Bouygues-Telekom-Chef UMTS ist ersetzbar

Lange Zeit galt UMTS als der Inbegriff zukunftsweisender Mobilfunktechnik. Inzwischen aber werden die ersten Zweifel an der Wundertechnik laut.


[M] REUTERS/SPIEGEL ONLINE

Cannes - Bouygues Telecom, der mit fünf Millionen Kunden drittgrößte Anbieter Frankreichs geht inzwischen davon aus, dass die meisten Dienstleistungen auch mit einer technisch verfeinerten Version des herkömmlichen GSM-Standards angeboten werden können - und zwar zu einem Bruchteil der Kosten für Lizenzen und Ausrüstung.

"Die UMTS-Technik ist nicht mehr unverzichtbar für Anwendungen - weder für Live-Videos noch für den drahtlosen Internetzugang", sagte der Verwaltungsrats-Vorsitzende Martin Bouygues.

Mit dieser Ansicht steht er nach einem Bericht des "Wall Street Journal Europe" (WSJE) nicht allein. Auch andere Industriefachleute stellen die Zahlung Dutzender Milliarden Dollar für UMTS-Lizenzen in Frage stellen. "80 Prozent der vom UMTS-Standard erwarteten Dienstleistungen können auch mit einem erweiterten GSM-Standard erbracht werden", sagt zum Beispiel Fraser Curley, Mobilfunkexperte der Unternehmensberatung Arthur D. Little. Für die gefragtesten Dienste - etwa die Übertragung von E-Mails - sei die bisherige Mobilfunkgeneration durchaus geeignet.

Damit werden zum ersten Mal Zweifel an der Unverzichtbarkeit der UMTS-Technologie selbst laut. Gerade in den USA werden diese Stimmen mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt, denn dort treffen die meisten Mobilfunkbetreiber gerade die Entscheidung über ihre Mobilfunk-Zukunft.

Im vergangenen Jahr noch hatten die enormen Summen für Aufsehen gesorgt, die Konzerne für Lizenzen bezahlt hatten. Bei der Auktion in Großbritannien etwa steigerten die Bewerber bis zu einem Höchstgebot von fast 9,5 Milliarden Euro, in Deutschland immerhin noch rund 8,5 Milliarden Euro - pro Lizenz. Die europäischen Betreiber beharren indes darauf, dass die Qualität ihrer künftigen UMTS-Dienste allen anderen überlegen sein wird und äußern kein Bedauern über die investierten Summen. Im Übrigen seien sie auf die UMTS-Frequenzen angewiesen, da die GSM-Netze allmählich ausgelastet seien.



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