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19. März 2000, 20:23 Uhr

Boykottaufruf

James Bond soll Automarke wechseln

In Großbritannien kocht die Verärgerung über BMW hoch. In nach Deutschland importierten Rover-Autos sollen eine im Sitzpolster eingenähte tote Katze sowie Zettel mit rassistischen Parolen und Hakenkreuzschmierereien gefunden worden sein. Zudem werden die Boykottaufrufe immer lauter.

Rover-Werk Longbridge: Rassistische Parolen gegen BMW
AP

Rover-Werk Longbridge: Rassistische Parolen gegen BMW

London - BMW solle dort getroffen werde, wo es wehtue: bei den Profiten, erklärte Ken Jackson, Generalsekretär der Vereinigten Ingenieurs- und Elektriker-Gewerkschaft. Der Vorsitzende der 700.000 Mitglieder starken Gewerkschaft GMB, die überwiegend Beschäftigte von Städten und Gemeinden vertritt, John Edmonds, sagte: "Die britische Öffentlichkeit sollte ihre Gefühle zeigen, indem sie BWM-Autos boykottiert."

Jackson legte Prominenten nahe, dabei eine Vorbildfunktion wahrzunehmen. Auch James Bond sollte die Automarke wechseln, forderte er. 007 sei ein Symbol für britischen Patriotismus, das keinesfalls mehr in einem BMW herumfahren dürfe, sagte der Gewerkschaftsfunktionär.

Soll die Marke wechseln: James Bond vor dem BMW 750
DPA

Soll die Marke wechseln: James Bond vor dem BMW 750

Handelsminister Stephen Byers forderte von BMW eine "spürbare Entschädigung" der von Arbeitsplatzverlust bedrohten Arbeitnehmer im Rover-Werk Longbridge. Byers kritisierte scharf, dass der für Rover verantwortliche BMW-Manager Werner Samann noch am 10. März versichert habe, es existierten keine Pläne für einen Verkauf von Rover. Nur fünf Tage später sei dann die Entscheidung offiziell bekannt gegeben worden.

Ungeachtet des Übernahmeangebots des Risiko-Kapitalfonds Alchemy drängte Byers zugleich potenzielle Investoren, alternative Kaufofferten für Rover abzugeben. Es gebe viele unbeantwortete Fragen zu den Absichten des Fonds, der den Automobilhersteller für drei Milliarden Euro von BMW erwerben will. "Es ist schwer zu sagen, was Alchemy mit Longbridge machen will", begründete Byers sein Misstrauen. Alchemy hatte angedeutet, es werde Entlassungen in dem Rover-Werk geben.

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