuerte sich die amerikanische Währung damit von 2,2102 auf 2,2248 Mark. An den Devisenmärkten kostete der Euro am Abend 0,8801 US-Dollar.



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