Boom 2007 Deutsche Wirtschaft wird Europas Wachstums-Lokomotive

Deutschlands Wirtschaft entpuppt sich als überraschend stark. Der wichtigste Konjunkturindex legt deutlich zu, Deutschland hat die Delle zu Jahresbeginn überwunden - die Wirtschaft dürfte nun sogar stärker wachsen als der gesamte Euro-Raum.


Mannheim/Kiel - Die mittelfristigen Konjunkturerwartungen von Analysten und institutionellen Investoren haben sich weiter verbessert. Der entsprechende Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stieg von 2,9 Punkten im Februar auf 5,8 Punkte. Das teilte das ZEW heute in Mannheim mit. Es war der vierte Anstieg in Folge - Volkswirte hingegen hatten im Schnitt eine Stagnation bei 2,9 Punkten erwartet.

Maschinenbau im badischen Müllheim: "Nachlassende Auftragseingänge aus dem Ausland"
DPA

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"Die deutsche Wirtschaft befindet sich weiterhin auf Expansionskurs, und die Nachfrage nach Arbeit steigt", erläuterte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. So hätten sich die inländischen Auftragseingänge trotz der Mehrwertsteuererhöhung im Januar weiter stabil gehalten. Auch habe sich die Stimmung unter den Konsumenten dank guter Arbeitsmarktdaten beruhigt.

"Nachdenklich stimmen allerdings nachlassende Auftragseingänge aus dem Ausland, die als Anzeichen für eine beginnende nachlassende weltweite Nachfrage interpretiert werden können", erklärte das ZEW. Ein weiteres Konjunkturrisiko sei der Ölpreis. Insgesamt liegt der Index weiterhin unter dem historischen Mittelwert von 33,2 Punkten.

Die Bewertung der aktuellen Lage hat sich laut ZEW erstmals seit Juni 2005 verschlechtert. Der entsprechende Indikator sei um 1,7 auf 69,2 Punkte gesunken. Diese Entwicklung hatte sich bereits im Februar mit einer nachlassenden Dynamik angedeutet: Der Indikator war nur geringfügig um 0,3 Punkte auf 70,9 Punkte gestiegen.

Der ZEW-Konjunkturindikator gilt als ein wichtiger Stimmungsindikator der deutschen Wirtschaft. Für ihn werden regelmäßig rund 300 Analysten und institutionelle Anleger zu ihren Erwartungen und zur Einschätzung der aktuellen Lage befragt.

2,7 Prozent Wachstum im Euroraum

Überraschend gute Zahlen legte heute auch das als konservativ geltende Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel vor. Die Wissenschaftler hoben ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum des Euroraums in diesem und im nächsten Jahr an. Für 2007 erwartet das Institut nun ein Wachstum des realen Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 2,7 Prozent. Bisher lag die Prognose bei lediglich 2,3 Prozent. Für 2008 erhöhten die Forscher ihre Annahme von 2,1 auf 2,2 Prozent.

Besonders erfreulich: Das Wachstum in Deutschland wird nach Angaben des IfW höher ausfallen als im gesamten Euro-Raum.

Erst gestern hatte das Institut für die Bundesrepublik ein Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von 2,8 Prozent prognostiziert. Im Verlauf des kommenden Jahres werde der Aufschwung allerdings an Fahrt verlieren, auch weil die Geldpolitik leicht bremse. Nach der IfW-Prognose wird die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins in diesem Jahr auf 4,25 Prozent anheben und dann 2007 und 2008 auf diesem Niveau belassen. In ihrem Bericht sagen die Wissenschaftler zudem einen Anstieg der Verbraucherpreise im Euro-Raum um 1,7 Prozent in diesem und um 1,9 Prozent im nächsten Jahr voraus.

Europa lässt USA hinter sich

Optimistisch ist das Kieler Institut auch für die Weltwirtschaft. Im Jahr 2007 dürfte sie um 4,7 Prozent wachsen. Bisher war das IfW nur von 4,4 Prozent ausgegangen. Für das Jahr 2008 erwartet das IfW ebenfalls ein Wachstum von 4,7 Prozent. Das wäre allerdings weniger als im vergangenen Jahr, als die Weltwirtschaft noch um 5,1 Prozent gewachsen war.

Das Konjunkturgefälle zwischen den großen Industrieländern bleibt laut IfW vorerst bestehen. Während die gesamtwirtschaftliche Kapazitätsauslastung in den USA bis in das kommende Jahr hinein weiter zurückgehe, setze sich der Aufschwung in Japan und in der Europäischen Union fort.

Schon am Wochenende hatte der Internationale Währungsfonds Deutschland einen stabilen Aufschwung vorhergesagt - und eine Umfrage unter Mittelständlern ergab, dass diese so zuversichtlich sind wie schon lange nicht mehr.

wal/ddp/AP/dpa-AFX



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