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Boykottieren US-Käufer deutsche Autofirmen?

aus DER SPIEGEL 15/1991

Über deutsche Politiker verbreitet BMW-Chef Eberhard von Kuenheim selten Gutes. Viele von ihnen wären in einem gut geführten Unternehmen längst entlassen, hat er - wohl zu Recht - oft geklagt. Mit seiner jüngsten Politiker-Schelte allerdings liegt der Manager ziemlich daneben. Die »uns unverständliche deutsche Außenpolitik« während des Golfkriegs, klagte Kuenheim vergangene Woche, sei wesentlich an den Verkaufseinbrüchen deutscher Autohersteller in den USA schuld. Der US-Absatz von BMW sackte in den beiden ersten Monaten dieses Jahres um 35 Prozent ab. Bei Mercedes-Benz betrug das Minus 30 Prozent, bei Audi 36 und bei Porsche über 60 Prozent. Tatsächlich aber wurden die Verkäufe vor allem durch Steuererhöhungen in einer ohnehin schwachen US-Autokonjunktur gebremst. Seit Januar werden alle Fahrzeuge, die über 30 000 Dollar kosten, mit einer zehnprozentigen Luxussteuer belegt. Zudem wurde eine Steuer für Autos mit hohem Benzinverbrauch angehoben. Davon betroffen sind neben den deutschen Firmen auch die anderen Hersteller von Oberklasse-Wagen wie etwa die Schweden Saab und Volvo. Daß die Außenpolitik kaum Einfluß auf den Autoverkauf hatte, zeigt der Jaguar-Absatz. Die Briten waren die folgsamsten Bündnispartner der USA während des Golfkriegs. US-Bürger kauften dennoch 36 Prozent weniger Jaguar-Limousinen.

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