Etikettenschwindel in Frankreich Fälscherbande verkaufte billigen Wein als Bordeaux

Es war eine Drogenrazzia im vergangenen Herbst, die die französischen Fahnder auf die richtige Fährte brachte: Neben illegalen Stoffen fanden sie Weinetiketten und Zusatzstoffe zum Panschen. Nun wurden elf mutmaßliche Fälscher festgenommen.
Weinglas in Leognan, Frankreich: Falscher Tropfen

Weinglas in Leognan, Frankreich: Falscher Tropfen

Foto: REGIS DUVIGNAU/ REUTERS

Die französische Polizei hat einen großangelegten Etikettenschwindel mit Bordeaux-Wein aufgedeckt und elf Verdächtige festgenommen. Die Tatverdächtigen sollen minderwertigen Wein aus anderen Regionen Frankreichs und aus Spanien mit dem Etikett eines vertrauenswürdigen Bordeaux-Weins versehen und über Zwischenhändler im In- und Ausland verkauft haben, teilte die Staatsanwaltschaft in Bordeaux mit.

Palettenweise sollen die Flaschen dabei auch zu niedrigeren Preisen an Einzelhandelsketten geliefert worden sein. Der Drahtzieher des großen Schwindels, bei dem es um viele Hunderttausende Flaschen ging, soll der Inhaber eines Weinguts im Médoc in der Weinbauregion Bordeaux gewesen sein.

Drogenrazzia führte zu falschen Etiketten

Ins Rollen kamen die Ermittlungen, als Fahnder bei einer Drogenrazzia im Herbst auf Material zum Fälschen von Etiketten und Zusatzstoffe zum Verfälschen von Weinen stießen. Zugleich tauchten in einer anderen Region gefälschte Weine auf. Der Inhaber eines Weinguts schlug Alarm, dass sein Wein unter falschem Etikett vertrieben werde. Anfang der Woche rückten dann rund hundert Polizisten an und setzten die mutmaßlichen Beteiligten des Schwindels in verschiedenen Regionen Frankreichs fest.

Der falsche Bordeaux sei unter anderem an große Supermärkte und ins Ausland verkauft worden, hieß es aus Justizkreisen. Die Fälscher hätten sich auf mittelteure Bordeaux-Weine spezialisiert, die einfacher zu fälschen seien als die höherwertigen Grand-Cru-Weine.

Mit dem eingestrichenen Geld sollen die Täter ihren Lebenswandel sowie von illegalen Arbeitskräften vorgenommene Renovierungsarbeiten finanziert haben. »Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten, hoffen wir, dass die Täter schwer bestraft werden, denn solche Praktiken schaden dem Image der Bordeaux-Weine«, erklärte ein Verband von Bordeaux-Winzern.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, das Médoc liege unweit der Weinbauregion Bordeaux. Tatsächlich liegt es in der Region. Wir haben die Stelle korrigiert.

rai/dpa
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