SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

13. Juni 2006, 18:44 Uhr

Börsenzittern

Dax rutscht auf Sieben-Monats-Tief

Ausverkauf am deutschen Aktienmarkt: Anhaltende Zinssorgen und miese Vorgaben aus Japan und den USA haben die Kurse erneut auf Talfahrt geschickt. Der Dax sackte unter die Marke von 5300 Zählern.

Frankfurt am Main - Anfang Mai notierte das wichtigste deutsche Börsenbarometer noch bei 6127 Punkten – das Jahreshoch. Heute ging der Dax dagegen mit 5292 Punkten aus dem Handel – ein Minus von 1,92 Prozent im Vergleich zum Vortagsschluss. Das ist der tiefste Stand seit Dezember 2005.

Der MDax gab um 3,55 Prozent auf 7282,08 Zähler nach und der TecDax verlor 3,73 Prozent auf 593,98 Punkte – erstmals seit Jahresbeginn fiel er damit unter die 600er-Marke. Nach Einschätzung von Beobachtern könnte der seit vergangener Woche anhaltende Abwärtstrend an den internationalen Börsen sich noch eine Weile fortsetzen.

Kursschock in Tokio: Die asiatischen Märkte rutschten besonders deutlich ab
REUTERS

Kursschock in Tokio: Die asiatischen Märkte rutschten besonders deutlich ab

"Ich glaube, dass es noch weiter abbröckelt. Erst wenn wieder neue gute Unternehmenszahlen zum ersten Halbjahr kommen, dürfte es wieder nach oben gehen," sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Während die Aktienmärkte in der Vergangenheit nur die positiven Nachrichten zur Kenntnis genommen hätten, habe sich der Trend jetzt umgekehrt, obwohl sich fundamental nichts geändert habe. Die Unternehmensdaten seien gut, und die Konjunkturdaten wiesen nach oben.

Zugleich betonte der Aktionärsschützer: "Die Situation ist nicht mit 2001 vergleichbar". Damals waren die Börsenkurse nach der vorangegangenen Rallye ins Bodenlose gefallen. Zu Zeiten der New Economy hätten den Kursanstiegen keine entsprechenden Renditen der Unternehmen gegenüber gestanden. Dies sei jetzt anders, "die Unternehmen verdienen kräftig Geld". Eigentlich seien Aktien derzeit viel zu billig, meinte Kurz.

Die Postbank erklärte, die jüngsten Kurskorrekturen zeigten, dass die europäischen Börsen nicht immun seien gegen aktuelle Marktrisiken. Dennoch schätzen die Experten die Perspektiven langfristig weiterhin gut ein. "Die Titel sind moderat bewertet. Wir rechnen auch in den kommenden Jahren mit soliden Gewinnzuwächsen der Unternehmen", erklärte Chefvolkswirt Marco Bargel. Die größten Risiken für europäische Aktien sieht die Postbank vor allem in einem weiteren sprunghaften Anstieg der Rohstoff- und Energiekosten, einer kräftigen Euro-Aufwertung oder stark steigenden Zinsen.

Renten-Index legt zu

Die stärksten Verluste im Dax musste Bayer mit minus 5,7 Prozent hinnehmen. Der Konzern hatte im Übernahmekampf um Schering Bereitschaft signalisiert, sein Angebot für das Berliner Pharmaunternehmen aufzustocken. Die Schering-Aktie legte um 1,3 Prozent zu. Zu den großen Verlierern gehörten auch Deutsche Börse und Commerzbank , die jeweils mehr als fünf Prozent abgaben.

Der Euro in Dollar zeigte sich gegenüber dem Dollar nahezu unverändert. Der Referenzkurs der Gemeinschaftswährung wurde mit 1,2571 Dollar festgesetzt nach 1,2572 Dollar am Vortag. Der Rentenindex Rex legte 0,30 Prozent auf 117,97 Punkte zu.

In den USA versuchten die Anleger dagegen ihre Zinssorgen zu vergessen und freuten sich über leicht sinkende Ölpreise. Der Dow Jones Index legte in den ersten Handelsstunden leicht 0,09 Prozent auf 10.802,25 Zähler zu.

Heftig erwischte der Ausverkauf die asiatischen Börsen, insbesondere den japanischen Nikkei -Index. Er sackte bis Handelsschluss um 4,14 Prozent auf 14.218,60 Zähler - es war der stärkste prozentuale Verlust an einem Handelstag. Die Kurse in Südkorea sackten um 2,9 Prozent auf den niedrigsten Stand seit sechs Monaten, in Australien ging es um 2,6 Prozent abwärts.

itz/AP

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung