Börsenschluss Wall Street zieht den Dax hoch

Schwache US-Konjunkturzahlen haben wieder Zinssenkungsphantasien aufkommen lassen und die Börse beflügelt. Die T-Aktie hat ihre Verluste deutlich reduzieren können.


Frankfurt am Main – Der Dax schloss rund 1,2 Prozent höher auf 5861 Punkten, nachdem er sich über weite Teile des Tages ohne klaren Trend präsentiert hatte. Am Neuen Markt stieg der Nemax 50 um 2,5 Prozent auf 1259 Zähler. In den USA tendierten die Aktienmärkte kurz vor Börsenschluss in Frankfurt fester. Der Dow Jones legte um 1,6 Prozent, die Nasdaq um 1,8 Prozent zu.

Am Nachmittag hatte in den USA das Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board einen Rückgang des Verbrauchervertrauens für den Monat Juli mitgeteilt, der unter den Erwartungen der Analysten lag. So sank das Vertrauen der US-Verbraucher im Juli auf 116,6 nach revidiert 118,9 (117,9). Analysten hatten einen leichten Rückgang von der unrevidierten Vormonatszahl auf 117,5 prognostiziert.

Allerdings gab das Institut auch einen über den Erwartungen liegenden Anstieg bei den Konsumentenausgaben für langlebige Güter bekannt, was Händler in den USA für den freundlichen Trend der US-Börsen verantwortlich machten. In Deutschland verwiesen Börsianer allerdings auf die Gesamtschau der am Nachmittag vorgelegten US-Zahlen, die ein negatives Szenario für die US-Wirtschaft bot.

"Die Zahlen gehen aber mehr zurück als erwartet und signalisieren, dass die US-Wirtschaft weitere Probleme bekommt", sagte Aktienhändler Schmidt zu den Daten. "Im Markt rechneten Teilnehmer nun damit, dass auf dem nächsten Treffen des Offenmarktausschusses der Fed (FOMC) am 21. August die Zinsen stärker gesenkt würden als bislang erwartet. "25 Basispunkte sind eingepreist, jetzt könnten es sogar 50 werden. Das Beispiel Japan hat aber gezeigt, dass Zinssenkungen kein Allheilmittel sind."

Nach den ebenfalls am Dienstag veröffentlichten Daten stiegen die US-Einkommen und Verbraucherausgaben im Juni etwas stärker an als erwartet. Die US-Verbraucher gaben dem US-Handelsministerium zufolge noch 0,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum aus. Analysten hatten lediglich mit einem Zuwachs der Verbraucherausgaben um 0,3 Prozent gerechnet.

Die T-Aktie stand in Frankfurt im Mittelpunkt des Börsengeschehens und verringerte ihre Verluste bis zum Handelsschluss auf ein Minus von 1,2 Prozent bei 25,45 Euro. Zuvor war das Papier auf 24,85 Euro gefallen. Händler begründeten die Verluste zum Teil mit Gewinnmitnahmen. Andererseits hätte der Markt aber auch den angestiegenen Schuldenberg des Konzerns negativ bewertet. Die Schulden der Deutsche Telekom sind auf knapp 69 Milliarden Euro angestiegen. Damit steigt die Zinslast und drückt in Zukunft auf Ergebnis und den Cash Flow. Jenseits aller Bilanzkosmetik muss vor allem dies jedem Investoren missfallen. Die West LB hat die Deutsche Telekom von "Kaufen" auf "Outperformer" zurückgestuft und das Kursziel gesenkt. Die Analysten erwarten in Zukunft geringere Gewinne.

Die Telekom habe nach Ansicht von Werner Stäblein, Analyst bei der BHF-Bank, "lediglich zwei aussagekräftige Zahlen" vorgelegt, nämlich zum Umsatz und zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern, und Abschreibungen (Ebitda) von der Mobilfunk-Sparte T-Mobile. Das Ebitda von T-Mobile sei "sehr gut" ausgefallen, besser als von Stäblein erwartet. Einschränkend meinte der Experte, dass die Bilanz vorläufig sei. Interessanter sei, was die Telekom am 28. August präsentiert, weil dann die Ergebnisse aller Geschäftsbereiche aufgeschlüsselt würden. "Die Zahlen von heute sind nur Stückwerk", gab sich der Analyst vorsichtig. "Man sollte sich da vor Kaffeesatzleserei hüten."

Deutlich positiv bewertete der Markt dagegen die Geschäftszahlen von Metro. Die Anteilsscheine gewannen 4,9 Prozent auf 44,88 Euro. Der Wert führte damit die Gewinnerliste im Dax an. Der Umsatz des Handelskonzerns stieg um 5,8 Prozent auf 23,1 Milliarden Euro (45,2 Milliarden Mark). Das Ergebnis vor Zinsen und Ertragssteuern (Ebit) wuchs um 10,9 Prozent auf 206,4 Millionen Euro.

Händler beschrieben die Zahlen für das zweite Quartal als erfreulich. "Sie liegen am oberen Ende der Erwartungen", sagte ein Händler von M.M. Warburg. Entsprechend werde das Ergebnis von den Anlegern honoriert. Zudem hätten die Aktien in den vergangenen Tagen etwas schwächer notiert.

Fresenius Medical Care hat im ersten Halbjahr 2001 das Ergebnis nach Steuern im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent auf 116 Millionen Dollar gesteigert. Der Umsatz konnte um 16 Prozent auf 2,36 Milliarden Dollar erhöht werden. Die Zahlen lagen etwa im Rahmen der Erwartungen. Nach einem schwachen Handelsstart arbeitete sich die Aktie um 1,4 Prozent auf 89,69 Euro vor.

Neuer Markt weiter auf Erholungskurs

Nachdem der Neue Markt in den vergangenen Handelstagen rund 20 Prozent zulegen konnte, legte die Wachstumsbörse am Dienstag nochmals zu. Trotz der deutlichen Kurserholung blieben Händler jedoch weiterhin skeptisch und warnten vor zuviel Euphorie. Noch sei keine erkennbare Trendwende auszumachen, das Rückschlagpotenzial weiterhin hoch.

Der Aufschwung dürfte nicht nachhaltig sein, sondern sei eher eine technische Reaktion, sagte ein Händler. "Es geht mit kleinen Stücken aufwärts, aber da steckt kaum Volumen dahinter."

Die Aktien von Heyde gewannen 12,2 Prozent auf 2,67 Euro, nachdem das angeschlagene Unternehmen durch den Verkauf von Software-Töchtern 25 Millionen Euro einnehmen wird. "Das können die gut gebrauchen", sagte ein Händler. Wie das Kerngeschäft gelaufen sei, könne man aber erst nach den Quartalszahlen sehen.

Nachdem sich die ersten Erfolge der Restrukturierung des Softwareunternehmen Ixos abzeichnen, stiegen die Aktien um mehr als 23 Prozent auf 8,35 Euro und führten die Nemax-50-Gewinnerliste an. Das Unternehmen hatte zuvor die Rückkehr zu schwarzen Zahlen gemeldet.

Singulus-Titel drehten am Nachmittag ins Plus und gingen mit einem Plus von 10,7 Prozent auf 26 Euro aus dem Handel. Der Hersteller von Produktionsanlagen für optische Speichermedien hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen Rückgang bei Umsatz und Ergebnis verzeichnet und die Analystenerwartungen verfehlt. Allerdings blickt der Vorstand optimistisch in die Zukunft, weshalb sich die Kursabschläge in Grenzen hielten.

Umweltkontor setzten ihren positiven Vortagestrend fort und standen mit zwölf Prozent auf 48,20 Euro im grünen Bereich. Der Dienstleister für erneuerbare Energien hatte am Vortag gute Geschäftszahlen für das erste Halbjahr abgeliefert. So wurde etwa der Umsatz um 200 Prozent gesteigert. Analysten erwarten weiterhin hohe Wachstumsraten.

Die Aktien der insolventen Metabox knüpften an ihren Höhenflug vom Montag an und gewannen über 70 Prozent auf 1,05 Euro. Das Unternehmen hatte bekannt gegeben, das Kapital der Gesellschaft durch Ausgabe von einer Million Aktien zu je einem Euro aus dem genehmigten Kapital gegen Bareinlagen erhöhen zu wollen.

Die Aktie von Kabel verteuerte sich um satte 100 Prozent auf allerdings nur magere 0,42 Euro.

Euro kaum verändert

Der Kurs des Euro hat sich am Dienstag nahezu unverändert präsentiert. Marktbewegende Meldungen habe es nicht gegeben, sagten Händler. Um 20 Uhr notierte die Gemeinschaftswährung behauptet bei 0,8747 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 0,8755 (Montag: 0,8751) Dollar festgesetzt. Die US-Währung kostete damit 2,2340 (2,2350) Mark.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6143 (0,6136) Pfund, 109,30 (109,45) Yen und 1,5102 (1,5114) Schweizer Franken fest.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.