Börsenschluss Verschnaufpause im Dax

Gewinnmitnahmen und vor allem Kursabschläge bei Techwerten haben den Dax am Dienstag kräftig ins Minus gedrückt. Charttechniker begrüßten gar die Verluste. Der Index hole womöglich Anlauf für einen mittelfristig anhaltenden Aufwärtstrend. Auch die Wall Street notierte leichter.


Frankfurt - Nach den deutlichen Vortagesgewinnen haben die Standardwerte am Dienstag ihren Erholungskurs vorerst gestoppt. Der Dax schloss am Dienstag 3,9 Prozent leichter auf 3155 Punkte. Am Neuen Markt fiel der Nemax 50 um 0,6 Prozent auf 440 Zähler. An der Wall Street belasteten die Umsatzwarnung des Technologiekonzerns Texas Instruments und Herunterstufungen von Finanzwerten. Der Dow gab zu Handelsschluss in Frankfurt 1,8 Prozent auf 8385 Punkte nach. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite, präsentierte sich 2,1 Prozent leichter auf 1282 Zähler.

In Frankfurt führten Technologie- und Einzelhandelswerte die Verliererliste im Dax an. Marktteilnehmer sagten, der düstere Geschäftsausblick des US-Chip-Herstellers Texas Instruments sowie die Prognosereduzierung des Schweizer Elektronikkonzerns ABB Chart zeigen drückten die Kurse der deutschen Technologiefirmen in die Verlustzone. Aber auch Gewinnmitnahmen kurzfristig orientierter Anleger hätten die Kurse unter Druck gebracht.

Dax kämpft mit seinem Wendepunkt

"Wir sind derzeit in einer interessanten Situation, in der sich entscheiden kann, wie sich der Dax in den kommenden Monaten bis ins nächste Jahr hinein entwickelt", sagte Holger Galuscke von der SEB. Er rechne mit einem zunächst rückläufigen Dax, der auf bis zu 2944 Stellen sinken könne. Dies sei nach den massiven Kursgewinnen der vergangenen Tage allerdings "gesund". Sollte das Börsenbarometer nun den technischen Widerstands bei nachhaltig 3266 Zählern überwinden, könne der Aktienmarkt in eine mittelfristige Aufwärtsbewegung einschwenken.

In den vergangenen zwei Wochen hat der Dax bereits rund 30 Prozent zugelegt. Nur wenig Einfluss auf die Börse hatte indes das von den führenden Wirtschaftsforschungsinstituten vorgelegte Herbstgutachten zur Konjunkturentwicklung im Lande.

Infineon und Epcos geben kräftig ab

Die Aktien des Chip-Produzenten Infineon Chart zeigen rutschten um knapp neun Prozent auf 8,25 Euro ab. Die Titel von Epcos Chart zeigen büßten mehr als zwölf Prozent auf 9,40 Euro ein und waren damit schwächster Wert im Dax. Texas Instruments hatte am Vorabend mit dem Ergebnis zum abgelaufenen Quartal die Analystenerwartungen getroffen. Im laufenden Quartal werde das Unternehmen bei Ergebnis und Erlös jedoch klar unter den Markterwartungen liegen, hieß es. Der Ausblick belaste die Technologie-Aktien, sagte ein Händler.

Zudem hatte am Vorabend der Elektronikkonzern ABB seine Ertragsprognosen für das laufende Jahr gesenkt und angekündigt, die mittelfristigen Gewinnziele überprüfen zu wollen. In Zürich halbierten sich die ABB-Aktien daraufhin.

SAP Chart zeigen-Aktien rutschten um mehr als sieben Prozent auf 73,50 Euro und zählten damit zu den schwächsten Werte im Dax.

Unter Gewinnmitnahmen litten die Papiere der Einzelhandelskonzerne Metro Chart zeigen und KarstadtQuelle Chart zeigen. Während KarstadtQuelle mehr als vier Prozent abgaben, fielen Metro-Titel um knapp sieben Prozent auf 20,81 Euro. "Die Metro-Aktie ist in den vergangenen Tagen von 17 auf 22 Euro gestiegen und nun realisieren einige Leute ihre Gewinne", sagte ein in London ansässiger Metro-Analyst.

Merrill Lynch stuft Bankensektor ab

Im Minus lagen zudem die Aktien der Banken im Dax. Deutsche Bank Chart zeigen, HypoVereinsbank Chart zeigen und Commerzbank Chart zeigen büßten zwischen 3,30 und 5,50 Prozent ein. Die Investmentbank Merrill Lynch hatte am Dienstag den europäischen Bankensektor auf "Neutral" von "Overweight" zurückgestuft. Merrill-Analyst Stuart Graham begründete den Schritt mit dem langsamerem Wirtschaftswachstum sowie dem unsicheren Ausblick für die Finanzmärkte, die das Risiko des Sektors erhöhten.

Ohne unmittelbaren Einfluss auf das Marktgeschehen blieb indes das Herbstgutachten der führenden Wirtschaftsinstitute. Demnach bewerten die Forscher den steuer- und finanzpolitischen Kurs der rot-grünen Regierung als wachstumsbremsend. Für das laufende Jahr rechnen die meisten Institute nur noch mit einem Wachstum von 0,4 Prozent und für 2003 mit 1,4 Prozent. Damit wurden die ursprünglichen Prognosen deutlich gesenkt. Die Schätzungen seien bereits an der Börse eingepreist und keine Überraschung, sagte dazu HSBC-Aktienstratege Volker Borghoff. Händler ergänzten jedoch, die relativ gute Stimmung am Markt werde durch die vorgelegten Prognosen ein wenig eingetrübt.

Lufthansa und MLP unter den wenigen Gewinnern

An der Dax-Spitze notierten Aktien von MLP Chart zeigen fort. Die Titel des Finanzdienstleisters verteuerten sich um 5,40 Prozent auf 14,55 Euro, nachdem sie bereits am Montag knapp zehn Prozent gewonnen hatten. Analysten sagten, MLP werde vermutlich doch nicht wie zuvor lange diskutiert aus dem Dax herausfallen. Händler sprechen zudem seit Tagen von einer anhaltenden Erholung nach den dramatischen Kursverlusten seit dem Frühjahr von zeitweise mehr als 90 Prozent.

Zu den wenigen Gewinnern zählten auch die Papiere der Lufthansa Chart zeigen, die um zwei Prozent auf 11,35 Euro zulegten. Sie profitierten von der Genehmigung des Verkaufs des Lufthansa-Anteils am Expressdienst DHL an die Deutsche Post Chart zeigen durch die EU-Kommission, sagten Händler.

Im MDax stiegen Jenoptik Chart zeigen um knapp zehn Prozent auf 11,02 Euro. Händler berichteten von steigendem Kaufinteresse größerer Adressen. Fundamentale Gründe dafür seien nicht bekannt. Das charttechnische Potenzial liege zunächst bei zwölf Euro, hieß es.

Der Euro ist am Dienstag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9768 (Montag: 0,9748) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0238 (1,0259) Euro. Gegen 20.30 Uhr wurde der Euro mit 0,9793 Dollar gehandelt.



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