Klagen und Ermittlungen Bosch gerät in den Sog der Dieselaffäre

Dem Zulieferer Bosch droht erheblicher Ärger im Abgasskandal. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt wegen Verdachts auf Beihilfe zum Betrug. Und ein gefürchteter US-Anwalt hat eine neue Sammelklage eingereicht.

Bosch-Werbung in Stuttgart
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Vor Steve Berman zittert die Autoindustrie. Der Rechtsanwalt aus Seattle vertrat bereits Tausende von Autobesitzern und Hunderte von Händlern. Er war beteiligt an Sammelklagen, die zu den höchsten Zahlungen der US-Wirtschaftsgeschichte geführt haben - darunter der 10-Milliarden-Dollar-Vergleich mit Volkswagen. Nun hat Berman einen neuen Gegner ausgemacht: den Autozulieferer Bosch aus Gerlingen bei Stuttgart. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Heft 22/2017
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"Aus unserer Sicht war Bosch ein williger Teilnehmer in dem Skandal", sagte Berman gegenüber dem SPIEGEL. Fast alle manipulierten Autos hätten eines gemeinsam: "Sie waren mit Software ausgerüstet, die Bosch entwickelt hat."

"Bosch war ein aktiver und wissender Teilnehmer des Plans"

Am Donnerstag reichte der Anwalt in Detroit eine Sammelklage gegen den US-Konzern General Motors (GM) ein. Die Firma Bosch wird darin ebenfalls als Beschuldigte aufgeführt: Das Unternehmen soll die infrage stehenden GM-Modelle Silverado und Sierra mit Motorsoftware ausgestattet haben. "GM handelte nicht allein", heißt es in der 184-seitigen Klageschrift. "Bosch war ein aktiver und wissender Teilnehmer des Plans, die US-Abgasvorschriften zu umgehen."

Durch Bermans Initiative nimmt der Druck auf Bosch weiter zu. In Deutschland hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart im Zuge der Ermittlungen gegen Daimler ein Verfahren gegen Bosch-Mitarbeiter eingeleitet: wegen Verdachts auf Beihilfe zum Betrug. Zuvor hatte die Behörde bereits im Fall Volkswagen gegen Bosch-Manager ermittelt.

Auch im Rahmen einer Klage des US-Generalstaatsanwalts gegen Fiat-Chrysler wird die Rolle von Bosch als Lieferant und Partner beleuchtet. Fiat-Chrysler habe häufig mit Bosch über die Feinabstimmung der Motorensoftware beraten.

Die Folgen für den Zulieferer sind noch unklar. Im Fall VW hat sich Bosch mit den US-Behörden bereits auf die Zahlung von rund 300 Millionen Euro geeinigt. Wegen der Belieferung von Fiat-Chrysler, GM und Daimler könnten nun weitere Zahlungen drohen. Bosch hat insgesamt 1,1 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten zurückgestellt.

Zu laufenden Verfahren will der Zulieferer keine Stellung nehmen. Bosch unterstütze die Ermittlungen und kooperiere uneingeschränkt mit den zuständigen Behörden, sagte ein Sprecher.

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
paula_f 26.05.2017
1. Bosch Chef Denner verordnete Vorrang für Eigenentwicklungen
Herr Denner dürfte im Moment wohl gut daran tun nicht in die USA zu reisen. Auch seine Werbeanzeigen für TTIP sind mittlerweile obsolet. Die Führungsstrukturen von Bosch, BMW, Mercedes, VW und den anderen werden immer ähnlicher und immer autokratischer. Aufgrund der Vorgabe vom Chef nur noch alles selbst zu entwickeln ging man bei Bosch dazu über fremdes geistiges Eigentum nicht mehr zu achten, externe Erfinder und Entwickler und kleinere Firmen werden verschaukelt und kopiert, und da wo etwa amerikanische Investmentfirmen dahinterstecken traut man sich das nicht. CEEO ein Batterie Entwickler wurde deshalb gekauft - weil die einfache Verordnung nun alles selbst entwickeln zu wollen wohl doch nicht die entsprechenden Ergebnisse bringen. Bosch erwirbt sich gerade den Ruf sehr unfair mit geistigem Eigentum anderer umzugehen - genau das war aber nicht die Aufgabe die Robert Bosch seinen Nachfolgern zugedacht hatte.
taipan61 26.05.2017
2. ???
Das weiss man schon lange das die geforderten Abgasnormen kaum zu erreichen sind. Aber die Politiker beschliessen einfach etwas und ihre Berater gehen über Leichen. Wäre es nicht klüger echte Euro 3 Fahrzeuge zu haben die auch wirtschaftlich noch vertretbar sind (nicht noch Sprit für die Abgasnachbehandlung brauchen wie die Euro 6) und Zeitgleich auf Fahrzeuge mit Brennstoffzelle (Wasserstoff) innert einer Zeit umzustellen? Siehe Coop-Schweiz, dort hat diese Zukunft schon begonnen! Schadstoffloser Transport von Waren! Die Ölmultis haben ungerechtfertigte Ängste, sie müssten nur pö a pö auf Wasserstoff in Ihrem Tankstellennetz umstellen. Schmierstoffe benötigen wir ja weiterhin. Aber das ganze Emmisionstheater wäre beigelegt und unsere Stromkonzerne wüssten wohin mit ihrem Strom...nämlich Wasserstoff produzieren. Genauso könnte man den dort machen wo ich viel Strom habe (Windparks) und der Vertrieb mittels Pipeline wie heute halt das Öl oder Erdgas.
cindy2009 26.05.2017
3. Lobby
Zitat von taipan61Das weiss man schon lange das die geforderten Abgasnormen kaum zu erreichen sind. Aber die Politiker beschliessen einfach etwas und ihre Berater gehen über Leichen. Wäre es nicht klüger echte Euro 3 Fahrzeuge zu haben die auch wirtschaftlich noch vertretbar sind (nicht noch Sprit für die Abgasnachbehandlung brauchen wie die Euro 6) und Zeitgleich auf Fahrzeuge mit Brennstoffzelle (Wasserstoff) innert einer Zeit umzustellen? Siehe Coop-Schweiz, dort hat diese Zukunft schon begonnen! Schadstoffloser Transport von Waren! Die Ölmultis haben ungerechtfertigte Ängste, sie müssten nur pö a pö auf Wasserstoff in Ihrem Tankstellennetz umstellen. Schmierstoffe benötigen wir ja weiterhin. Aber das ganze Emmisionstheater wäre beigelegt und unsere Stromkonzerne wüssten wohin mit ihrem Strom...nämlich Wasserstoff produzieren. Genauso könnte man den dort machen wo ich viel Strom habe (Windparks) und der Vertrieb mittels Pipeline wie heute halt das Öl oder Erdgas.
Diese "Berater" werden auch durch die Automobil-Lobby vertreten!
discprojekt 26.05.2017
4. Also,
mit Wissmann hat sich die Auto- Lobby nur kurzfristig einen Gefallen getan. Solche Leute basteln ein theoretisches Konzept, denn vom wahren Leben haben sie wenig Ahnung. Aber eben gute Kontakte bis in die politische Spitze.
weber.hans1 26.05.2017
5. Dann
kann Deutschland sich ja nun die Milliarden gezahlte Strafe über GM locker wiederholen. Aber Merkel wird kneifen; wie immer.
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