Böses WM-Omen Verdacht der Bilanzfälschung bei Goleo-Hersteller

Wenn das kein schlechtes Omen für die Weltmeisterschaft ist: Einer Zeitung zufolge wurde beim insolventen Hersteller des WM-Maskottchens Goleo, der oberfränkischen Nici AG, ordentlich bei den Bilanzen getrickst.


München – Mit Luftbuchungen und fingierte Rechnungen seien die Bilanzen der insolventen Nici AG offenbar über einen längeren Zeitraum poliert worden, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Auf entsprechende Hinweise seien Wirtschaftsprüfer gestoßen. Die Fehlbeträge könnten sich auf zweistellige Millionensummen addieren, schreibt das Blatt. Heute hätten Staatsanwälte und Polizeibeamte sechs Objekte, darunter die Nici-Zentrale im oberfränkischen Altenkunstadt sowie das Privathaus des geschassten Vorstandschefs Ottmar Pfaff, durchsucht.

WM-Maskottchen Goleo: Luftbuchungen und falsche Rechnungen
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WM-Maskottchen Goleo: Luftbuchungen und falsche Rechnungen

Die Vermarktung des WM-Maskottchens Goleo wird aber trotz des Insolvenzverfahrens des Spielwaren-Herstellers aufrechterhalten. Bei den ersten intensiven Gesprächen mit Banken, Kunden und Lieferanten der zahlungsunfähigen Nici AG seien die Grundlagen für die Fortführung des Betriebes gelegt worden, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé mit. Parallel dazu hätten potenzielle Investoren ihr Interesse an einem Einstieg in die Firma angemeldet. Unabhängig davon soll aber weiter an einem Sanierungskonzept für Nici gearbeitet werden.

"Wir registrieren von Kundenseite einen großen Zuspruch und auch die Mitarbeiter, die wir in einer Betriebsversammlung informiert haben, stehen weiter zum Unternehmen", betonte Jaffé. Die 576 Beschäftigten hätten für drei Monate Anspruch auf Insolvenzgeld als Ersatz für ausstehende Löhne und Gehälter. Damit das Geld pünktlich ausbezahlt werden könne, werde in Absprache mit der Agentur für Arbeit nach einer Möglichkeit gesucht, die Beträge über eine Bank zwischenzufinanzieren.

Jaffé kündigte an, auch die Hintergründe der Insolvenz aufzuklären: "Es ist eine Sonderprüfung der Zahlungsströme veranlasst worden." Mit einem Ergebnis sei frühestens in einigen Wochen zu rechnen. Berichte aus Branchenkreisen, Nici habe für die Lizenz zur Herstellung von Goleo rund 28 Millionen Euro bezahlt und sei unter anderem so in die Pleite getrieben worden, bezeichnete ein Sprecher des Insolvenzverwalters aber als falsch. Die Summe sei "definitiv zu hoch". Es handle sich um einen einstelligen Millionenbetrag. Nici hatte die Lizenz vom Münchner Unternehmen EM.TV erworben.

Ase/ddp/dpa



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