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03. Dezember 2001, 08:00 Uhr

Börsenwoche

Die Kurse steigen - aber warum?

Nach Ansicht der Börsianer wird die gute Stimmung auch in dieser Woche anhalten. Gründe dafür können allerdings die wenigsten ausmachen.

Frankfurt am Main - Kaum ein Händler zweifelt derzeit daran, dass es mit den Kursen weiter aufwärts geht. Jeder hoffe auf einen Konjunkturaufschwung im nächsten Jahr und es sei viel Geld da, das angelegt werden wolle, so die grobe Linie in den Stimmen auf dem Parkett. Dennoch beginnen sich viele Marktteilnehmer ernsthaft Sorgen zu machen, dass negative Signale sofort für einen Stimmungsumschwung sorgen könnten.

Die eingeleitete Konsolidierung der vergangenen Woche nach Bekanntgabe eines rückläufigen US-Verbrauchervertrauens habe gezeigt, dass die Anleger wieder mehr Wert auf fundamentale Nachrichten legen, so eine Einschätzung. In der kommenden Woche werden in den USA zwei entscheidende Konjunktur-Frühindikatoren veröffentlicht: am Montag der Nationale Einkaufsmanagerindex und am Freitag die US-Arbeitslosenzahlen. Und viele befürchten, dass sie schlechter ausfallen werden als erwartet.

Hierzulande steht in der kommenden Woche an Unternehmensterminen der Dax-Werte nur die Bilanzpressekonferenz des Siemens-Konzerns an. Am Donnerstag werden die Börsianer aber nicht so sehr auf die Zahlen für das dritte Quartal des Münchener Technologiekonzerns schauen, die hat das Unternehmen bereits im November vorläufig veröffentlicht. Aber die Anleger warten gespannt auf Aussagen zur künftigen Geschäftsentwicklung. Außerdem lädt auch Porsche am Mittwoch zur Pressekonferenz.

"Die Märkte wollen grundsätzlich nach oben und nehmen deshalb positive Nachrichten auch sehr viel stärker auf als negative", lautet die Einschätzung eines Frankfurter Händlers. Dennoch hätten sich die Kurse in den vergangenen Wochen immer mehr von den wirtschaftlichen Fakten entfernt. Und auch wenn die Börse die erwartete konjunkturelle Erholung vorwegnehmen möchte, kann sie sich nach Angaben des Experten nicht immer den schwachen Konjunktur- und Unternehmensmeldungen entziehen.

Vor allem kurzfristig orientierte Anleger würden die starken Kurssteigerungen der vergangenen Wochen zu Gewinnmitnahmen nutzen. "Und das könnte auch in den kommenden Handelstagen zu spürbaren Kursrückschlägen führen", sagte der Händler. Zwar würden die Tiefststände vom 21. September höchst wahrscheinlich nicht mehr getestet, "doch ist eine, im übrigen markttechnisch sehr gesunde, Konsolidierung bis 4.700 Punkte im Dax zu erwarten".

"Der Markt braucht erste Anzeichen dafür, dass die Trendwende auch tatsächlich bevorsteht, damit die Kurs weiter steigen können", sagte ein anderer Händler. Ein solches Zeichen könne bereits kommende Woche von Seiten der Halbleiterproduzenten kommen. Denn die Chipindustrie nimmt traditionell die wirtschaftliche Entwicklungen im Technologiesektor vorweg. So war sie auch die erste die von der Wirtschafsflaute betroffen war.

Am Donnerstag wird der US-Chiphersteller National Semiconductor seine Quartalszahlen vorlegen und dabei auch einen Ausblick für das vierte Quartal liefern. "Diese Daten könnten besser ausfallen als erwartet", so die Einschätzung von DZ-Bank-Analysten. Insbesondere deshalb, weil die Preise für DRAM Speicherchips in den vergangenen 14 Tagen zeitweise um bis zu 40 Prozent zulegen konnten. Auch die Äußerungen des Prozessor-Herstellers Intels die eigenen Prognosen im vierten Quartal erreichen zu können, stimmt die Experten hoffnungsvoll.

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