Angst vor Erdbeben und Bodenabsenkungen Mehrere Inseln klagen gegen Erdgasförderung vor Borkum

Deutschland und die Niederlande wollen im Wattenmeer Erdgas fördern. Doch nun haben mehrere Inseln und Umweltverbände Klage gegen das Vorhaben eingereicht – sie fürchten schwere Umweltfolgen.
Insel Borkum: In der Nähe soll künftig Gas gefördert werden

Insel Borkum: In der Nähe soll künftig Gas gefördert werden

Foto: Hero Lang / ddp

Mehrere Nordseeinseln und ein Bündnis um die Deutsche Umwelthilfe haben Klage gegen die Pläne für die umstrittene Erdgasförderung in der Nordsee eingereicht. Es geht dabei um ein Vorhaben nahe der Insel Borkum im Grenzgebiet zu den Niederlanden. Die Klage haben die Parteien bei der Verwaltungskammer eines Gerichts in Den Haag eingereicht.

Inseln und Umweltverbände fürchten durch die Bohrungen unter anderem Umweltfolgen für die Ostfriesischen Inseln, die Nordsee und den nahe gelegenen Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Borkum klagt gemeinsam mit den Nachbarinseln Juist und Norderney.

Laut Borkums Bürgermeister Jürgen Akkermann (parteilos) sei die Stimmungslage auf der Insel mehrheitlich gegen das Vorhaben des niederländischen Unternehmens One-Dyas. Angesichts der momentanen Energiekrise sei eine Klage genau abgewogen worden. Eine Mehrheit im Verwaltungsausschuss der Stadt habe sich aber für die Klage ausgesprochen. Die Sorgen vor unkalkulierbaren Gefahren für die Umwelt und die Inseln überwiege die voraussichtlich lange Zeitspanne der Gasförderung.

Neben möglichen Folgen für die Natur und Meereslebewesen fürchten die Insulaner, dass es infolge der Bohrungen ähnlich wie auf dem niederländischen Festland zu Erdbeben und Bodenabsenkungen kommen könnte. »Dies bedroht auch den so essenziellen Tourismus auf den Inseln sowie deren Autarkie der Trinkwasserversorgung«, teilte die Stadt mit.

Umweltverbände kritisieren zudem, dass das Vorhaben die Abhängigkeit von fossilem Gas verlängern werde. »Mit Energiesicherheit haben die Pläne nicht das Geringste zu tun: Frühestens ab 2024 soll eine geringe Menge an fossilem Gas gefördert werden«, sagte Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. »Dagegen entsteht mit dem Bau einer neuen Plattform in der Nordsee eine neue Infrastruktur, die unsere langfristige Abhängigkeit von fossiler Energie noch vergrößern wird.«

Die niederländische Firma One-Dyas will Erdgas aus einem Feld zwischen den Inseln Schiermonnikoog (Niederlande) und Borkum fördern. Das Gasfeld erstreckt sich sowohl auf niederländische wie auf deutsche Hoheitsgewässer.

Genehmigung auf deutscher Seite steht noch aus

Auf niederländischer Seite hatten die Behörden Anfang Juni grünes Licht für die Förderung gegeben. Nach Angaben des zuständigen Wirtschaftsministeriums in Den Haag wurden die möglichen Effekte auf die Umwelt untersucht. Die vorgelegten Pläne erfüllten alle Vorbedingungen. Dennoch seien die Auflagen wegen der Bedenken von Umweltschützern verschärft worden, hieß es damals.

Eine Genehmigung für die Förderung auf niedersächsischer Seite, die laut One-Dyas frühestens Ende 2024 beginnen kann, steht noch aus. Dazu läuft zurzeit ein Planfeststellungsverfahren. Niedersachsens Landesregierung hatte unter dem Eindruck der Energiekrise durch den Ukrainekrieg kürzlich einen ursprünglichen Beschluss gegen die Produktion rückgängig gemacht.

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) hatte erst vergangene Woche eine Erklärung mit One-Dyas über die Erdgasförderung unterzeichnet. Der stellvertretende Ministerpräsident hatte gesagt, das Projekt solle helfen, die Energieversorgung abzusichern.

»Das wenige Gas aus dem Watt hilft uns nicht in den zwei anstehenden Wintern, aber verfestigt dauerhaft eine Förderstruktur für alte fossile Energien«, sagte hingegen Christian Mayer, Fraktionsvize der Grünen im niedersächsischen Landtag. Die Grünen hatten sich von Anfang an gegen die Erdgasförderung ausgesprochen und unterstützen die Klagen der Umweltverbände und Inseln.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war ein Foto der Insel Juist zu sehen. Wir haben das Foto ausgetauscht.

hej/dpa-AFX
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